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Profivereine unter Druck - wie sich die Coronakrise auswirkt | BR24

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Nicht nur der Fußball - auch andere Sportarten haben große Probleme, nachdem ihre Profiligen unterbrochen oder sogar abgebrochen werden mussten. Die Zukunftsaussichten sind ungewiss, denn im Moment ist nicht abschätzbar, wann es weitergeht.

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Profivereine unter Druck - wie sich die Coronakrise auswirkt

Die Sportwelt ist derzeit zweigeteilt. Es gibt die Verbände und Ligen, die sich den Auswirkungen des Coronavirus fügen. Es gibt aber auch einige wenige, die Beharrungsvermögen zeigen – oft aus wirtschaftlichem Kalkül. Ein Überblick.

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Die Deutsche Eishockey Liga (DEL) hat den härtesten Schnitt aller Verbände und Ligen gemacht: Keine Verschiebung. Keine Phase der Unsicherheit. Saisonende. Punkt. Aus. Basta. In anderen Sportarten wie im Basketball oder im Fußball ist dagegen noch gar nichts klar. Wie geht es weiter? Überstehen wir die Krise? Was alle Klubs quer durch die verschiedenen Sportarten eint: Überall wird zur Zeit viel über die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise gesprochen.

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Max Hauser, Trainer des TSV Herrsching (r.)

TSV Herrsching: Geld verbrannt

Beispiel Volleyball: Max Hauser und Andre Bugl, Trainer und Marketingmanager der Herrschinger Volleyballer, hatten den ganz großen Coup eingefädelt. Das größte Heimspiel der Vereinsgeschichte. Sie wollten ein Match im Münchner Audi Dome, der früheren Rudi-Sedlmayer-Halle, ausrichten. Daraus wird nun erstmal nichts.

"Wir standen kurz vor einem Play-off-Viertelfinale im Audi Dome, bei dem das Ziel war, 5.000 Leute in den Dome zu bekommen. Wir haben den Ticketvorverkauf noch nicht offiziell angefangen, aber was schon inoffiziell lief, sah sehr sehr gut aus. Man hat gemerkt, dass München heiß auf Volleyball im Dome ist. Da blutet mir ein bisschen das Herz. Das ist mit Sicherheit auch ein kleiner eigener Lebenstraum, da ein richtiges Volleyballspiel hinzulegen. Diese Chance wurde uns jetzt genommen.“ Max Hauser

Die Volleyball-Bundesliga hat ihre Saison für beendet erklärt, es wird keinen Meister, keinen Absteiger geben. Herrsching bleibt mit Platz fünf die beste Platzierung, die man jemals erreicht hat. Bugl, der die geschäftlichen Zahlen im Auge hat, weiß: Davon kann man sich nichts kaufen. Durch die ausgefallenen Heimspiele rechnet er stattdessen mit einem fünfstelligen Fehlbetrag: "Es sind klare Einnahmen, die uns durch die Lappen gegangen sind. Wenn's Hilfen gibt, die man in Anspruch nehmen kann, dann ist es okay, wenn man sie in Anspruch nimmt, zumal jetzt der Volleyball kein Sport ist, der vom Geldregen gesegnet ist.“

Nun gilt es für die Verantwortlichen beim Volleyball-Erstligisten, die Planungen für die neue Saison voranzutreiben. Auch wenn nicht klar ist, wann diese startet. Genau diese Unklarheit ist es, die auch die Sponsorensuche nicht leichter macht.

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Die Straubing Tigers schmieden trotz der corona-Krise Zukunftspläne. Wirtschaftlich gesehen, fällt ihnen das aber auch nicht leicht.

Straubing Tigers: Zukunftspläne trotz Krise

Beispiel Eishockey: Das Stadion am Pulverturm in Straubing ist zur Zeit eine Baustelle. Statt heißen Fights ums Halbfinale wird dort das Eis zerhackt, geplante Arbeiten, wie der Anbau eines neuen Kabinentraktes, können früher stattfinden. Der Frust war groß bei den Spielern und Fans der Straubing Tigers. Noch nie war der niederbayerische Verein so gut durch die Hauptrunde der Deutschen Eishockey-Liga gekommen: Platz drei am Ende. Und das als vergleichsweise Kleiner der Liga: Wenig Geld schießt halt manchmal auch Tore. Verantwortlich dafür Jason Dunham.

