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Sport nach Infekt: Geduld ist gefragt | BR24

© Silvia Beres
Bildrechte: Silvia Beres

Nach einem Infekt ist beim Sport Geduld gefragt.

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    Sport nach Infekt: Geduld ist gefragt

    Es ist Winter, es ist Erkältungszeit. Aktuell heißt es aber auch, Bewegung ist die beste Möglichkeiten einer Virusinfektion vorzubeugen. Dr. Milan Dinic erklärt, wann und wie lange man mit dem Sport pausieren sollte – auch nach einer Coronainfektion.

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    Von
    • Christine Kellermann

    Im Fitnessmagazin-Gespräch erklärt Dr. Milan Dinic, Internist, Kardiologe und Sportmediziner aus München, wann man mit dem Sport pausieren sollte und wie lange solch eine Pause seine sollte. Außerdem gibt er Tipps zum Wiedereinstieg nach einer Infektion mit dem Coronavirus.

    Christine Kellermann: Dr. Dinic, bei welchen Anzeichen ist eine Trainingspause nötig?

    Dr. Milan Dinic: Die Frage klingt eigentlich ganz einfach, doch ist sie tatsächlich knifflig. Viele Freizeit– und Leistungssportler unterschätzen eine Grippe oder eine Erkältung. Sie nehmen dann teilweise Medikamente um weiter Sport machen zu können. Bei Schnupfen oder Halskratzen ist noch keine Trainingspause nötig, aber auf jeden Fall sollte man runterschalten und moderat trainieren, also beispielsweise langsam Laufen oder Radfahren. Bei Erkältungssymptomen unterhalb des Genicks, etwa Husten oder Gliederschmerzen, sollte man unbedingt pausieren.

    Dasselbe gilt wenn Fieber auftritt, das ist der Fall wenn die individuelle Körpertemperatur 0,5 Grad höher ist als normal. Auch wenn der Ruhepulse zehn Schläge höher liegt als normal, sollte man auf das Training verzichten. Wer die Anzeichen seines Körpers ignoriert, der riskiert viel. Es drohen Herzmuskelentzündung, Lungenentzündung oder lebensbedrohliche Herzrhytmusstörungen. Es schadet auch nichts ein Mal mehr zum Hausarzt zu gehen und ihn um Rat zu fragen.

    Trainingspausen sind natürlich gerade bei Sportlern, die einen festen Trainingsplan haben, immer ärgerlich. Wie steigt man denn richtig wieder ein – nach solch einer Pause?

    Dinic: Wer ambitioniert trainiert, sollte nach einem Infekt, insbesondere nach einem Infekt mit Fieber, zumindest eine Blutuntersuchtung machen lassen, um die Entzündungswerte zu überprüfen und um eine Sportfreigabe zu erhalten. Für den Wiedereinstieg gibt es kein Patentrezept. Die Zauberformel heißt auf jeden Fall Geduld.

    Sinnvoll ist es mit Alltagsaktivitäten zu beginnen, dann auch mal längere Strecken zu Fuß zu gehen und zu beobachten, wie der Körper damit zurecht kommt. Klappt das, sollte man mit wenigen Sporteinheiten und einer Intensität von 50 bis 70 Prozent einsteigen. Dazwischen sollten mindestens 48 Stunden Pause liegen. Klappt das gut, kann man langsam wieder Gas geben. Am Anfang sollte der Fokus dabei auf der Grundlagenausdauer liegen.

    Am besten ist natürlich der Infekt entsteht gar nicht erst. Sport ist eine Maßnahme um das Immunsystem zu stärken, was ist da so das Mindestmaß?

    Dinic: Wir müssen nicht alle Leistungssportler werden, damit wir gesund bleiben, dafür reicht schon ein zehnminütiger zügiger Spaziergang an der frischen Luft. Das belüftet die Lunge, durch die Sonne wird das wichtige Vitamin D produziert.

    Aktuell gibt es immer noch viele Infektionen mit dem Coronavirus, oft verlaufen diese ohne oder mit sehr leichten Symptomen. Sollte man auch dann Sportpause machen, wenn man kaum etwas spürt?

    Dinic: Covid-19 führt zu einer systemischen Entzündung der Gefäße. Daher sollte man auch ohne Symptome keinen Sport machen, auch nicht zuhause im Wohnzimmer, um Komplikationen zu vermeiden. Die Coronainfektion ist einfach eine sehr spezielle Infektion, die kann den Körper auf den Kopf stellen. Durch die Entzündungen der Mikrogefäße erhöht sich auch das Risiko für Herzrhytmusstörungen, eine Herzmuskelentzündung oder für Gefäßverschlüsse.

    Bei Symptomen wie Husten oder Fieber sollten Sie zwei bis eher vier Wochen, bei einer Lungenentzündung mindestens vier Wochen auf ihr Training verzichten. Tritt eine Herzmuskelentzündung auf, sollte die Sportpause mindestens drei Monate andauern und ein Sportkardiologe sollte den Verlauf kontrollieren.

    Insgesamt möchte ich ausdrücklich betonen: Die Sportpause alleine gibt keine vollständige Sicherheit. Da Covid-19 eine systemische Entzündung der Gefäße verursacht, können Organe unbemerkt und nachhaltig geschädigt werden. Um Risiken durch ein zu frühes Training zu vermeiden, sollten daher alle Sportler – selbst wenn sie keine Symptome hatten – vorab unbedingt Rücksprache mit einem Arzt halten und eine internistisch-sportkardiologische Untersuchung durchführen lassen. Je nach Symptomen und Verlauf zählen dazu zum Beispiel ein EKG, ein Herz-Ultraschall, ein Belastungs-EKG, ein Stressecho und eine Lungenfunktion. Außerdem werden verschiedene Blutwerte bestimmt.