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Gelände der Reit-WM einen Tag vor Beginn der Weltreiterspiele 2018

Ein totes Tier, zahlreiche Pferde in der Tierklinik, ein abgebrochener Wettbewerb und und jetzt die abgesagte Kür - müsste man den Ornaisatoren der Weltreiterspiele nach der erste Woche ein Zwischenzeugnis ausstellen, fiele das verheerend aus. Die Kür-Absage ist nur das jüngste Beispiel einer Reihe nicht nachvollziehbarer Entscheidungen.

Weltmeisterin Werth: Kür am Samstag wäre möglich gewesen

"Es ist unglaublich schade und bedauerlich", sagte die neunfache Dressur-Weltmeister Isabell Werth, die nach Gold mit dem Team und Gold im Grand-Prix-Special auch in der Kür als Topfavoritin galt, nach der Absage. Der Wettbewerb war wegen des Tropensturms "Florence" zunächst auf Montag verlegt, dann komplett abgesagt worden. "Es war seit einigen Tagen absehbar, dass schwere Regenfälle kommen werden", sagte Werth: "Deshalb hätte man die Kür frühzeitig verschieben können." Zum Beispiel auf den Samstag ins kleine Stadion, das zu diesem Zeitpunkt frei war, regte die 49-Jährige an: "Das hätte wunderbar gepasst, die Option wäre die beste gewesen. Aber die wurde nicht wahrgenommen."

Michael Stone, Präsident des Organisationskomitees, sagte dagegen, dass beispielsweise die Anpassung des Bodens in der verfügbaren Reining-Halle nicht umsetzbar war: "Es wäre einfach logistisch nicht möglich gewesen, das alles zu schaffen."

Rückflug war schon für den Dressurtag geplant

Doch schon die Verschiebung auf Montag hatte für Kopfschütteln gesorgt. Denn für den Abend war der Rückflug der europäischen Pferde schon länger fest eingeplant. Dass der Montag überhaupt als Wettkampftag in Betracht gezogen wurde, sorgte für Unverständnis beim deutschen Equipe-Chef Klaus Roeser: "Wir können kein Pferd in eine Prüfung gehen lassen, um es anschließend in einen Flieger zu stellen. Das wäre aus veterinärmedizinischen Gründen ein No-Go."

Roeser haderte auch grundsätzlich mit der Wahl des WM-Ausrichters. Die möglichen Wetterprobleme seien "auch nicht erst seit gestern bekannt." Aber um ernsthafte Alternativen habe sich der Weltreiterverband FEI aber offenbar gar nicht oder "zu spät" bemüht. Immerhin: Der Wettkampf der Vielseitigkeitsreiter soll am Montag wie geplant stattfinden, der Rückflug dieser Pferde ist erst für Dienstag geplant.

Ein totes Pferd nach Distanzritt-Wettbewerb

Schon der Distanzritt in der vergangenen Woche hatte ein katastrophales Bild der Organsiatoren geliefert. Aus immer noch ungeklärten Gründen wurden die Reiter zunächst von zwei unterschiedlichen Starts losgeschickt, später wurde das Rennen dann neu gestartet, schließlich dann aber doch wegen zu großer Hitze und zu hoher Luftfeuchtigkeit komplett abgebrochen. Der deutsche Distanzreiter Bernhard Dornsiepen kommentierte knackig: "Ein Schlag in die Fresse für den gesamten Sport."

Die niederschmetternde Bilanz des Wettbewerbs war von der FEI dann erst zwei Tage später zu erfahren: ein wegen Nierenproblemen eingeschläfertes Distanzpferd, 53 von 95 gestarteten Pferden mit Problemen in der Tierklinik. Die Organisatoren wirken mit den Weltreiterspielen nicht nur ein bisschen überfordert.

Tryon war 2016 für den ausgefallenen kanadischen Asurichter Bromont, richtig fertig wurde in den USA aber nichts. Noch immer wird gebaggert und gebaut, von drei angekündigten Hotels sind nur die Aufzugschächte zu sehen, viele Tierpfleger mussten zu WM-Beginn in Zelten schlafen. Immerhin ein Lob konnte Isabell Werth aber doch loswerden: "Am Ende des Tages war zwar vieles nicht fertig, aber die Bedingungen für die Pferde waren top."

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BR Sport

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B5 Sport vom 16.09.2018 - 13:05 Uhr