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Straubing Tigers: Die Eishockey-Wundertüte aus Niederbayern | BR24

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Die Straubing Tigers wollen auch in der neuen Saison der Deutschen Eishockey-Liga den ein oder anderen Nadelstich gegen die Topklubs der Liga setzen.

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Straubing Tigers: Die Eishockey-Wundertüte aus Niederbayern

Der familiäre Klub aus dem Osten Bayerns: Die Straubing Tigers sind ein unkonventioneller Kontrapunkt zu den Spitzenklubs der Deutschen Eishockey-Liga (DEL). Ob das ausreicht für einen Spitzenplatz in der neuen Saison, ist aber fraglich.

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So lief die letzte Saison

Auch wenn in den Pre-Play-offs gegen Berlin Endstation war - es war eine richtig gute Straubinger Saison. Erst am letzten Wochenende der Hauptrunde verpasste man die fixen Starterplätze für die Play-offs.

Bis dahin gab es 21 Siege und 81 Punkte. Besser war Straubing in der Hauptrunde nie in der DEL. Und: Vor allem die Spitzenteams bissen sich an den unbequemen Niederbayern reihenweise die Zähne aus. Am Ende wurde aber auch ersichtlich, dass die Mannschaft bei verletzungsbedingten Ausfällen von Leistungsträgern trotz Riesenmoral nicht alles kompensieren kann.

Trotzdem: Mit Jeremy Williams hatten die Tigers immerhin den Topscorer der Liga in ihren Reihen. 30 Tore und 27 Assists in der Hauptrunde - das ist eine Ansage. Die Tigers konnten ihn tatsächlich halten. Ebenso wie das Hirn der Mannschaft, Mike Connolly, und den ehemaligen Pittsburgh Penguin Jeff Zatkoff. Der ruhige Goalie, der mit seiner stoischen Ruhe ein wenig an den legendären Karl Friesen erinnert, holte vor drei Jahren mit Sid Crosby und Co den Stanley Cup.

Wer geht, wer kommt?

Die Philosophie, vor allem Spieler zu locken, die bereits bewiesen haben, dass sie in der DEL richtig was reißen können, allerdings bei ihrem letzten Klub nicht an ihre alten Leistungen anknüpfen konnten, ist in der vergangenen Saison ein guter Schachzug der Straubinger gewesen. Mit Mulock, Ziegler und Schopper hat man jedenfalls nichts falsch gemacht.

Ein weiteres Plus der Niederbayern: "Happy wife, happy life", wie es Sportboss Jason Dunham gerne ausdrückt. Im familiär gefühlten Klub fühlen sich auch die Familien der Spieler wohl und werden bestens betreut. Und das macht's manchmal leichter, die Stars zu halten.

In dieser Saison kommt mit Benedikt Kohl ein ehemaliger Nationalverteidiger aus Ingolstadt, der nach langer Verletzungspause wieder durchstarten will. Und im Sturm will Travis Turnbull nach einem durchwachsenen Jahr in Iserlohn wieder zeigen, was ihn nicht nur im Meisterjahr der Ingolstädter so wertvoll gemacht hat.

Königstransfer ist jedoch ein Mann, der das Zeug zum ligaweiten Star hat: Chase Balisy. Er hat bei den Florida Panthers bereits NHL-Luft geschnuppert und hat bereits mit 18 Jahren WM-Bronze mit den USA geholt. Der Mann aus Südkalifornien ist ein wieselflinker Spielmacher mit feiner Stocktechnik und der perfekten Gabe zu erkennen, wer gerade vor dem Tor am Besten postiert ist. Die Abgänge der Tigers halten sich in Grenzen und betreffen keine Topkräfte.

Der Trainer

Tom Pokel: In Italien ehemals Nationaltrainer, in Österreich lange Zeit eine feste Größe. Der Mann aus Wisconsin musste wegen eines Kreuzbandrisses früh seine Karriere beenden. In Schwenningen war er in der DEL 2002 bereits Chefcoach, in Ingolstadt 2003 Co-Trainer. Danach führte ihn sein Weg nach Österreich und Italien. Mit der italienischen Nationalmannschaft stieg er 2013 in die höchste Gruppe auf, stieg aber im Jahr darauf wieder ab. Mit Bozen gewann er 2014 den EBEL-Titel.

Straubing hat Pokel 2017 als Tabellenletzten übernommen und daraus ein tolles Team geformt. Er selbst ist ein absoluter Teamplayer und gilt in der Szene als akribischer Arbeiter, der stets 110 Prozent gibt.

Die Prognose

Dass die Tigers relativ unverändert in die Saison gehen, kann Fluch und Segen zugleich sein. Sie stellen unterm Strich ein sehr solides Team, sind aber wohl berechenbarer geworden. Und das alte Problem bleibt: Bei Verletzungen sitzt die zweite Garnitur bei so manchem anderen Klub ein wenig besser.

Aber: Straubing hat nicht nur ein erstklassiges Publikum, das die Mannschaft immer wieder nach vorne peitscht. Straubing hat mit Chase Balisy, Mike Connolly, Jeremy Williams und Jeff Zatkoff auch Spieler, die auch mal im Alleingang ein Spiel entscheiden können.

Und Nationalspieler Stefan Loibl, der nach der Saison zu Mannheim wechseln wird, ist mit seinen 23 einer der absoluten Shootingstars der Liga: torgefährlich und mit viel Spielwitz. Sollte der raubeinige Publikumsliebling und DEL-Strafbankkönig Sean Acolatse heuer ein wenig disziplinierter agieren, dann sollte man zumindest die Pre-Play-offs erreichen.