Der Deutsch-Kanadier kam Mitte der 90er zuerst nach Dingolfing, als Spieler dann 2004 nach Straubing. Seit vielen Jahren ist er bei den Tigers der sportliche Leiter. Er sagt, er habe den Frust inzwischen verdaut. Auch wenn der tollen Saison die sportliche Krönung und auch die finanzielle Quittung abhanden gekommen sind.

"Die Heimspiele fehlen uns natürlich. Es ist extrem schwierig. Das Geld, das wir hätten einnehmen können, hätte uns geholfen für nächstes Jahr für die Champions League und auch für die Saisonplanung. Aber wir sind alle im gleichen Boot in jeder Sportart. Aber ich hoffe, wenn wir vernünftig wirtschaften, dass wir mit den Zukunftsplänen vernünftig durchkommen, aber gedrosselt.“ Jason Dunham

Die Eishockeyvereine stellen sich dieselbe Frage wie ihre Fußballkollegen: was macht der Inhaber der Fernsehrechte? Fordert er anteilig Geld zurück, das schon für die gesamte Saison ausbezahlt worden war? Denn natürlich bekommen die Spieler die in den Verträgen einzeln ausgehandelten Prämien für das Erreichen der Play-offs, auch wenn diese nun gar nicht mehr ausgetragen werden. "Wir kalkulieren nicht mit den Play-offs", so Dunham, "aber wir kalkulieren mit den Prämien, die in den Verträgen drin sind, für das Erreichen der Play-offs. Unser Etat für letztes Jahr war im Oktober 2018 gemacht, also das, was in den Klauseln drinsteht, das wissen wir und dafür haben wir vorkalkuliert.“

Da kommt Straubing zugute, dass es kein "Big Player" in der DEL ist: Andere Vereine haben die Einnahmen aus den Play-offs einkalkuliert, auch wenn man sich fragen muss, wie wirtschaftlich seriös das eigentlich ist. Sie stehen nun mit leeren Händen da. DEL-Chef Gernot Tripke rechnet mit einem Umsatzausfall von 15 Millionen Euro.

Nürnberg Ice Tigers: "Schlimmer kann's nicht kommen"

Auch in Nürnberg plant man die Saison ohne die Einnahmen aus den Play-offs, aber auch dort hätte man Mehreinnahmen gut gebrauchen können, schließlich hat sich der langjährige Hauptsponsor verabschiedet. Wolfgang Gastner, Geschäftsführer der Ice Tigers, sagt: "Wir hatten im letzten Jahr eine Horrorsaison. Da haben wir gesagt: Schlimmer kann´s nicht kommen. Dann hat Thomas Sabo entschieden, sein Hauptsponsoring nach der Saison zu beenden und jetzt haben wir die Coronakrise. Ich bleibe dabei – jetzt ein Jahr später: Schlimmer kann's net kommen!"

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Abschied über Nacht: Bayreuths Reid Travis (l.)

medi Bayreuth: Es geht um die Existenz

Beispiel Basketball: Eine regelrechte Flucht fand in Oberfranken statt: Da verschwand Reid Travis von Basketball-Bundesligist medi Bayreuth über Nacht, und das obwohl die Saison im Gegensatz zu den meisten anderen Ligen noch nicht offiziell beendet ist. Geschäftsführer Björn Albrecht dazu: "Er wollte unbedingt in die USA zurückreisen, nachdem auch Donald Trump da ein bisschen mit den Säbeln gerasselt hat, ob die Rückkehrmöglichkeiten noch so einfach sind. Daraufhin hat er seine Sachen gepackt und ist in die USA gereist. Natürlich eine unschöne Situation für uns als Team auch."

Doch der oberfränkische Erstligist nahm das zum Anlass, um gleich die Verträge mit allen seinen vier US-amerikanischen Spieler aufzulösen. Bayreuth muss damit einem Drittel seines Kaders kein Gehalt mehr bezahlen. Eine Entscheidung, die für Albrecht notwendig war.

