BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© DAV/Jorgos Megos
Bildrechte: DAV/Jorgos Megos

Alexander Megos tritt bei den Olympischen Spielen in Tokio an

Per Mail sharen

    Sportkletterer Alex Megos vor der Olympia-Premiere

    Wenn am Freitag die Olympischen Sommerspiele in Japan beginnen, werden auch Athleten ins Stadion einziehen, die ihre Disziplin zum ersten Mal bei Olympia vertreten: Als Sportkletterer ist etwa der Franke Alex Megos nach Tokio gereist.

    Per Mail sharen
    Von
    • Kilian Neuwert

    Zum ersten Mal treten bei den Olympischen Sommerspielen auch Kletterer gegeneinander an. Aus Deutschland haben sich zwei Athleten qualifiziert: Der Frankfurter Jan Heuer und Alexander Megos aus Erlangen. Megos ist in der Szene in erster Linie bekannt, weil ihm schwerste Kletterouten an Felsen weltweit gelungen sind. Als klassischer Wettkampfkletterer will er sich deshalb nicht verstanden wissen. Bereits die Qualifikation für Olympia wertet er als Erfolg. Es sei „cool dabei zu sein“, schließlich gebe es nur ein erstes Mal, sagte Megos im BR-Interview.

    Neues Wettkampfformat „Olympic combined“

    Für die Spiele wurde eigens ein Wettkampfformat erdacht, in dem sich die Kletterer miteinander an Kunstwänden messen müssen. Die drei Disziplinen „Lead“, „Speed“ und „Bouldern“ werden kombiniert. Obwohl sie völlig verschieden sind, gibt es am Ende nur eine Medaille.

    Leadklettern ist mit dem klassischen Sportklettern zu vergleichen: Die Route ist unbekannt. Wer am höchsten kommt bekommt die meisten Punkte. Das Seil wird beim Klettern in die Zwischensicherungen gehängt.

    Beim Speedklettern müssen Kletterer eine klar definierte Route an einer Wand möglichst schnell hinauf – mit Seilsicherung von oben. Die Route ist immer gleich und immer 15 Meter lang, egal ob die Griffe an eine Wand in Hamburg oder Hanoi geschraubt werden.

    Bouldern ist Klettern ohne Seilsicherung in Absprunghöhe – nur wenige Meter über dem Boden. Maximale Schwierigkeiten – konzentriert auf ein paar Meter. Spektakuläre Bewegungen sind garantiert. Pro Boulderproblem haben die Athleten eine bestimmte Zeitspanne für ihre Versuche. Am meisten Punkte gibt es, wenn der Ziel-Griff erreicht und mindestens drei Sekunden lang gehalten wird.

    Kritik am Wettkampfmodus

    Da es bislang zwar Spezialisten in allen Einzeldisziplinen gab, die Kombination aber eine große Herausforderung darstellt, sehen viele Sportler die gemeinsame Wertung kritisch. So auch der Franke Alex Megos: „Das wäre so, wie wenn man den Läufern gesagt hätte: Es gibt nur eine Medaille fürs Laufen. Ihr müsst dafür jetzt 100 Meter sprinten, ihr müsst einen Marathon laufen und dann noch vierhundert Meter Hürden.“

    Für die Zukunft wünscht sich Megos Einzelmedaillen in den jeweiligen Disziplinen. Noch müsse man aber Kompromisse eingehen, sagte er. Im Moment fühle er sich nicht wohl, mit dem Speedklettern eine Sportart bei Olympia zu repräsentieren, in der er nicht Weltklasse sei, so Megos.

    Das Speedklettern hat nur in einigen Osteuropäischen Staaten sowie in Russland Tradition. Für viele Athleten aus anderen Regionen ist es eine spezielle Herausforderung. Auch weil es wenig mit den anderen Disziplinen gemein hat.

    Sorgen um die Zukunft des Sports

    Unterdessen ist die Kletterszene gespalten, was Olympia angeht. Während die einen den Wettbewerben vom 3. bis 6. August voll Euphorie entgegenfiebern, sorgen sich andere um mögliche Begleiterscheinungen auf lange Sicht. Etwa der Berchtesgadener Profikletterer und Ausnahmealpinist Alexander Huber.

    Zwar sei das Wettkampfklettern noch ein sehr sauberer Sport, doch das könne sich mit der zunehmenden Professionalisierung ändern, fürchtet Alexander Huber: „Doping wird eine Sache sein, die kann unseren Sport in Zukunft beschäftigen. Warum soll es beim Klettern anders sein als bei anderen Sportarten?“

    Gesundheitliche Folgen für die Athleten

    Alexander Huber ist nicht allein mit diesen Befürchtungen: So sorgt sich etwa Stefan Glowacz um gesundheitliche Folgen für die Sportler. Der moderne Wettkampfsport Klettern werde seinen Tribut in Form von Verletzungen fordern, sagte er dem BR.

    Glowacz hat in den Achtzigerjahren sehr erfolgreich an den allerersten Kletterwettkämpfen überhaupt teilgenommen. Nach seiner Wettkampfzeit kehrte er zurück zum reinen Felsklettern. Bis heute lebt Glowacz, Jahrgang 1965, vom Klettern und Bergsteigen.

    Junger Sport

    Entstanden ist das Wettkampfklettern aus der Sportkletterbewegung heraus. Diese bekam wichtige Impulse aus der Fränkischen Schweiz, wo Kletterer ab Mitte der 1970er-Jahre versuchten, bestehende Routen an Felsen frei zu klettern – also mit den Händen und Füßen nur am Fels. Haken und Seil sollten nur mehr zur Sicherung dienen, nicht um sich daran hochzuziehen. Gerastet werden durfte auch nicht mehr in den Sicherungen. Weltweit bekannt wurde dieser Stil als „Rotpunktklettern“ bekannt. Binnen weniger Jahre explodierten die Schwierigkeiten.

    Erste Wettkämpfe in Italien

    Erste Wettkämpfe gab es in Westeuropa ab Mitte der 1980er Jahre. Der Oberbayer Stefan Glowacz gewann mit dem "Sport Roccia" in Bardonecchia 1985 den allerersten Wettkampf überhaupt. Beim wenig später etablierten „Rockmaster“ in Arco war er 1987, 1988 und 1992 erfolgreich. Während die ersten Wettkämpfe noch an echten Felsen stattfanden, wurden gegen Ende der 1980er Jahre erste Kunstwände entwickelt. Seit dem damaligen Zeitpunkt finden Kletterwettkämpfe ausschließlich an derartigen Wänden statt.