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Die Meisterschale der Virtuellen Bundesliga (VBL)

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    Start der Virtuellen Bundesliga: So bayerisch wie nie zuvor

    Saisonstart mit Rekordbeteiligung: 26 Klubs starten 2020/21 in der "Virtuellen Bundesliga", der E-Sport-Meisterschaft der Deutschen Fußball-Liga. Aus Bayern sind mit Augsburg, Nürnberg, Fürth, Regensburg und Würzburg erstmals fünf Vereine dabei.

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    Von
    • Bernd R. Eberwein

    Die "Club Championship" der Virtuellen Bundesliga (VBL) geht in ihre dritte Saison. 26 statt bisher 22 Klubs aus der 1. und 2. Fußball-Bundesliga ermitteln den Deutschen Meister 2020/21 - so viele wie nie zuvor.

    Und das, obwohl E-Fußball beziehungsweise E-Sport im Allgemeinen unverändert einen schweren Stand in Deutschland haben. Verbände wie der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hantieren mit Gutachten und räumen E-Sport nur sehr eingeschränkt Potenzial ein.

    In Bayern präsentiert sich der sonst nicht immer innovative Bayerische Fußball-Verband (BFV) einigermaßen fortschrittlich: Seit 2018 wird dort auch auf E-Fußball gesetzt. Seit diesem Jahr gibt es sogar zwei Bayernligen für die Mitgliedsvereine.

    Regensburg und Würzburg neu in der VBL

    Auch die bayerischen Profifußballklubs entdecken die Spielwiese E-Sport nur langsam. Der FC Augsburg, der 1. FC Nürnberg und die SpVgg Greuther Fürth waren schon in der vergangenen Saison dabei. Fürth durfte sich am Ende sogar mit dem Titel des Vize-Meisters schmücken.

    Neu in der Saison 2020/21 sind der SSV Jahn Regensburg und die Würzburger Kickers am Start. Um in der Premierensaison nicht ordentlich unter die Räder zu kommen, sicherten sich beide Teams VBL-Erfahrung.

    Ehemaliger Profifußballer "kickt" für Regensburg

    Bei den Würzburgern spielt unter anderem Marcel "Marlut" Lutz, der bisher für den VfB Stuttgart im Einsatz war, und mit den Schwaben sogar einmal die Vize-Meisterschaft feiern konnte. Regensburg sicherte sich die Dienste des Fürther Ausnahmetalents Leon Lödl.

    Kurios: Beim SSV Jahn ist mit Sven Kopp sogar ein "richtiger" Fußballer beim virtuellen Sport im Einsatz. Der Oberpfälzer, derzeit in der Landesliga bei seinem Heimatverein Weiden aktiv, spielte von 2014 bis 2018 für Jahn Regensburg.

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    Sven Kopp - von 2014 bis 2018 für den SSV Jahn als Profi aktiv, spielt jetzt in der neuen E-Sport-Mannschaft

    Die Suche nach dem Sinn - Potential ist vorhanden

    Doch was bringt das Engagement in einer virtuellen Fußballliga, in der man sich an Spielkonsolen mit einem Controller in der Hand duelliert? Auch für die Klubs ist es noch ein Stochern im Nebel. Es geht erst einmal ums Dabeisein.

    "Durch unser Engagement im E-Sport haben wir die Möglichkeit, mit jüngeren Jahn-Fans noch zielgerichteter in Kontakt zu treten und sie für den SSV Jahn, die Jahn-Profis und das Jahn-Stadion Regensburg zu begeistern", sagte beispielsweise Stephan Burmeister, der E-Sport-Verantwortliche der Regensburger.

    "Wir haben in der Vergangenheit immer wieder betont, dass der E-Sport ein hochinteressantes Themenfeld ist", heißt es bei Kickers-Vorstandschef Daniel Sauer. "E-Sports ist ein spannender, wachsender Markt, der großes Potential birgt und vor allem junge Menschen in Deutschland und weltweit bewegt", schreibt der 1. FC Nürnberg über seine virtuelle Fußballabteilung.

