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Schule und Spitzensport unter einen Hut zu bekommen, das ist in Bayern schwierig. Es gibt viel zu wenig Schulen, die auf die Bedürfnisse der jungen Athleten eingehen. Andere Bundesländer sind da deutlich besser aufgestellt.

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Sportverband schlägt Alarm: Bayerns schwache Nachwuchsförderung

Bayerns Sportlerinnen und Sportler - im Winter top, im Sommer ohne Chancen. Zumindest, was den Nachwuchs angeht. "Team Sport-Bayern" schlägt Alarm: Was Talentförderung und Schule betrifft, hinkt der Freistaat weit hinterher.

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Von
  • BR24 Sport
  • Nils Hahn

Alfons Hölzl zeichnet ein düsteres Bild: Im Verhältnis zur Bevölkerungszahl habe Bayern in Deutschland die zweitschlechteste Abdeckung mit Elitenschulen für Sommersportarten. Nur in Niedersachsen schaue es noch schlechter aus, erklärte der Vorsitzender von "Team Sport-Bayern" (TSB).

Im TSB sind 27 Sportverbände mit rund vier Millionen Sportlerinnen und Sportlern vertreten. Nachwuchsleistungssport und Breitensport sollen nachhaltig gefördert werden. Doch während es mit den Eliteschulen im Wintersport bestens klappt, hakt es im Sommer.

In den beiden Eliteschulen in München und Nürnberg sind derzeit nur rund 350 Talent. Nur 16 von 33 Olympischen Sportarten seien vertreten, so Hölzl.

TSB: "Bayern soll konkurrenzfähig werden"

Der TSB möchte das Schulnetz, ähnlich wie im Wintersport, um Partnerschulen erweitern. Dies erklärten der Verband und Unterstützer im Rahmen einer Pressekonferenz in der Tennisbase Oberhaching.

"Der Freistaat muss im Verbund mit den Sportfachverbänden den bayerischen Talenten helfen, konkurrenzfähig zu werden und gleichzeitig zu hohe Drop-out-Quoten sowie die Abwanderung in andere Bundesländer verhindern", sagt Hölzl.

Partnerschulen mit Leistungssportklassen

In einer Arbeitsgruppe hat der TSB diverse Lösungsansätze entwickelt. Unter anderem sollen die drei weiterführenden Schularten "in einem Verbundsystem von Partnerschulen mit entsprechenden Leistungssportklassen" zusammengeschlossen werden.

Für die leistungssportliche Ausbildung soll in diesem Verbund dann der jeweilige Sportfachverband Trainer und Sportstätten zur Verfügung stellen.

"Wenn wir nicht weiter Talente verlieren wollen, brauchen wir in Bayern ein neues Schule-Leistungssport-Verbundsystem, das auf einer klaren Aufgabentrennung für die schulische bzw. leistungssportliche Ausbildung basiert." Der für Leistungssport zuständige TSB-Vorstand Armin Zimmermann

Prominente Kritiker: Nyguen, Becker, Fischer

Die Kritik an den fehlenden Möglichkeiten in Bayern, Schule und Leistungssport sinnvoll zu kombinieren, ist nicht neu. Der TSB zitiert unter anderem Turner Marcel Ngyuen, den ehemaligen Biathlon-Bundestrainer Fritz Fischer und den früheren Wimbledonsieger Boris Becker.

"Das staatliche Schulsystem in Bayern ermöglicht einem Leistungssportler kaum, seine sportliche Leistung parallel zur Schule zu entwickeln. Bayern hinkt hier weit hinterher", so Nguyen.

Bayern mit "Nachholbedarf"

Ähnlich sieht es Fischer: "Andere Länder, auch in Mitteleuropa, haben längst Lösungen für die Beschulung von jugendlichen Spitzenathleten, die ihnen die Entwicklung der sportlichen Leistung parallel zur Schule ermöglicht. Da haben wir in Bayern im nationalen und internationalen Vergleich noch Nachholbedarf."

Becker verweist darauf, dass im Tennis Bundeskaderathleten aus Oberhaching mangels Optionen in Bayern den Freistaat verlassen und das Privatgymnasium Schwetzingen bei Mannheim besuchen, den größten Standort des Deutschen Tennis-Bundes.