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s.Oliver Würzburg will aus der Not eine Tugend machen | BR24

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Unsichere Zukunft, schlankerer Kader: Die Coronakrise zwingt Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg dazu, auf jüngere, noch unfertige Spieler zu bauen. Die Erwartungen an das Team müssen daher wohl etwas zurückgeschraubt werden.

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s.Oliver Würzburg will aus der Not eine Tugend machen

Unsichere Zukunft, schlankerer Kader: Die Coronakrise zwingt Basketball-Bundesligist s.Oliver Würzburg dazu, auf jüngere, noch unfertige Spieler zu bauen. Die Erwartungen an das Team müssen daher wohl etwas zurückgeschraubt werden.

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Der Satz fällt meistens dann, wenn ein Verein finanziell gebeutelt ist und auf dem Transfermarkt kleinere Brötchen backen muss: Man sei "auf der Suche nach jungen und hungrigen Spielern, die in der easyCredit BBL den nächsten Schritt in ihrer Entwicklung gehen wollen", heißt es nun auch bei s.Oliver Würzburg. Wie einige andere Klubs in der Liga müssen auch die Unterfranken als Folge der Coronakrise wohl mit einem kleineren Etat auskommen. Trainer Denis Wucherer muss daher beim Scouting besonders gut hinschauen, um die richtigen Spieler zu verpflichten.

"Das wird in den kommenden Saisons anders sein, zumindest an Standorten wie Würzburg. Da ist das tatsächlich eine große Chance für den Nachwuchs, dass man den dann noch intensiver fördert, dass man die Jungs ins kalten Wasser wirft, dass man sie schwimmen lässt", erklärt der Coach.

Jungprofis sollen Routiniers Hulls und Bowlin ersetzen

In der abgelaufenen Saison hatte die Mannschaft lange Tuchfühlung zu den Play-off-Plätzen. Als die Saison dann wegen Corona unterbrochen werden musste, gehörte Würzburg wie auch der fränkische Konkurrent medi Bayreuth zu den Klubs, die schnell entschieden, die Verträge mit ihren teuren US-Amerikanern aus finanziellen Gründen aufzulösen und die Saison abzuhaken. Eine Teilnahme am BBL-Finalturnier in München kam deshalb nicht in Frage.

In der neuen Spielzeit, die mit dem BBL-Pokal im Oktober startet, steht weniger Geld zur Verfügung als noch vor einem Jahr. Die Zielsetzung werden die Verantwortlichen daher möglicherweise nach unten korrigieren. Die geringere Erwartungshaltung spiegelt sich bei der Zusammenstellung des Kaders. Für die erfahrenen Leistungsträger Jordan Hulls und Skyler Bowlin, die nicht mehr nach Würzburg zurückkehren, wurden jüngere Profis geholt, denen man eine Entwicklung zutraut. Aus der Not muss s.Oliver Würzburg eine Tugend machen.

Neue Spieler mit Perspektive

Einen dieser jungen US-Amerikaner, denen man den Sprung in die BBL zutraut, kommt von der North Dakota State University: Tyson Ward legte in den 33 Spielen seiner letzten College-Saison mit sehr guten Wurfquoten 16,9 Punkte, 7,2 Rebounds und 2,8 Korbvorlagen pro Partie auf. Würzburg wird seine erste Station im Ausland sein. "Er ist ein spielfreudiger Linkshänder, der uns beim Videostudium sehr stark an Thomas Scrubb erinnert hat“, sagt Wucherer über seinen dritten Neuzugang, einen Small Forward. Zuvor hatte er bereits dessen Landsleute Tayler Persons (Leiden/Niederlande) und Zach Smith (Riga/Lettland) in die Residenzstadt gelotst.

Das Trio bildet zusammen mit Aufbauspieler Cameron Hunt und Power Forward Brekkot Chapman die US-Achse im Team. Eine Ausländerstelle kann noch besetzt werden. Den Bundesligakader ergänzen derzeit die Deutschen Joshua Obiesie, Felix Hoffmann, Nils Haßfurther, Jonas Weitzel und Julian Albus, von denen bisher lediglich Obiesie und Haßfurther nennenswerte BBL-Erfahrung aufweisen.

Florian Koch verlängert um ein weiteres Jahr

Auch Florian Koch gehört weiter zum Kader und zu jenen Spielern, auf die Wucherer baut. Der 28-jährige Flügelspieler absolvierte in den vergangenen beiden Spielzeiten sämtliche 55 BBL-Partien für s.Oliver Würzburg und legte in der abgelaufenen Saison die besten persönlichen Statistiken seiner Karriere auf: 8,3 Punkte in gut 21 Minuten durchschnittlicher Spielzeit erzielte der gebürtige Bonner, dabei versenkte er knapp 51 Prozent seiner Dreierversuche und war damit hinter Paul Zipser vom FC Bayern Basketball der zweitbeste deutsche Dreierschütze der Liga.

US-Trio muss sich beweisen

Aber auch die US-Boys sind eine "Wundertüte": Smith, so Wucherers Einschätzung, habe großes Potenzial und sei "bereit für den Durchbruch (...) ein sehr athletischer Big Man mit einer starken College-Karriere". Auch Persons kommt aus einer schwächeren Liga und muss noch beweisen, dass er sich in Deutschland durchbeißen kann. Persons, Obiesie, Haßfurther und Hunt nannte Wucherer eine "junge, hungrige Guard-Crew", auf die er sich freue. Wofür das am Ende reicht? Das wird zu einem großen Teil davon abhängen, ob die Neuen ihr Potenzial auch wirklich ausschöpfen.