    Star vs. Team - was ist wichtiger?

    Die Vereine wollen ihre Präsenz bei der Jugend intensivieren. Dabei steht der Klub in der Wahrnehmung meist nur an zweiter Stelle. Im virtuellen Fußball sind es noch stärker als auf dem richtigen Rasen die Stars, die Topspieler, die Ausnahme-Individualisten, deren Strahlkraft auch auf den Klub übergehen soll.

    Der SV Werder Bremen ist da ein prima Beispiel. In der Fußball-Bundesliga laufen die Norddeutschen seit Jahren vergeblich ihren Glanzzeiten hinterher. In der Virtuellen Bundesliga sicherte sich Werder zuletzt zwei Mal die Team-Meisterschaft - dank außergewöhnlicher Topstars.

    Mohammed "Mo Auba" Harkous, gleichzeitig Weltmeister 2019, und Michael "Megabit" Bittner sorgten 2019 für den ersten Meistertitel. In der vergangenen Saison waren es Bittner und der von Stuttgart gewechselte Erhan "Dr. Erhano" Kayman, einer der Routiniers der Szene, seit 2011 schon E-Sportler.

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    Michael "Megabit" Bittner, der deutsche Einzelmeister 2019

    Die bayerischen Topstars

    "Das Team steht im Vordergrund", sagte Bittner zwar nach dem ersten Meistertitel mit Bremen 2019, und: "Irgendwie ist es ja auch einfacher, Fan von Werder Bremen zu sein als von 'MegaBit'." Doch es sind die starken Einzelspieler, die das Gesicht der Klubs in der VBL prägen. Was Milot Rashica für Werders Bundesligateam, ist Bittner für die elektronischen Kicker: Aushängeschild, Gesicht, Siegbringer.

    Neben dem Team-Wettbewerb gibt es in der VBL auch eine Einzelmeisterschaft. Die sicherte sich der mehrfache WM-Teilnehmer Bittner 2019 - durch einen Finalsieg gegen Weltmeister Harkous. Geboren in Bayreuth, aufgewachsen im fränkischen Helmbrechts, Studium in Bochum, dann zum SV Werder - und Bittners märchenhafter Aufstieg begann.

    Erst deutscher Meister, dann Ausbildung

    Bittner ist einer der Megastars der Szene, sein Nachfolger als deutscher Einzelmeister ist da eher der Gegenentwurf: Yannic 'yannic0109' Bederke ist der aktuelle Titelverteidiger und tritt mit seinem Klub FC Augsburg auch in der neuen Teamsaison der VBL an.

    Während zahlreiche E-Sportler auch als Streamer agieren - Bittner gibt etwa Taktiktipps auf seinem Youtube-Kanal -, widmete sich Bederke nach seinem Meister-Überraschungscoup erst einmal weiter seiner Ausbildung als Notarfachangestellter.

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    Der amtierende deutsche Einzelmeister Yannic 'yannic0109' Bederke

    Der 1. Spieltag der Virtuellen Bundesliga 2020/21

    Nord-West

    • Schalke 04 - VfL Bochum
    • SV Werder Bremen - FC St. Pauli
    • 1. FC Köln - Hamburger SV
    • Borussia Mönchengladbach - Hannover 96
    • Bayern 04 Leverkusen - Holstein Kiel
    • Eintracht - Braunschweig - VfL Wolfsburg

    Süd-Ost

    • FC Augsburg - Würzburger Kickers
    • SSV Jahn Regensburg - 1. FC Nürnberg
    • RB Leipzig - SV Darmstadt 98
    • SV Sandhausen - TSG 1899 Hoffenheim
    • Eintracht Frankfurt - SpVgg Greuther Fürth
    • Hertha BSC - 1. FSV Mainz