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Start der "Taskforce Zukunft Profifußball": Wer will was? | BR24

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DFL-Geschäftsführer Christian Seifert

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    Start der "Taskforce Zukunft Profifußball": Wer will was?

    Nutzt der Profifußball in der Corona-Krise die Chance, längst überfällige Reformen einzuleiten? Eine Projektgruppe der Deutschen Fußball Liga hat nun ihre Arbeit aufgenommen. Zuschauer und Fans hoffen auf baldige Ergebnisse.

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    Die Bundesliga ist in Corona-Zeiten zum Handeln gezwungen, da die wirtschaftlichen Folgen massiv sind und der Fußball mit seinen Millionen-Gehältern und wahnwitzigen Ablösesummen an gesellschaftlichem Ansehen verliert. Auf Druck von Politik und Fan-Bündnissen sieht die DFL nun die Notwendigkeit und hat die "Taskforce Zukunft Profifußball" gegründet. 35 Experten aus Politik, Gesellschaft, Wissenschaft und dem Fußball selbst wurden vom Präsidium der Deutschen Fußball Liga (DFL) nach wochenlangen Beratungen in die Arbeitsgruppe berufen.

    Die Erwartungen an das erste Treffen an diesem Dienstag (11 Uhr) sind hoch. Mehr gesellschaftliche Verantwortung, besseres Wirtschaften der Klubs, mehr Chancengleichheit in der Bundesliga, größere Einbindung der Fans - das sind zentrale Forderungen, die für einen Wertewandel im exaltierten Profigeschäft sorgen sollen. DFL-Geschäftsführer Christian Seifert bezeichnet das Projekt als "noch nie praktiziertes Vorgehen" im deutschen Profisport.

    Das will der Fußball

    Derzeit wird in der DFL über die Verteilung der Fernsehgelder diskutiert, vor allem die kleineren Vereine rechnen sich mehr aus. Eine Gleichverteilung der Milliarden-Erlöse wird es aber nicht geben. Die Differenz bei den Einnahmen aus der nationalen Rechteverwertung ist allerdings weniger das Problem als die Schere, die sich zwischen den Champions-League-Teilnehmern und dem Rest der Liga auftut. So kassierte der FC Bayern München nach seinem Triumph in der Königsklasse eine Rekordsumme in Höhe von 115,69 Millionen Euro an Prämienzahlungen der UEFA. Dazu kommen noch ein knapp zweistelliger Millionenbetrag aus dem sogenannten Marktpool sowie die Zuschauereinnahmen aus drei Heimspielen in der Gruppenphase.

    Zu Beginn der Corona-Krise hatten die Champions-League-Teilnehmer Bayern, Borussia Dortmund, RB Leipzig und Bayer Leverkusen 20 Millionen Euro in einer Solidaritätsaktion den Vereinen der 1. und 2. Liga bereitgestellt. Grundsätzlich aber sind sie nach eigenen Angaben auf die UEFA-Gelder angewiesen, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Einer Gehaltsobergrenze und Einschränkungen bei den Beraterhonoraren stehen manche Klubs aufgeschlossen gegenüber, dies muss aber mit EU-Recht vereinbar sein - und dann auch für andere große Ligen gelten.

    Das will die Politik

    Nicht nur dem Grünen-Politiker Cem Özdemir sind vor allem die hohen Spielergehälter ein Dorn im Auge. "Bei solch astronomischen Summen wie im Moment stellt sich einfach die Gerechtigkeitsfrage. Mittlerweile ist da vieles außer Rand und Band. Das tut dem Fußball auf Dauer nicht gut". Der 54-Jährige gehört der Taskforce an und sieht einen großen Reformbedarf. Es gehe darum, der "Entfremdung von Teilen der Fans durch fortschreitende Kommerzialisierung" entgegen zu wirken. Özdemir schlägt auch vor, die Lizenzvergabe an Rücklagen zu binden, die die Klubs vorweisen müssen.

    Lars Klingbeil will sich als Teilnehmer für strengere Regeln bei Beraterverträgen einsetzen. "Das ufert total aus und muss reguliert werden", sagte der SPD-Generalsekretär. Außerdem werde es sicher auch eine Debatte über eine Gehaltsobergrenze für Profifußballer geben. Der Fußball entwickele sich derzeit in eine Richtung, die er problematisch finde:

    "Die zunehmende Kommerzialisierung, die wachsende Distanz zwischen Fans und Vereinen, aber auch zwischen Profifußball und Amateuren führen dazu, dass der Blick auf den Fußball von vielen kritischer geworden ist". SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil
    © picture-alliance/dpa

    Fanproteste waren zuletzt an der Tagesordnung

    Das wollen die Fans

    Die organisierte Szene hat sich bereits detailliert mit verschiedenen Themenkomplexen auseinandergesetzt und Analysen und Vorschlägen öffentlich gemacht. Bemängelt wird unter anderem, dass der Fußball seiner vielzitierten Verantwortung viel zu selten gerecht wird. "Menschenrechte spielen bei neuen Kooperationen, wenn überhaupt, nur eine untergeordnete Rolle. Einen vielfältigen und inklusiven Fußball gibt es häufig nur auf dem Papier", kritisieren die Vertreter. Die Initiative "Unser Fußball" mit rund einer halben Million Unterstützern fordert Vereine und Verbände auf, die Zukunft des Fußballs "basisnah, nachhaltig und zeitgemäß" zu gestalten.

    Das Szenario, dass die Zuschauer nach Corona aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr so zahlreich in die Stadien strömen könnten, hat die Branche aufgeschreckt. Das führe zu einer Entfremdung zwischen Fußball und Fans. "Ein ausverkauftes Stadion ist sicherlich kein Beleg für die gesellschaftliche Verankerung des Fußballs. Vielleicht haben wir das so gesehen und es uns damit zu leicht gemacht, bekannte Christian Seifert. "Wenn wir morgen die Stadien wieder komplett füllen dürften, wären sie möglicherweise nicht so voll wie zuvor".

    Taskforce als "ergebnisoffenes" Projekt

    Mit den Ergebnissen der Arbeitsgruppen beschäftigt sich danach das DFL-Präsidium und die Mitgliederversammlung mit ihren 36 Profiklubs . Auf schnelle Ergebnisse darf man allerdings nicht hoffen, bis zum Jahresende sollen mögliche Perspektiven aufgezeigt werden. Spannend ist die Frage, ob sich der Profifußball auch zu Einschnitten bereit erklärt, die die internationale Konkurrenzfähigkeit beeinträchtigen könnten.