"Bei uns geht es in der Tat um die Existenz, weil wir auf der einen Seite natürlich durchlaufende Kosten haben, was Personal - und Spielerkosten zum größten Teil ausmacht. Und auf der anderen Seite sind uns komplett alle Einnahmen weggebrochen, also Ticket- und Sponsoreneinnahmen, die noch ausstehen. Und das führt natürlich zu einer Situation, die am Ende eine Überschuldung bedeutet.“ medi-Geschäftsführer Björn Albrecht

Noch ist die Basketball-Bundesliga (BBL) bislang nur unterbrochen. Es gibt Szenarien, wie man die Saison vielleicht doch noch weiterspielen könnte. Andererseits winken einige Vereine bereits mit der weißen Fahne und fordern öffentliche Hilfen. Sollte die Saison doch abgebrochen werden, müssten die Vereine theoretisch Dauerkartenbesitzern anteilige Rückzahlungen überweisen. Mit einer Dauerkarte haben sie ja schließlich das Recht erworben, eine bestimmte Anzahl an Matches zu sehen. In Bayreuth aber spekuliert man mit dem Verständnis der Vereinsanhänger. Björn Albrecht hofft, "dass dann möglichst viele unserer Fans (...) auf Rückzahlung ihrer Ticketgelder verzichten. Wir brauchen da eine große Solidaritätswelle, weil ich glaube, dass es nicht nur uns in Bayreuth betrifft, sondern ganz viele Klubs in allen Sportarten."

Allgemeines Motto: Die Hoffnung stirbt zuletzt

Auch in der Handball-Bundesliga ist die Saison offiziell noch nicht zu Ende. Hier haben, um die wirtschaftlichen Folgen der Coronakrise abzumildern, schon einige Klubs Kurzarbeitergeld beantragt. Versichert gegen einen Saisonabbruch war wohl keiner der Vereine oder keine der Ligen. Das sei schlichtweg zu teuer gewesen, als man mal bei einer Versicherung angefragt hatte, hieß von Seiten des Eishockeyvereins Straubing Tigers.

Eines ist jedoch sportartenübergreifend schon absehbar: die fortschreitende Professionalisierung der Ligen könnte einen erheblichen Rückschlag erleiden. Im Basketball wurde erst vor dieser Saison der Minimaletat von zwei auf drei Millionen Euro angehoben. Auch im Volleyball gibt es immer mehr Richtlinien, was Vereine an Hallenbedingungen, Zuschauerkapazitäten und Geschäftsstellen-Mitarbeitern aufweisen müssen. Eine Entwicklung, die wohl nicht mehr umzukehren ist: Auch Andre Bugl vom TSV Herrsching, meint, an diesen Stellschrauben zu drehen, würde einen Rückschritt bedeuten: "Ansonsten glaube ich nicht, dass die Anforderungen das Problem sind, weil das ja in gewisser Weise auch der Anspruch an den Volleyball ist. Er braucht einen gewissen Rahmen, wir brauchen eine gewisse Voraussetzung, damit das so stattfinden kann, wie es in der Bundesliga die letzten Jahre stattgefunden hat."

"Ich glaube, es noch weiter herunterzuschrauben, wäre dann die Frage: Ist es dann noch Profisport? Und diese Frage will sich keiner stellen.“ Andre Bugl, TSV Herrsching

In Straubing ist man da etwas optimistischer, vor allem weil sich das Eishockey-Team ja erstmals für die Champions Hockey League qualifiziert hat. Zwar ist dieser europäische Wettbewerb – anders als im Fußball – kein Goldesel, sondern er bringt höhere Kosten, aber auch Prestige. Es könnte der einzige Trost sein, wie die eishockeyverrückten Straubinger die abgebrochene Saison doch noch im Nachhinein irgendwie in guter Erinnerung behalten. Der sportliche Leiter Jason Dunham jedenfalls denkt ab sofort nur noch an die Zukunft: "Die optimale Planung natürlich wäre, dass wir durch die schwierigen Zeiten durchkommen und wir die Planungen in den nächsten Monaten fortsetzen können – das wäre unser Wunsch", so Dunham. "Die Champions Hockey League ist natürlich für eine kleine Stadt wie Straubing Begeisterung. Wir wollen, dass uns alle unsere Fans in den europäischen Ligen unterstützen, gegen die besten Mannschaften aus Schweden, Finnland und der Schweiz. Wenn Du gegen die spielst, das ist für uns einmalig. Wir hoffen, dass das so kommt."