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Sprint-Ass Lückenkemper: USA-Team "wie ein kleiner Ritterschlag" | BR24

© picture-alliance/dpa

Gina Lückenkemper

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    Sprint-Ass Lückenkemper: USA-Team "wie ein kleiner Ritterschlag"

    Im BR24 Sport-Socialmedia-Talk auf Instagram hat Leichtathletin Gina Lückenkemper über ihre neue Trainingsgruppe in Florida, fiese Laktatschmerzen und Olympia gesprochen. Aber auch zu den Protesten in den USA hat die 23-Jährige Position bezogen.

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    Gina Lückenkemper ist aktuell die schnellste Frau Deutschlands. Mit einem 100-Meter-Lauf in 10,95 Sekunden katapultierte sich die Sprinterin 2017 in London auf Platz sechs der ewigen deutschen Bestenliste.

    Ob die Wahl-Bambergerin in dieser Saison ihre Bestzeit noch einmal angreifen kann, weiß sie nicht. Die Leichtathletik-Veranstalter würden zwar viel unternehmen, um Meetings stattfinden zulassen, aber man müsse die aktuelle Corona-Situation einfach abwarten. Auch über Olympia 2021 zu reden, hält die 23-Jährige für verfrüht. "Es ist zu früh darüber zureden, ob oder wie die Olympischen Spiele 2021 in Tokio abgehalten werden. Die Situation kann sich ja jederzeit wieder ändern. Da heißt es abwarten - was anderes bleibt uns ja nicht übrig."

    "Das Laktat zwingt dich zum Weinen"

    Die Olympia-Verschiebung kommt aber Lückenkemper entgegen. Ende 2019 verkündete sie das Ende ihrer Zusammenarbeit mit ihrem langjährigen Trainer Uli Kunst und trainiert seitdem mit der Trainingsgruppe des US-Coach Lance Brauman in Clermont, Florida. "Ich kann mich besser in das neue Trainingssystem einarbeiten. Ich habe mehr Zeit, um besser mit den Belastungen klar zu kommen und nicht immer am Boden zu liegen." Oft müsse sie beim Training mit den Tränen kämpfen. "Das Laktat zwingt dich zum Weinen. Wir hatten viel Training in den letzten Wochen, da fliegt dir das Laktat nur so um die Ohren. Es war so schlimm, dass ich am Ende auch noch Kopfschmerzen bekommen habe. Am Ende lag ich weinend auf der Tartanbahn."

    Viele schmerzhafte Momente hat Lückenkemper hinter sich, aber sie ist froh und dankbar, sich für den Leistungssport entschieden zu haben. "Ich habe zwar viel verpasst, wie zum Beispiel den Abiball, aber ich kann viele Geschichten erzählen, die ich ohne den Sport nicht erlebt hätte. Ich bin dafür dankbar, auch wenn viele schmerzhafte Momente dabei waren."

    Großes Ziel: Einzelfinale auf der "großen Bühne"

    Ihr großes sportliches Ziel ist es, auf der großen Bühne des Sports in ein Einzelfinale zu gelangen. "Das Ziel ist es, erstmals in ein olympisches Finale im Einzel zu kommen", sagt Lückenkemper. "Wenn man in so einem Finale steht, dann ist alles möglich." Dafür trainiert sie hart mit der neuen Trainingsgruppe. "Es wäre verrückt gewesen, wenn ich das nicht ausprobiert hätte. Ich wollte raus aus meiner Komfortzone und an die Grenzen gehen."

    Der Sprung über den Atlantik hat sich für Deutschlands Top-Sprinterin "wie ein kleiner Ritterschlag" angefühlt. "Das ist schon eine sehr elitäre Gruppe", sagt die 23-Jährige. In den USA trainiert sie unter anderem mit dem einheimischen 200-Meter-Weltmeister Noah Lyles.

    Lückenkemper mit Appell bezüglich Protesten in den USA

    Nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd, der infolge eines brutalen Polizeieinsatzes in den USA starb, habe es auch in Florida Proteste und Solidaritätsbekundungen gegeben, erzählt Lückenkemper. Man sollte einfach mal hinterfragen: "Warum sind die Leute der Meinung, dass sie nur mit Gewalt gehört werden? Und ich glaube, das ist ein ganz, ganz großer und wichtiger Punkt."