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Der Doping-Skandal bei der Nordischen Ski-WM | BR24

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Der im Zusammenhang mit den Doping-Razzien bei der Nordischen Ski-WM festgenommene Arzt aus Erfurt bleibt in Haft. Die Spitze des deutschen Sports sieht keine Spur zu deutschen Athleten.

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Der Doping-Skandal bei der Nordischen Ski-WM

Der Erfurter Arzt bleibt in Haft, drei Sportler gestehen Eigenblutdoping, bei Funktionären liegen die Nerven blank und die Spitze des Eisbergs vielleicht noch lange nicht erreicht. Alles, was Sie rund um den neuesten Doping-Skandal wissen müssen.

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Tag eins nach den Doping-Razzien und Festnahmen in Deutschland und Österreich war erneut turbulent. Drei der fünf vorläufig festgenommenen Sportler haben gegenüber der Staatsanwaltschaft Innsbruck zugegeben, Eigenblutdoping betrieben zu haben. Gegen die drei Läufer bestehe der Verdacht des Sportbetrugs, so die Staatsanwaltschaft.

Alle drei hätten umfangreiche Angaben gemacht. Da die Sportler auf freiem Fuß nach dem aktuellen Ermittlungsstand die weiteren Ermittlungen nicht beeinträchtigen würden, liegen keine Gründe für eine Untersuchungshaft vor, so die Staatsanwaltschaft. Die drei Sportler, zwei Österreicher und ein Kasache, sind wieder auf freiem Fuß.

Unverändert in Haft sind dagegen die beiden estnischen Athleten, deren Vernehmung noch nicht abgeschlossen sei. Auch die beiden in Seefeld festgenommenen Komplizen des Erfurter Sportmediziners, zwei Deutsche, bleiben vorerst in Haft. Bis Freitagvormittag (01.03.2019) muss die Staatsanwaltschaft München I entscheiden, ob sie Übergabehaft beantragt, und die beiden in die Justizvollzugsanstalt Innsbruck gebracht werden. "Das weitere Ermittlungsverfahren gegen sie wird von der Staatsanwaltschaft München I gemeinsam mit den Ermittlungen gegen den deutschen Sportmediziner geführt werden", so die Staatsanwaltschaft.

Erfurter Arzt droht Gefängnisstrafe bis zu zehn Jahren

Gegen den festgenommenen Erfurter Sportmediziner wurde am Donnerstag Haftbefehl erlassen. Dessen Anwälte wollten zunächst noch keine Stellungnahme abgeben, später erklärte Rechtsanwalt Andreas Kreysa im ARD-Interview: "Der Haftbefehl bleibt aufrechterhalten ... Wir haben uns dazu entschlossen, vollumfänglich rückhaltlos mit der Staatsanwaltschaft zu kooperieren." Sein Mandant werde in die Münchner Justizvollzugsanstalt Stadelheim gebracht.

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Der im Zuge der jüngsten Doping-Razzien festgenommene Erfurter Sportarzt wird "vollumfänglich rückhaltlos" mit den Behörden kooperieren. Das erklärte sein Anwalt im ARD-Interview.

Dem Mediziner droht eine Gefängnisstrafe von bis zu zehn Jahren - sofern ihm und seinen mutmaßlichen Komplizen ein gewerbs- oder bandenmäßiges Delikt nachgewiesen werden kann. Dies sieht das 2015 verabschiedete Anti-Doping-Gesetz vor, wie Anne Leiding, Sprecherin der Staatsanwaltschaft München, bestätigte.

DOSB: "Kein direkter Kontakt zum deutschen Sport"

Deutsche Sportler sind nach derzeitigem Stand nicht in die Doping-Ermittlungen verwickelt. Dies erklärte Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB). "Nach heutigem Stand lässt sich das sehr klar und einfach beantworten", sagte Hörmann im ARD-Interview in Seefeld: "Es gibt keinerlei Beziehung (zum festgenommenen Sportarzt in Erfurt, Anm.d.Red.), die uns bekannt wäre, zu irgendeinem Nachwuchskader-Athleten oder gar einem Athleten auf der Topebene - also Olympia- oder Perspektivkader."

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Alfons Hörmann, Präsident des Deutsche Olympischen Sportbundes (DOSB), betonte am Rande der Nordischen Ski-WM im ARD-Interview, dass es bei den jüngsten Doping-Ermittlungen keine Beziehungen zu deutschen Sportlern gibt.

Österreich und Schröcksnadel pendeln zwischen Angriff und K.o.

Hörmanns Klarstellung kam nicht von ungefähr. Peter Schröcksnadel, Chef des österreichischen Skiverbands (ÖSV), hatte in einem Interview im ORF gesagt: "Ich habe auch gehört, es sind scheinbar auch deutsche Athleten betroffen, deutsche Ärzte betroffen." Nur lautes Poltern, um von den eigenen Sorgen abzulenken? Fakt ist: Mit Markus Gandler, dem sportlichen Leiter für Langlauf und Biathlon, muss Ende des Winters mindestens ein Verantwortlicher gehen. Zwar treffe Gandler persönlich keine Schuld, aber es werde Konsequenzen geben.

Einmal in Rage legte Schröcksnadel nach: In der nächsten ÖSV-Präsidiumssitzung wolle er den Ausschluss der Langläufer aus dem Verband fordern. Schon seit den Olympischen Spielen 2002 sind die Langläufer ein ÖSV-Sorgenkind. In Salt Lake City 2002 wurden Spritzen und Blutbeutel im Quartier der Österreicher gefunden, 2006 in Turin gab es Polizeirazzien, 2014 in Pyeongchang dann der Dopingskandal um Johannes Dürr, dessen Aussagen erst zu den jüngsten Razzien geführt hatten. Sportlicher Leiter damals wie heute: Markus Gandler.

Schröcksnadel will nun aufräumen. Wieder einmal. Geglückt ist es bisher noch nie. "Austria is a too small country to make good doping", hatte er den vermeintlichen 2006er-Ausrutscher noch erklärt. Auch diesmal sieht er sich als Opfer: "Wir als Skiverband sind betroffen, aber keine Täter." Schuldig seien nur die "zwei Trottln", wie er die ertappten österreichischen Langläufer nennt. Bei den Staffelrennen der Nordischen Ski-WM in Seefeld nimmt Österreich nicht mehr teil.