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Joshua Kimmich

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Sportmediziner Halle: Corona-Nachwirkung nicht zu unterschätzen

Sportmediziner Halle: Corona-Nachwirkung nicht zu unterschätzen

Der Sportmediziner und Kardiologe Professor Martin Halle sieht die Corona-Nachwirkungen bei weitem nicht so sorglos wie der FC-Bayern-Trainer Nagelsmann: "Die Komplikationsrate ist einfach da." Er bezeichnet es als "crazy", nicht zu impfen.

Der Professor Martin Halle von der TU München arbeitet an einer bundesweiten Studie über die Langzeitfolgen von Covid-Erkrankungen mit Leistungssportlern. Aus der täglichen Praxis hört der Sportmediziner und Kardiologe fast täglich von seinen Patienten beunruhigende Aussagen. "Ich bin nicht mehr so belastbar, meine Muskulatur ist irgendwie nicht mehr das, wie ich sie kenne. Noch vor einem halben Jahr war ich wirklich leistungsfähig und heute stellt sich die Frage 'Wie komme ich die Treppe rauf?'."

Corona-Nachwirkungen "meist nach sechs Monaten weg"

Die Haupterkenntnis der Studie ist laut Halle: "Covid-Nachwirkungen sind häufiger, als wir denken." Außerdem wisse man jetzt auch, "dass selbst nur bei leichten Symptomen trotzdem diese Langzeitfolgen da sein können". Einziger Lichtblick sei, "dass die Nachwirkungen einer Corona-Erkrankung meist nach sechs Monaten so weg sind, dass man sagen kann: 'Ja, das ist wieder so wie früher.'"

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Sportmediziner Martin Halle

Infiltration bei Kimmich: "Entzündung, die vernarben kann"

Im Falle von Joshua Kimmich wäre das also dann eine wesentlich längeren Ausfallzeit. Halle erklärt dessen Lungenprobleme mit der Infiltration als eine Art Entzündung, die bluten und nässen kann, was man derzeit auf dem MRT erkennen kann.

Danach komme es aber wie bei allen anderen Entzündungen zu einer Vernarbung. Und diese bleibe durchaus weiter bestehen. Wie sich das dann auf die Sauerstoffverarbeitung auswirkt, könne man erst dann sehen. Ganz unproblematisch ist die Infiltration der Lunge also nicht.

Nochmals deutlicher Appell für die Impfung

Einen entschiedenen Nachsatz konnte sich der Mediziner im Interview mit BR24 Sport nicht verkneifen. Meine Erfahrung ist die, es ist "crazy" nicht zu impfen, weil die Komplikationen an Lunge und Herz da sind – und die sind nicht zu unterschätzen. Und die sind bei den Impfungen um "Welten weniger da". Deshalb gebe es aus medizinischer Sicht keinerlei Grund mehr gegen das Impfen.

Mannschafts-Boostern bei den Nürnberg Ice Tigers

Impfkampagnen wie das Mannschafts-Boostern bei den Nürnberg Ice Tigers mit sämtlichen Spielern sind also durchaus gerechtfertigt. Sportdirektor Stefan Ustorf begründet die Aktion: "Weil wir den höchstmöglichen Schutz der Mannschaft wollten, um auch weiterhin hoffentlich gut über die Saison zu kommen", erklärt der Vereinsverantwortliche. Als zweiten Grund nennt er "mit Sicherheit auch, dass wir uns unserer Vorbildfunktion in der Gemeinschaft auch bewusst sind und ein Zeichen setzen wollten".

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