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Sportler setzen weltweit Zeichen gegen Rassismus | BR24

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Die Sportwelt geht aufs Knie. Egal ob Mönchengladbachs Marus Thuram, die Amateure des Fc Bayern, oder die Mannschaften von Borussia Dortmund und Hertha im Bundesliga-Topspiel am letzten Samstag.

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Sportler setzen weltweit Zeichen gegen Rassismus

Die Sportwelt geht auf die Knie. Egal ob Mönchengladbachs Marcus Thuram, die Amateure des FC Bayern oder die Mannschaften von Borussia Dortmund und Hertha BSC Berlin im Bundesliga-Topspiel am letzten Samstag.

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Weltweit nutzen Sportler ihre Popularität, um nach dem gewaltsamen Tod von George Floyd ein Zeichen zu setzen. Und dieses Zeichen ist, jetzt eben aufs Knie zu gehen. Colin Kaepernick, der ehemalige Quarterback der San Francisco 49ers hatte die Geste im September 2016 für seinen friedlichen Protest gegen die Polizeigewalt gegen Schwarze verwendet. Kaepernicks Weigerung, der amerikanischen Nationalhymne im Stehen andächtig zu lauschen und auf die Soldaten zu schauen, die die amerikanische Flagge präsentieren, wurde zum Protest schwarzer Sportler gegen weiße Polizeigewalt in den USA schlechthin.

"Ich werde weiter knien. Es muss sich was ändern, wenn ich fühle, dass sich dieses Land in einer Weise verändert, was diese Flagge wirklich repräsentiert, was sie repräsentieren sollte. Dann werde ich stehen. Ich bin in einer Position, das tun zu können, und tue es für die, die es nicht können", sagt Kaepernick.

Die Antwort auf Kaepernick ist gewaltig

Wir haben dafür gekämpft, dass er das tun kann. Er ist ein Idiot, schimpft ein weißer Fan, während Barack Obama damals noch US-Präsident Verständnis zeigt. "Er macht Gebrauch von seinen verfassungsmäßigen Rechten", sagt Obama. Doch die Antwort von Donald Trump 2016 mitten im US-Wahlkampf ist laut und deutlich. Trump fordert die Clubbesitzer der NFL auf, jeden "Son of a Bitch“ der die Flagge missachtet, zu feuern. Und Trumps Worte bekommen nach seiner Wahl zum Präsidenten noch mehr Gewicht. Kaepernick macht sein letztes Spiel im Januar 2017, kurz vor Trumps Vereidigung. San Francisco entlässt ihn und er findet bis heute keinen neuen Verein, obwohl er das Zeug hätte, den Super Bowl zu gewinnen. Doch seine Geste ist mächtig. Und in diesen Tagen aktueller denn je.

"Wenn Ihr nicht für uns seid, seid ihr gegen uns“

In Denver marschiert am vergangenen Samstag inmitten Tausender Demonstranten eine Gruppe muskulöser Männer mit. Alle tragen schwarze Shirts mit der Aufschrift: "Wenn Ihr nicht für uns seid, seid ihr gegen uns“. Die Gesichter der Männer sind von Corona-Masken bedeckt, doch jeder kennt sie. Es sind die Superstars der Denver Broncos. Mehr als 50 sind zu der Demonstration gegen weiße Polizeigewalt gekommen. Broncos Safety Justin Simmons erklärt, dass sie nicht als Broncos, sondern als Mitglieder der Gemeinschaft gekommen sind.

Auch Dalton Risner, der riesige weiße Offensive Guard sieht es als seine Pflicht, seine schwarzen Teamkollegen im Kampf gegen Rassismus zu unterstützen. "Auch er sieht ein Problem", sagt der 142 Kilo-Hüne. Lest unsere Shirts und unsere Botschaft fordert er auf und betont, wie wichtig es ist, dass diejenigen, die eine solche Plattform haben, vorangehen.

Ohne schwarze Spieler würde es keine NFL geben

Doch nicht alle Football-Stars ziehen mit. Drew Brees, der weiße Quarterback der New Orleans Saints, attackiert nur Stunden zuvor die Geste, bei der Hymne aufs Knie zu gehen. "Ich werde niemals jemanden zustimmen, der die Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika nicht respektiert", erklärt Brees. Doch die Antwort kommt schnell, direkt und hart wie ein Tackle. Malcom Jenkins, zweifacher Super-Bowl-Gewinner zerlegt seinen Quarterback mit Tränen in den Augen. "Wenn das seine Meinung ist, dann ist Brees Teil des Problems", verpasst Jenkins seinem Mitspieler einen harten Hit, der daraufhin wohl noch mal nachdenkt. "Ich weiß, dass ich viele Menschen verletzt habe. Ich wünschte, ich hätte besser erklärt, was in meinem Herzen vorgeht, bezüglich des Mordes an George Floyd und den jahrzehntelangen sozialen Ungerechtigkeiten und der Polizei Brutalität. Es tut mir leid."

Eine Aussage die man auch in der NFL-Zentrale gerne hört. Denn längst hat der sonst meist schweigsame Commissioner Roger Goodell verstanden, wie sehr dieses Thema auch sein Hochglanz-Produkt spalten kann. "Wir, die National Football League, können Rassismus und eine systematische Unterdrückung von schwarzen Menschen stoppen. Ohne die schwarzen Spieler würde es keine National Football League geben."

Nach der klaren Stellungnahme lässt der nächste Tweet von Donald Trump nicht lange auf sich warten: "Kann es sein, dass Roger Goodell angedeutet hat, dass es für die Spieler okay sein könnte, bei der Hymne zu knien und damit die Flagge und unser Land zu missachten?", fragt Trump.

Bayern-Präsident Herbert Hainer unterstützt mündige Sportler

Ein Kniefall als Protest ist längst eine weltweite Bewegung. Und das ist auch gut so, fordert Bayern-Präsident Herbert Hainer mündige Sportler. "Ich bin der Überzeugung, wir wollen mündige Athleten und mündige Sportler haben, und denen kann man auch nicht den Mund verbieten."

Ob sich durch kniende Sportler etwas ändert, wird sich zeigen. Für Anthony Ujah von Union Berlin ist es mehr als ein Anfang: "Wir sind jetzt momentan in auf einem guten Weg, was jetzt passiert bleibt in unserem Kopf und in unserem Herz."