BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite
© BR
Bildrechte: Picture alliance/dpa

Paul Breitner ist eine deutsche Fußball-Ikone: Welt- und Europameister mit der Nationalelf, mehrfach deutscher Meister und Pokalsieger mit dem FC Bayern, spanischer Meister und Pokalsieger mit Real Madrid. Am 5. September wird er 70.

15
Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Paul Breitner wird 70: Fußball-Ikone und Mann der klaren Worte

Paul Breitner prägte als Aktiver den FC Bayern der 1970er-Jahre und die Nationalmannschaft. Und er ist bekannt dafür, dass er kein Blatt vor den Mund nimmt. Am Sonntag feiert er seinen 70. Geburtstag.

15
Per Mail sharen
Von
  • BR24 Sport

Afro-Look und Vollbart, Lautsprecher und Revoluzzer, so wurde der Weltklasse-Fußballer Paul Breitner berühmt. Sein einzigartiger Charakter war für seine Karriere Beschleuniger und Hindernis zugleich – auch im Moment seines größten Triumphes.

Rebell auch nach seinem größten Triumph

WM 1974. Es lief die 25. Minute des Finales, Deutschland gegen die Niederlande. Deutschland lag bereits mit 0:1 zurück, als Schiedsrichter Jack Taylor auf den Punkt zeigte. Breitner schnappte sich den Ball und verwandelte den fälligen Elfmeter sicher zum wichtigen 1:1-Ausgleich. Und das, obwohl er eigentlich gar nicht hätte schießen sollen.

"Ich war für den Elfmeter nicht vorgesehen, ich stand aber als nächster am Ball." Paul Breitner nach dem Finale 1974

Ein Ereignis, das ihn bis heute verfolgt: "Ich bin sicher", sagt Breitner in der BR24-Dokumentation Einfach Paul schmunzelnd, "wenn ich auf dem Sterbebett liege, kommt einer und sagt: 'Hey Paul, bevor du abkratzt, erzähl mir bitte nochmal die Geschichte vom Elfmeter!'"

Mit seinem verwandelten Elfmeter ebnete Breitner den Weg zum 2:1-Sieg und zum Titelgewinn. Doch anstatt sich in seinem Ruhm zu sonnen und den Erfolg auszukosten, überwarf er sich mit Bundestrainer Helmut Schön und erklärte seinen Rücktritt aus der Nationalelf.

Sieben Jahre musste der DFB ohne Breitner auskommen, bis Jupp Derwall ihn schließlich 1981 zum Comeback überreden konnte. Ein Jahr später führte Breitner als Mittefeldregisseur die DFB-Elf bei der WM 1982 in Spanien bis ins Finale. Bei der 1:3-Niederlage gegen Italien war Breitner der einzige deutsche Torschütze. Es sollte das letzte Nationalmannschaftsspiel seiner Karriere sein.

© Picture alliance/dpa
Bildrechte: Picture alliance/dpa

Paul Breitner (li.) und Gerd Müller feiern den Sieg im WM-Endspiel 1974.

Vom SV Kolbermoor über den FC Bayern nach Madrid

Die Weltkarriere von Breitner begann als Sechsjähriger beim SV Kolbermoor. Schnell war klar, dass Fußball für Breitner mehr als nur ein Hobby war. Der endgültige Durchbruch gelang ihm in der Jugendnationalmannschaft, wo er auf Trainer Udo Lattek traf, der ihn schließlich zum FC Bayern München lotste.

Hart, energisch, reaktionsschnell, konditionsstark und schussfreudig – das zeichnete den Offensivverteidiger und Mittelfeldspieler aus. Anfang der Siebziger feierte er in München seine ersten großen Erfolge: 1971 gewann er den DFB-Pokal, 1972 - 1974 die Deutsche Meisterschaft, 1974 holte er den Europapokal der Landesmeister. Nach einem Gastspiel bei Real Madrid kehrte er über den Umweg Eintracht Braunschweig im Jahr 1978 zu den Münchnern zurück.

"Bei Real habe ich gesehen, wie wichtig es für einen Spieler ist, als Mensch zu gelten und geachtet zu werden." Paul Breitner

Rückkehr zum FC Bayern und das Karriereende

Seine Rückkehr zum FC Bayern war sehr erfolgreich. Als Mannschaftskapitän führte er die Münchner zur Meisterschaft 1980, wurde zu Deutschlands Fußballer des Jahres gewählt und landete bei der Wahl zu Europas Fußballer des Jahres auf Platz zwei. 1981 konnte der FC Bayern den Meistertitel verteidigen. 1982 scheiterte Breitner mit den Münchern im Endspiel im Europapokal der Landesmeister an Aston Villa, doch holte er den DFB-Pokal. Es sollte der letzte Titel seiner Karriere werden. Nach einem Foul des Hamburgers Wolfgang Rolff musste er zur Mitte der Saison 1982/83 seine Laufbahn beenden.

