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Polizei und Fans bei einem Spiel zwischen dem 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth
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Polizei und Fans bei einem Spiel zwischen dem 1. FC Nürnberg und der SpVgg Greuther Fürth

Ab heute befasst sich das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig in dritter Instanz mit einem Rechtsstreit zwischen der Freien Hansestadt Bremen und der Deutschen Fußball Liga (DFL). Das Oberverwaltungsgericht Bremen hatte in zweiter Instanz entschieden, dass sich die DFL an diese Kosten beteiligen muss. Die DFL hat Revision eingelegt. Das Urteil wird am Freitag um 11.00 Uhr vom 9. Senat bekanntgeben, verkündete der Vorsitzende Richter Wolfgang Bier. Danach ist nur noch eine Überprüfung durch das Bundesverfassungsgericht möglich.

Gefährlich ist die "dritte Halbzeit"

Im Blickpunkt steht die "dritte Halbzeit", wie die gewaltbereiten Fans die Ausschreitungen rund um Fußballspiele nennen. Auch in bayerischen Stadien ist dies zu beobachten. Das zeigt eine typische Szene bei einem Hochrisikospiel in der Vergangenheit: Angestachelt von Krawallmachern auf der Tribüne stürmen dutzende dunkel gekleidete Hooligans beim Derby des 1. FC Nürnberg gegen Greuther Fürth im Februar 2016 den Innenraum des Nürnberger Stadions. Die Polizei muss teils hilflos zusehen und wird überrannt. Der Mob stellt sich gegen die Polizeikräfte. Dort, wo gerade noch Fußball gespielt wurde, wird jetzt geprügelt.

Vereine sehen den Staat in der Pflicht

An solchen personalintensiven Einsätzen sollen sich jetzt auch die Vereine beteiligen. Bis zu 1.000 Polizeibeamte sollen bei solchen Spielen Vorort sein, gesicherte Zahlen gibt es nicht. Normal sind vielleicht 300. Doch der Fußball will ist trotz Milliardeneinnahmen uneinsichtig. "Wir als Spielvereinigung Greuther Fürth zahlen unsere Steuern, und somit glaub ich auch zu Recht sagen zu können, haben wir auch einen Anspruch auf die Leistung, die nun mal der Staat erbringt, an der Stelle", führt beispielsweise Holger Schwiewagner, der Geschäftsführer der Spielvereinigung Greuther Fürth, an.

Polizeigewerkschaft sieht DFL in der Pflicht

Doch gilt auch noch, wenn es über das normale Maß weit hinaus geht? Für Jürgen Ascherl, den Vorsitzenden der deutschen Polizeigewerkschaft in Bayern ist ganz klar, wer das bezahlen soll. "Die deutsche Polizeigewerkschaft will, dass die Bundesliga als Gesamtverband die Kosten für die entsprechenden Einsätze, die die bayerische Polizei für diese Vereine, aber insgesamt für die Bundesliga, fährt, mitfinanziert." Denn, nicht jeder Bundesbürger sei ja auch Fußballfan. "Wenn einer kein Fußballfan ist, kann er doch sagen, von meinen Steuergeldern, soll dieser Einsatz nicht bezahlt werden."

Problemfall Überstunden

Auch ist nicht jedem verständlich, dass Fan-Aufmärsche in Innenstädten von den Vereinen teils als zur Bundesliga gehörende Folklore verkauft und verharmlost werden. Die Innenstädte wirken bei Hochrisikospielen teils wie ein rechtsfreier Raum, vor dem die Polizei teilweise auch schon kapitulieren musste. Ein Riesenproblem für die Polizei, findet Gewerkschafter Ascherl. "Überstunden ist natürlich ein ganz heißes Thema, wenn ich die Kollegen anschaue, die jeden Samstag mittlerweile in der 1., 2. und am Sonntag auch 3. Liga rumturnen. Da entstehen pro Tag 10 bis 18 Überstunden. Das heißt, für den normalen Polizeistreifendienst sind sie dann nicht mehr zur Verfügung."

In Bayern soll sich nichts ändern

Während Bremen Rechnungen schreibt und Nordrheinwestfalen schon darüber nachdenkt, die Polizei teils ganz abzuziehen, damit die Vereine auf eigenen Kosten selbst für Sicherheit zu sorgen, soll in Bayern alles so bleiben, wie es ist. Der Staat sorgt für Sicherheit und zahlt, hat Innenminister Joachim Herrmann zur Freude von Bayernpräsident Uli Hoeneß versprochen - nach dem zweiten Urteil im Rechtsstreit zwischen Bremen und der DFL.

"Wir sind da ganz entspannt beim FC Bayern, weil uns der Innenminister mehrmals versichert hat, dass es in Bayern überhaupt keine Überlegungen in diese Richtung gibt“, so Hoeneß damals. "Dass wir uns hier auf einen gefährlichen Weg begeben, wenn wir anfangen grundsätzlich Veranstalter für die Polizeieinsatzkosten entsprechende heranzuziehen“, sagte Herrmann.

Das Bundesverwaltungsgericht prüft ab heute, ob sich Vereine der Fußballbundesliga an den Polizeikosten bei Risikospielen beteiligen müssen.

Das Bundesverwaltungsgericht prüft ab heute, ob sich Vereine der Fußballbundesliga an den Polizeikosten bei Risikospielen beteiligen müssen.