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Talentförderung: Erste Triathlon-WG in Nürnberg | BR24

© BR/Ulrike Nikola

Triathlon WG in Nürnberg: Der Triathlon-Nachwuchs im Keller beim Radtraining auf Rollen.

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    Talentförderung: Erste Triathlon-WG in Nürnberg

    Damit junge Triathlon-Talente am Bundesstützpunkt in Nürnberg optimal trainieren können, gibt es erstmals eine Triathlon-WG. Neben Schwimmen, Radfahren und Laufen müssen die Nachwuchssportler in der WG auch Waschen, Kochen und Putzen beherrschen.

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    In Nürnberg leben Triathlon-Nachwuchssportler gemeinsam in einer Wohngemeinschaft. Das bedeutet für sie, dass nicht nur ihr Sport, sondern auch der Alltag die Mitbewohner verbindet. Und der nimmt die jugendlichen Athleten durchaus in Anspruch. Schließlich heißt es nun: Auf eigenen Füßen stehen!

    WG-Alltag: Putzen

    Der Staubsauger ersetzt zwar nicht das Stabilitäts-Training, doch Nachwuchs-Triathlet Thomas Ott saugt trotzdem regelmäßig durch das gemeinsame Wohnzimmer der Triathlon-WG. Der 19-Jährige gesteht, dass er von den fünf WG-Bewohnern den größten Putzfimmel hat, doch wenn er mal loslegt, helfen die anderen meist mit.

    Auf eigenen Füßen stehen

    Magnus Männer, Paul Schönberger, Silas Schmitt und Sophie Rohr räumen auf, bringen den Müll raus und erledigen die Wäsche. Schließlich landen in einer Triathlon-WG täglich zig benutzte Sportklamotten und Handtücher im Waschkorb. Die jungen Triathleten starten in der kommenden Saison teilweise erstmals in der Erwachsenenliga, und müssen auch im täglichen Leben jetzt selbst für sich sorgen. "Daheim hat Mama die Wäsche gewaschen und jetzt müssen wir das tun. Aber das klappt besser als gedacht. Sobald der Schrank leerer wird, schmeißt einer die Waschmaschine an, und wenn die noch nicht voll ist, wird von den anderen noch was mitgewaschen", stellt Magnus Männer auf dem Weg in den Keller fest, den Wäschekorb unterm Arm.

    Gemeinsames Schwitzen im Radkeller

    Während sich Rad- und Laufsachen in der Waschmaschine drehen, treten die jungen Triathleten aus dem Bayernkader nebenan im Fahrradkeller in die Pedale. Im Winter stehen ihre Räder auf der Rolle und gemeinsam vergeht das sonst eher eintönige Training deutlich schneller.

    "In der Gemeinschaft motiviert man sich gegenseitig und pusht sich richtig. Das macht deutlich mehr Spaß als alleine eineinhalb Stunden auf der Rolle zu fahren. Das kann ganz schön zäh sein." Silas Schmitt, Triathletin, 18 Jahre alt

    Die jungen Triathleten, von denen einige zuvor die Elite-Sportschule Bertolt Brecht in Nürnberg besucht haben, wollen unter die ersten Platzierungen in der Triathlon-Bundesliga kommen. Dafür trainieren sie bis zu 25 Stunden in der Woche, sowohl Athletik- und Krafttraining als auch Schwimmen, Rad und Laufen. Sophie Rohr war 2017 schon deutsche Meisterin.

    "Haus der Athleten"

    "Eine starke Trainingsgruppe ist ausschlaggebend für sportliche Erfolge", sagt Thomas Burger, der Vizepräsident Leistungssport des Bayerischen Triathlon Verbands und Initiator des Projekts "Haus der Athleten" – wie die WG offiziell heißt. Das Ziel: Spitzenathleten in die Sporthochburg Nürnberg holen oder sie am Bundesstützpunkt Triathlon halten. So können beispielsweise Sophie Rohr und Thomas Ott nach dem Abitur an der Bertolt Brecht-Schule sowohl in Nürnberg studieren als auch die guten Trainingsmöglichkeiten um Bundesstützpunkt-Trainer Roland Knoll weiter nutzen.

    Förderung vom BTV

    Der Bayerische Triathlon Verband (BTV) unterstützt die WG auch finanziell, "denn wir wollen den jungen Triathlon-Talenten die Möglichkeit geben, weiter im gewohnten Umfeld ihre Leistungen zu verbessern und in den Wettkämpfen erfolgreich zu sein", so der Präsident Gerd Rucker. Seit einem Jahr gibt es in Nürnberg den bayernweit einzigen Bundesstützpunkt Triathlon, also mitten in dem Triathlon-Metropolregion mit dem weltweit bekannten Langstreckentriathlon Challenge in Roth, mit vielen Vereinen und der Bayreutherin Anne Haug als erste deutsche Triathlon-Weltmeisterin.

    Trainings-Qual verbindet

    Wer sich im Training gemeinsam quält, fühlt sich auch im Alltag verbunden, sagt Sophie Rohr. Seit ihrem Einzug im November haben sich die fünf WG-Bewohner noch nicht ernsthaft gestritten, und das Meiste erledigen sie gemeinsam. Doch so harmonisch es auch klingt, irgendwann muss jeder mal die Tür hinter sich zu machen können. Dann verschwinden die Fünf vom Esstisch im Erdgeschoss und gehen hoch in ihre Zimmer im ersten und zweiten Stock. Denn genügend Platz gibt in dem neuen „Haus der Athleten“ auf jeden Fall - auch für künftige Medaillen und Pokale.