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Georg Magreitter und Hanno Behrens

So lief die Hinrunde

Der 1. FC Nürnberg spielte seine punktemäßig schlechteste Bundesliga-Hinrunde aller Zeiten. Dabei verlief der Start gar nicht so schlecht. Dem unglücklichen 0:1 bei Hertha BSC zum Auftakt ließen die Franken zwei Unentschieden und den 2:0-Heimsieg gegen Hannover 96 folgen. Nach vier Spieltagen belegte der Club den achten Tabellenplatz. Nicht schlecht für einen Aufsteiger. Am 5. Spieltag zahlte das junge, sehr unerfahrene Team dann erstmals Lehrgeld - bei Borussia Dortmund ging man mit 0:7 unter.

Das Team schien dieser Rückschlag nicht aus dem Tritt zu bringen. Zuhause ließ es ein 3:0 gegen Fortuna Düsseldorf folgen. Doch eine Woche später der nächste Dämpfer - ein 0:6 bei RB Leipzig. Und diesmal zeigte es Wirkung. Außer im DFB-Pokal bei Drittligist Hansa Rostock (4:2 nach Elfmeterschießen) gelang dem Club bis zum Ende der Hinrunde kein Sieg mehr.

Am 15. Spieltag stand die Mannschaft dann erstmals auch auf einem Abstiegsplatz. Für die Ursachenforschung bedarf es keines Experten: Die schlechteste Abwehr der Liga mit 33 Gegentoren konnte sich in Drucksituationen zu selten befreien und machte zu leichte Fehler. Nach vorne fehlte gleichzeitig die Durchschlagskraft. Die besten Torschützen Hanno Behrens, Mikael Ishak, Federico Palacios und Adam Zrelak haben jeweils nur zwei Treffer auf dem Konto.

Andreas Bornemann

Andreas Bornemann

Wer kommt, wer geht

Die Fans hatten auf die eine oder andere Verstärkung gehofft. Laut Sportvorstand Andreas Bornemann wäre dafür auch etwas Geld da. Passiert ist bis dato allerdings nichts. "Im Winter sind meiner Ansicht nach vor allem Spieler auf dem Markt, die aus welchen Gründen auch immer nicht funktionieren", sagt Bornemann, "weil sie verletzt waren, nicht in Form sind, ihr Trainer auf andere Spieler setzt." Ob also bis zum Start gegen die Hertha noch jemand dazukommt, scheint also fraglich.

Ex-Spieler wie Josip Drmic, den Borussia Mönchengladbach gerne abgeben würde, oder woanders kalt gestellte Profis wie Holger Badstuber (VfB Stuttgart) könnten eine Option sein.

"Man muss nicht ständig hadern oder zweifeln oder alles schlecht sehen." Sportvorstand Andreas Bornemann

Hoffnung macht vor allem die Rückkehr von vier Stammkräften. Kapitän Hanno Behrens, Außenverteidiger Enrico Valentini, Mittelfeldspieler Eduard Löwen und Torwart Christian Mathenia, den Trainer Michael Köllner bereits offiziell zur "Nummer eins" gekürt hat, sind nach Verletzungen wieder da. Schon gegen Berlin sollen sie mithelfen, ihr Team wieder zu stabilisieren. "Das war eine herbe Schwächung, dass ausgerechnet die vier ausgefallen sind", bemerkte Köllner.

Der Club vertraut also dem vorhandenen Personal. Eduard Löwen gilt als einer der Gewinner des Trainingslagers in Benahavis/Spanien, ebenso wie der Brasilianer Matheus Pereira, der im August von Sporting Lissabon ausgeliehen wurde. Er könnte künftig für die notwendigen Überraschungsmomente im Offensivspiel sorgen. In der Abwehr drängt Innenverteidiger Ewerton wieder in die Startelf. Er deutete an, dass er wieder mehr sein kann als ein Edelreservist.

Als Motivator gefragt: Trainer Michael Köllner

Als Motivator gefragt: Trainer Michael Köllner

Der Trainer

"Ich bin mir sicher, dass wir gegen Berlin in einer Top-Verfassung auf dem Platz stehen", sagt Köllner. Woher der Oberpfälzer seinen unerschütterlichen Optimismus nimmt, ist allerdings nicht ganz klar. In den beiden Tests gegen PEC Zwolle (1:1) und Excel Mouscron (1:2) blieb die Mannschaft vieles schuldig. Die Probleme der Hinrunde schienen längst nicht abgestellt.

Köllner gilt trotzdem als einer, der eine Mannschaft mitreißen kann. Nichts weniger als das muss er nun beweisen.

Erwartungen an die Rückrunde

Nur drei Punkte trennen den FCN vom Relegationsplatz, der intern wohl als Ziel ausgegeben werden dürfte. Eigentlich nicht viel. Allerdings bekommt man es im Abstiegskampf mit deutlich erfahreneren und qualitativ stärker aufgestellten Teams zu tun - man denke nur an den VfB Stuttgart (16.) oder Vizemeister und Champions-League-Achtelfinalist FC Schalke 04 (13.). Die direkten Konkurrenten könnten also eher Hannover, Augsburg und Mitaufsteiger Düsseldorf sein. Dabei hat der Club nur die Augsburger noch zu Hause und muss nach Hannover und nach Düsseldorf reisen.

Die leiderprobten Club-Fans würden ihrem Team vielleicht sogar den neunten Bundesligaabstieg der Geschichte verzeihen. Dafür muss das Team aber als Einheit auftreten und kämpfen. Dem umtriebigen Michael Köllner wäre es zu wünschen, dass er seine Spieler noch einmal mitreißen und den Bock umstoßen kann. Das Umfeld ist aber eher auf eine triste Rückrunde im Tabellenkeller eingestellt. So titelte die Nürnberger Zeitung mit Blick auf die Rückrunde: "Depression statt Trendwende".