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Führt der "Fürther Weg" zum zweiten Bundesligaaufstieg der Vereinsgeschichte? Die SpVgg Greuther Fürth hat es an den letzten drei Spieltagen der 2. Fußball-Bundesliga in der Hand, den Aufstieg zu sichern.

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SpVgg Greuther Fürth - trotz Aufstiegschance droht ein Umbruch

Sportchef Rachid Azzouzi und Trainer Stefan Leitl haben bei der SpVgg Greuther Fürth in kürzester Zeit aus einem Zweitliga-Fastabsteiger einen potenziellen Bundesligaklub geformt. Doch selbst wenn der Aufstieg glückt, werden Leistungsträger gehen.

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Von
  • Bernd R. Eberwein

Karlsruher SC, Paderborn und Fortuna Düsseldorf - schaut man aufs Restprogramm der Spielvereinigung Greuther Fürth gegen Teams aus der oberen Tabellenhälfte wird klar, dass der mögliche Weg in die Fußball-Bundesliga noch ein steiniger ist.

Drei Punkte liegt Fürth als Zweiter hinter Tabellenführer VfL Bochum. Dahinter folgt mit vier Punkten Rückstand Holstein Kiel, allerdings haben die "Störche" noch zwei Spiele weniger auf dem Konto.

Doch ganz egal, ob mit oder ohne Aufstieg am Saisonende: Ein kleines Fußballwunder dürfen die "Kleeblättler" auch so feiern. In den vergangenen Jahren ging's häufiger gegen den Abstieg, in der letzten Saison stabilisierte Trainer Stefan Leitl das Team dann und führte die Spielvereinigung auf Platz neun.

Aber dass der nächste Schritt, das Schnuppern am zweiten Aufstieg nach 2012, so schnell kommen würde? Die finanziellen Möglichkeiten bei den Mittelfranken sind eher eingeschränkt, der Etat im Vergleich zur Konkurrenz klein.

Azzouzi und Leitl - die Architekten des Erfolgs

Fürth sei der "wirtschaftlich vielleicht schwächste Verein" im Profifußball sagte Sportdirektor Rachid Azzouzi im Februar im Exklusivinterview mit BR Sport. Damals hatte das "Kleeblatt " gerade Kiel mit 2:1 geschlagen.

Das Wort "Aufstieg" vermied er da noch, gab aber auch das Saisonmotto "No Limit, keine Grenzen" vor. Azzouzi ist gemeinsam mit Trainer Leitl wohl der zentrale Faktor des Fürther Erfolgs. Der Sportchef agiert, anders als viele Kollegen der Fußballbranche, gerne unaufgeregt im Hintergrund.

Drei Spieltage vor dem Saisonende bleibt er in Sachen Aufstieg weiter entspannt. "Ich glaube, dass uns der bisherige Saisonverlauf Zuversicht geben muss", sagt Azzouzi: "Die ganze Saison hat gezeigt, zu was die Mannschaft und das Trainerteam im Stande sind."

Die Philosophie - der "Fürther Weg"

Laut poltern über den Aufstieg spricht Azzouzi weiter nicht. Das würde irgendwie auch nicht passen zu dem, was mittlerweile als "Fürther Weg" zum Markenzeichen des Klubs geworden ist: Nachwuchsförderung und ansehnliche Spielweise stehen im Mittelpunkt.

"Dieser Weg ist maßgebend dafür, dass wir einmal die jüngste Mannschaft der Liga haben", sagt Azzouzi und betont, dass diese jungen Spieler auch tatsächlich auf dem Platz stehen - und nicht nur im Kader sind. Und daneben steht diese Jugendstil-Truppe auch noch für "attraktiven Fußball". Und das sagt nicht nur Azzouzi, das finden auch viele Experten, die Fürth für die zur Zeit spielerisch stärkste Mannschaft in der Liga halten.

Die Balance aus Offensive und Defensive passt endlich

Das Lob gibt der Sportdirektor hier gerne ans Trainerteam um Chefcoach Stefan Leitl weiter. Und in der Tat: Leitl ist es, der die Fürther Philosophie punktgenau auf dem Platz umsetzen lässt. Die Abwehr brachte Leitl schon in der vergangenen Saison auf Vordermann. Neu in der Spielzeit 2020/21 ist, dass nun auch seine Offensivkräfte ihr Potenzial entfalten.

Die Tormaschine der 2. Bundesliga

60 Tore hat Fürth bereits erzielt, gemeinsam mit dem HSV bedeutet das den Spitzenwert der 2. Bundesliga. In der vergangene Saison waren es am Ende gerade mal 46 Treffer.

13 Treffer gehen allein aufs Konto von Branimir Hrgota, der in seiner zweiten Saison bei Fürth der Aktivposten im Sturm schlechthin ist, denn er lieferte auch noch sieben Assists. Neun Mal traf sein Mittelstürmerkollege Havard Nielsen, dahinter folgt mit Julian Green (acht Tore) einer der gefährlichsten Mittelfeldspieler der Liga.

David Raum - der Top-Vorlagengeber

Daneben formte Leitl aus hoffnungsvollen Talenten unumstrittene Stammspieler. Die Außenverteidiger David Raum (23 Jahre) und Marco Meyerhöfer (25) sorgten gemeinsam schon für 21 Torvorlagen. Raum ist mit 14 Vorlagen Spitzenreiter in der 2. Liga, gemeinsam mit Bochums Robert Zulj.

Fürth steht vor einem Umbruch

Bitter nur, dass solche Ausnahmespieler natürlich die Begehrlichkeiten anderer Klubs wecken. Raum wird Fürth nach der Saison zu Bundesligist 1899 Hoffenheim verlassen. Mittelfeldmann Sebastian Ernst (sieben Tore, sechs Vorlagen) zieht es nach Hannover.

Bis dahin werden beide aber für den großen Traum vom Bundesligaaufstieg kämpfen und die Zeit in Fürth genießen. "Wir haben einfach Bock, jeden Tag, jedes Spiel", sagte Ernst vor wenigen Tagen in einem Interview: "Wir verstehen uns großartig, wir wollen jedes Wochenende alles reinwerfen."

Fürth - erster Meister und ganz viel Achterbahn

Die Spielvereinigung Greuther Fürth kennt alle Höhen und Tiefen des Fußballlebens. 1914 schnappten sich die "Kleeblättler" bis in die Ewigkeit den Titel, der erste Deutsche Meister aus Bayern zu sein. Nach zwei weiteren Titeln folgten nach dem Weltkrieg aber triste Jahrzehnte.

Fürth pendelte zwischen den Ligen zwei, drei und vier. 1996 der vermeintliche Tiefpunkt: Geldsorgen und die unausweichliche Fusion mit dem TSV Vestenbergsreuth - eine Entscheidung, die sich nachträglich als Glücksgriff erwies. Der Klub stabilisierte sich und ist seit 25 Jahren, seit 1997, Dauergast in der 2. Fußball-Bundesliga.2012/13 gab es ein einjähriges Gastspiel in der Fußball-Bundesliga - das bisher einzige in der Vereinsgeschichte.