© Picture alliance/dpa
Bildrechte: Picture alliance/dpa

Paul Breitner und Gerd Müller laufen eine Ehrenrunde mit dem Pokal der Landesmeister 1974.

Bundestrainer für 17 Stunden

Nach dem Karriereende hätten nicht wenige Fans und Verantwortliche Breitner gerne als Trainer gesehen. Ein intelligenter Mann, meinungsstark, der als Spieler auf und neben dem Platz stets Verantwortung für seine Mannschaften übernommen hatte – Breitner schien prädestiniert für eine Trainerkarriere.

Ähnlich sah das 1998 der damalige DFB-Präsident Egidius Braun. Der war nach einer enttäuschenden WM in Frankreich auf der Suche nach einem Nachfolger für Berti Vogts, dem man den Neuaufbau der Nationalmannschaft anvertrauen konnte. In Brauns Augen war der perfekte Kandidat der Cheftrainer der E-Jugend des TSV Brunnthal: Paul Breitner.

Ein Interview als Deal-Breaker

Am Telefon wollte Braun den Revoluzzer und DFB-Kritiker davon überzeugen, dass er der perfekte Mann für diese große Aufgabe sei. Mit Erfolg. Breitner und Braun einigten sich – zumindest zeitweise. Denn dann verstand der DFB-Präsident, dass sich der revolutionäre Spirit, den er sich von Breitner erhoffte, auch schnell gegen ihn richten könnte.

"Die alten Zöpfe beim DFB müssen abgeschnitten werden", hatte Breitner nämlich in einem Interview verlauten lassen und Braun, so ist es überliefert, griff direkt zum Hörer, um das Angebot zurückzunehmen: "Es tut mir leid. Ich kann keinen einstellen, der meinen Rücktritt fordert", soll Braun am Telefon gesagt haben. Nur 17 Stunden dauerte der Traum von Breitners Bundestrainer-Karriere. Und der DFB musste sechs weitere Jahre auf einen Revolutionär warten, bis Jürgen Klinsmann das höchste Amt im deutschen Fußball übernahm.

Einsatz für Bedürftige bei der Münchner Tafel

Doch auch ohne große Trainerkarriere wurde dem ehemaligen Weltklassespieler nicht langweilig. Breitner unterstützt verschiedenste soziale Projekte. Seit 2006 arbeitet er zusammen mit seiner Ehefrau Hildegard ehrenamtlich bei der Münchner Tafel, wo er im Münchner Stadtteil Haidhausen regelmäßig bei der Essensausgabe hilft. "Immer mehr Familien sind von Armut betroffen", sagt er über seine ehrenamtliche Tätigkeit, "und es wird jedes Jahr schlimmer." Breitner engagiert sich auch bei der Aktion Sonnenschein, die sich für die Integration behinderter Kinder einsetzt.

© Picture alliance/dpa
Bildrechte: Picture alliance/dpa

Paul Breitner und seine Ehefrau Hildegard arbeiten bei der Münchner Tafel.

Breitner bleibt ein Kritiker

Beim FC Bayern arbeitete Breitner lange Zeit als Scout und Berater. Und auch sonst bleibt er dem Fußball erhalten: als Kommentator und scharfer Beobachter. Dass dies so ist, ist das Verdienst seiner Ehefrau Hildegard: "Früher kam mir mal die Idee, dass ich nach meinem Karriereende für zwei, drei Jahre aus der Öffentlichkeit verschwinde, um anschließend ein relativ normales Leben führen zu können", erzählt Breitner. Doch seine Ehefrau legte ein Veto ein. Das war auch gut so, denn als Kritiker bleibt er der Szene erhalten. Und das wird auch noch lange so bleiben: Breitner verspricht, dass der Fußball sein Leben immer mitbeherrschen werde – "bis zum letzten Atemzug."

"Kritisieren ist eine Form des Abwägens. Ich bin kein Schönredner." Paul Breitner
© Picture alliance/dpa
Bildrechte: Picture alliance/dpa

Paul Breitner