BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© imago images/Zink
Bildrechte: imago images/Zink

Ein Spielzeuggeist in einer Sporthalle

Per Mail sharen

    Profisport und Corona: Neue Angst vor Geisterspielen

    Deutschlands Profisportligen schlagen Alarm: Die Angst vor neuen Geisterspielen oder gar einem Lockdown sorgt für Verunsicherung. Einige Sportarten fürchten um ihre Existenz, wenn angesichts steigender Coronazahlen neue Beschränkungen kommen sollten.

    Per Mail sharen
    Von
    • BR24 Sport
    • Bernd R. Eberwein

    Wenn am Mittwoch Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten über weitere Corona-Maßnahmen beraten, schauen die Verantwortlichen der deutschen Profisport-Ligen ganz genau hin.

    Obwohl den Profisportlern seit Monaten, auch bedingt durch deren Hygienekonzepte, eine Sonderrolle gewährt wurde, fürchten die weiter um ihre Zukunft. Mit teilweise drastischen Worten beschwören Vereinsverantwortliche und Ligenvertreter Untergangsszenarien herauf.

    Fußball-Bundesliga vor dem Kollaps?

    "Wenn die Bundesliga erneut unterbrochen werden würde, wenn also nicht mal mehr ohne Zuschauer gespielt werden dürfte, müssten nach und nach viele Vereine Insolvenz anmelden", befürchtet beispielsweise FC-Bayern-Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, "und in der Folge würde dann sogar die Gefahr bestehen, dass die Bundesliga als Ganzes kollabiert."

    Sorgen im Basketball, Eishockey und Handball

    Auch für die Basketball Bundesliga (BBL) wäre es "ein Desaster, wenn es wieder einen Lockdown geben würde. Wenn man uns den Spielbetrieb einstellt, kann man den Laden zusperren", sagte BBL-Geschäftsführer Stefan Holz.

    Ähnlich düster sieht die Deutsche Eishockey-Liga (DEL) die Zukunft. Der Saisonstart wurde ohnehin schon zwei Mal verschoben. "Wenn die Politik aber Zuschauer verbietet, entzieht sie dem Profisport die Basis zum Überleben", betonte DEL-Geschäftsführer Tripcke.

    Für die meisten DEL-Klubs wäre das Überleben selbst dann schwierig, wenn die erlaubten maximal 20 Prozent Zuschauern in die Hallen dürfen. Auch im Basketball seien 20 Prozent "im Prinzip auf Dauer wirtschaftlich zu wenig", sagte Holz, aber: "Wir wären schon froh, wenn das momentan unter denselben Bedingungen fortgeschrieben würde."

    Dem Sport reichen Geisterspiele nicht mehr

    Vereine und Verbände stören sich daran, dass umfangreiche Hygienekonzepte ausgearbeitet wurden, diese nun aber möglicherweise nicht mehr angewendet werden dürfen - sollte die Politik neue Beschränkungen beschließen. Selbst in der gerade zu Ende gehenden sechswöchigen Testphase durften - wegen der aktuellen Infektionszahlen - nicht einmal die 20 Prozent Zuschauer ausgeschöpft werden.

    "Man kann uns nicht mit dem Erstellen von Konzepten beauftragen, die dann greifen und einwandfrei funktionieren, um der Sache im nächsten Schritt - nur um ein politisches Zeichen zu setzen - den Riegel vorzuschieben", schimpft Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), vor dem drohenden Lockdown.

    Sollte es nun wieder einen kompletten Zuschauerausschluss geben, müsse sich die HBL überlegen, ob sie den Spielbetrieb fortsetzt. Neue Geisterspiele könnten für den "gesamten Sport gravierende Auswirkungen haben."

    DOSB-Präsident Hörmann: "Nackte Existenzangst"

    Doch nicht nur die großen Ligen schauen gespannt zur Bundeskanzlerin und den Ministerpräsidenten. "Die Rücklagen sind aufgebraucht, die Vereine und Verbände haben keine Luft mehr zum Atmen", sagte auch Alfons Hörmann, Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB). Es mache sich eine "nackte Existenzangst" breit.

    Politik kontra Sport-Blase

    Allerdings scheint die Politik gewillt, die bisher geöffneten Sonderwege für den Profisport vorerst durchaus wieder zu versperren. Nach Medieninformationen will Bundeskanzlerin Merkel bei den Ministerpräsidenten zumindest für einen begrenzten Lockdown werben. Ob auch im Sport, ist offen.

    Bayerns Ministerpräsident Markus Söder scheint sie auf ihrer Seite zu haben. Der forderte nach einer Sitzung des bayerischen Kabinetts am Dienstag rasche Einschränkungen im täglichen Leben: "Lieber schneller und konsequent als verzögert und verlängert." In Nordrhein-Westfalen ist angeblich bereits ein Verbot von Kontaktsportarten in Planung.