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Pokalstreit: Türkgücü schimpft über "Micky-Maus-Gericht" | BR24

© picture-alliance/dpa

Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny

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    Pokalstreit: Türkgücü schimpft über "Micky-Maus-Gericht"

    Das Sportschiedsgericht hat den 1. Schweinfurt 05 als Teilnehmer am DFB-Pokal bestätigt. Max Kothny, Geschäftführer des unterlegenen Kontrahenten Türkgücü München, schimpfte über das "Micky-Maus-Gericht" und will den Bundesgerichtshof einschalten.

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    Der Ton wird rauer im Pokalstreit zwischen Bayerischem Fußball-Verband (BFV) und Türkgücü München. Am Tag nach der Entscheidung des bayerischen Sportschiedsgerichts in Nürnberg, dass der 1. FC Schweinfurt im DFB-Pokal starten kann, kündigte Türkgücü-Geschäftsführer an, vor den Bundesgerichtshof zu ziehen.

    Sein Klub könne die Entscheidung vom Dienstagabend "so nicht akzeptieren", erklärte Kothny, der gegen das "Micky-Maus-Gericht" wetterte. Die Verhandlung habe im Sitzungssaal eines Hotels unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattgefunden: "Das sagt doch alles aus."

    Türkgücü will vor den Bundesgerichtshof

    Kothny sprach von einem "traurigen Tag für die Gerichtsbarkeit". Das Urteil sei "so nicht zulässig", es liege "ein schwerwiegender kartellrechtlicher Fehler vor." Der Geschäftsführer kündigte an: "Wir werden das nicht auf uns sitzen lassen und den Fall vor dem Bundesgerichtshof prüfen lassen."

    BFV-Präsident Rainer Koch hatte sich nach dem Urteil des Sportschiedsgerichts noch zufrieden geäußert und auf einen Schlussstrich gehofft: "Der BFV steht für sportlich faire Regelungen. Das ist heute auch so gerichtlich bestätigt worden. Und das ist gut so."

    "Das wochenlange juristische Schauspiel ist final beendet. Und jetzt halten wir es mit Franz Beckenbauer: Geht's raus und spielt's Fußball." BFV-Präsident Rainer Koch in den sozialen Netzwerken

    Eigentlich soll bereits am kommenden Dienstag (3. November) die Pokalpartie zwischen dem 1. FC Schweinfurt und Schalke 04 stattfinden. Inwiefern Türkgücüs Gang vor den Bundesgerichtshof nun für weitere Verzögerung sorgt, ist offen. Die Entscheidung der höchsten Sportgerichtsbarkeit im Freistaat ist üblicherweise letztinstanzlich.

    BFV-Vize: Türkgücü schadet dem Ansehen des Sports

    BFV-Vizepräsident Reinhold Baier zeigte wenig Verständnis für die neuerlichen Äußerungen von Seiten Türkgücü: "Wer sich derart despektierlich im Ton vergreift und ein nicht von Walt Disney, sondern vom Präsidenten des Oberlandesgerichts Nürnberg eingesetztes völlig neutrales, unabhängiges und mit hochrangigen Juristen besetztes Schiedsgericht nicht respektiert, schadet nicht nur sich selbst, sondern er schadet nachhaltig dem Ansehen des Sports."

    Schweinfurt bereitet sich aufs Schalke-Spiel vor

    Der 1. FC Schweinfurt geht jedenfalls fest davon aus, am kommenden Dienstag im Pokal anzutreten. "Für uns stand es von Anfang an fest, dass wir gegen Schalke spielen. Auch wenn es jetzt länger gedauert hat, umso mehr freuen wir uns jetzt auf die Partie und sind gut gewappnet. Unsere Jungs sind fit. Wir freuen uns auf ein super Spiel in Gelsenkirchen", sagte Schweinfurts Geschäftsführer Markus Wolf.

    Hintergrund: Darum fühlt sich Türkgücü benachteiligt

    Nach diversen Spieltermin-Absagen wegen der Corona-Pandemie hatte der BFV bereits im Juni Regionalliga-Tabellenführer Türkgücü München beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) als Aufsteiger in die 3. Liga gemeldet.

    Der BFV änderte zudem seine Satzung, nahm Türkgücü aus der Wertung, der 1. FC Schweinfurt war neuer Tabellenführer. Weil üblicherweise der bayerische Regionalligameister einen Startplatz im DFB-Pokal erhält, die Liga aber noch im Spielbetrieb war, meldete der BFV im August die Unterfranken als Tabellenführer für den Pokal-Wettbewerb.

    BFV-Präsident Rainer Koch hatte in Blickpunkt Sport im September betont, dass dieses Vorgehen - wenn auch rechtlich nicht bindend - mit beiden Vereinen so abgesprochen war.

    Türkgücüs Weg vors Landgericht

    Das wollte Türkgücü München dann aber doch nicht so hinnehmen. Der Klub zog vor Gericht - nur zwei Tage vor der Austragung des bereits angesetzten Pokalspiels zwischen Schweinfurt und Schalke.

    Das Landgericht München I vertagte den komplexen Fall zunächst, entschied dann Ende September, dass der BFV tatsächlich nicht korrekt gehandelt hat. Der Verband sollte den bayerischen Pokalteilnehmer neu nominieren, der DFB wurde verpflichtet, den Widerruf und die Neuanmeldung zuzulassen.

    Darauf legte der BFV Anfang Oktober Berufung beim Landgericht ein und kündigte gleichzeitig an, das zuständige Sportschiedsgericht in Nürnberg einzuschalten.

    Türkgücü war auch gegen diesen Schritt juristisch vorgegangen und hatte sich an das Bayerische Oberste Landesgericht gewandt. Dieses hatte am Dienstag aber öffentlich gemacht, dass die endgültige Entscheidung beim Sportschiedsgericht liegt.