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RB Leipzig gehackt: Eintracht Frankfurt kam auch an Profi-Daten | BR24

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Bundesligist Eintracht Frankfurt hat den Datenklau bei RB Leipzig womöglich in größerem Stil betrieben, als die Hessen einräumen. Die Auswertungen der Fußballdatenbank ISB aus Neustadt/Waldnaab, in die Frankfurt eindrang, werfen Fragen auf.

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RB Leipzig gehackt: Eintracht Frankfurt kam auch an Profi-Daten

Bundesligist Eintracht Frankfurt hat den Datenklau bei RB Leipzig womöglich in größerem Stil betrieben, als die Hessen einräumen. Die Auswertungen der Fußballdatenbank ISB aus Neustadt/Waldnaab, in die Frankfurt eindrang, werfen Fragen auf.

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In der Geschäftsstelle von Eintracht Frankfurt sind über zwei Jahre hinweg Passwörter von RB Leipzig für die Fußball-Datenbank International Soccer Bank (ISB) benutzt worden. Nachdem dieser Vorwurf der Betreiber aus Neustadt an der Waldnaab öffentlich wurde, erklärte Eintracht Frankfurt: Ein U17-Trainer sei es gewesen, man habe ihn entlassen.

Dem widerspricht jetzt der Geschäftsführer der Datenbank, Jürgen Kost, im Interview mit dem Bayerischen Rundfunk. Den Nachforschungen zufolge seien auch Profile von internationalen Profi-Spielern abgerufen worden, die Terminplanung der Leipziger Talentscouts und deren Bewertungen einzelner Spieler, Beraterkontakte sowie zahlreiche Videos.

"In Anbetracht der Vielzahl der Zugriffe ist es schwer vorstellbar, dass hier eine einzelne Person tätig war." Jürgen Kost, International Soccer Bank

Über 5.600 Zugriffe seien allein aus der Geschäftsstelle von Eintracht Frankfurt erfasst worden - auch auf Profile hochkarätiger Profi-Talente, die für einen U17-Trainer nicht relevant seien. "Man hat nicht wenig Videos hier begutachtet, auch das kostet Zeit." Zudem sei der Datendiebstahl durch eine Aussage des Chefscouts von Eintracht Frankfurt aufgeflogen.

Was wollte Frankfurt mit all den Daten?

"Der Chefscout von Eintracht Frankfurt hat - fahrlässig oder nicht - einem Kollegen von RB Leipzig gegenüber behauptet, dass er Zugriff auf seine Berichte hätte und Zugriff auf die gesamte Datenbank von ISB", berichtete Kost im BR. Abenteuerlich auch, wie die Passwörter offenbar zu Eintracht Frankfurt kamen: Laut Datenbank-Betreiber Kost hat ein ehemaliger RB-Mitarbeiter in New York die Leipziger Passwörter weitergegeben. Laut ISB-Anwalt Daniel Heilmeier wurden Zugriffe auch verschleiert, indem gelesene Berichte danach wieder auf ungelesen gesetzt wurden. Weshalb genau Frankfurt an die Daten wollte, ist noch unklar.

Klage gegen Eintracht Frankfurt erhoben

Warum RB Leipzig bislang stillhält, kann sich Datenbank-Chef Kost nicht erklären. Der Verein hat sich zu möglichen juristischen Konsequenzen nicht geäußert - nur mitgeteilt, dass er bislang keinen Zusammenhang zwischen Datenbank-Zugriffen und Spielerverpflichtungen bei Eintracht Frankfurt sieht. Für Kost dagegen ist der Datenklau inakzeptabel. Die International Soccer Bank hat eine 530 Seiten starke Klage gegen die Eintracht am Landgericht Frankfurt eingereicht - wegen Urheberrechtsverletzung und Datenmissbrauchs. Das Unrechtsbewusstsein bei Eintracht Frankfurt sei "nicht zwingend sichtbar", so Geschäftsführer Kost.

"Für uns ist das ein Riesenskandal. Wir reden hier nicht von Falschparken. Das ist 22 Monate Diebstahl von Daten." Jürgen Kost, International Soccer Bank

Die International Soccer Bank mit Sitz im oberpfälzischen Neustadt an der Waldnaab enthält detaillierte Profile zu fast 235.000 Spielern, ihre Kunden sind Top-Vereine aus aller Welt. Bundesligisten bezahlen 17.500 Euro Jahresgebühr. Vereine können auch selbst Daten ergänzen.

© BR/Marcel Kehrer

Jürgen Kost, Geschäftsführer der International Soccer Bank: "Schwierig nachzuvollziehen, warum man als Eintracht Frankfurt so agiert."

Betreiber Kost sieht sich auch seiner Arbeit beraubt. "Wir stecken sehr viel Arbeit in unsere Tätigkeit. Es gibt keine Feiertage, es gibt keine Wochenenden". Die Datenbank werde rund um die Uhr aktualisiert. Sie hilft Vereinen, Talente frühzeitig zu erkennen und zu verpflichten.

Frankfurt konnte Terminpläne von RB-Scouts mitlesen

Mit dem Matchpiloten können Talent-Scouts sich weitere interessante Partien in der Umgebung eines Spielorts anzeigen lassen, ihre Sichtungs-Touren somit effektiver planen. RB Leipzig nutze dieses Tool, so Kost, die Terminpläne seien mit den erschlichenen Passwörtern einsehbar gewesen: "Es ist anzunehmen, dass die Frankfurter wussten, wo die Leipziger aktiv sind".

Frankfurt: "Keinerlei Vorteil gezogen"

Peter Fischer, Präsident von Eintracht Frankfurt, hatte diese Woche nach Bekanntwerden der Vorwürfe erklärt: "Der gesamte Vorgang wird von uns umfassend untersucht. Nach allen bisherigen Erkenntnissen hat sich ein Mitarbeiter des Vereins alleinverantwortlich unberechtigten Zugriff (...) verschafft". Man habe sich umgehend von dem betreffenden Mitarbeiter getrennt. "Die bisherigen Feststellungen lassen eindeutig den Schluss zu, dass Eintracht Frankfurt aus den unberechtigt abgerufenen Daten keinerlei Vorteil gezogen hat", so Fischer.

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Autor
  • Marcel Kehrer
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