Dimitrij Ovtcharov bei einem Medientermin mit dem TTC in Neu-Ulm

Nach seinem Wechsel aus Russland will Dimitrij Ovtcharov mit dem TTC Neu-Ulm in der Champions League angreifen.

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    Ovtcharov will mit Neu-Ulm in der Champions League angreifen

    Ovtcharov will mit Neu-Ulm in der Champions League angreifen

    Wegen des Kriegs in der Ukraine hat Tischtennisprofi Dimitrij Ovtcharov den russischen Verein Fakel Orenburg verlassen und spielt künftig für Neu-Ulm. Jetzt hat er sich über seine Ambitionen und das Verhältnis zu russischen Mitspielern geäußert.

    In der Champions League möglichst weit kommen, das ist der Anspruch des erst im Jahr 2019 gegründeten Tischtennisclubs TTC Neu-Ulm. Dabei helfen soll künftig Dimitrij Ovtcharov. Im April kündigte ihn der TTC als Spieler für die neue Saison an. Den von Gazprom gesponserten russischen Club Fakel Orenburg hatte der in Kiew geborene Ovtcharov nach mehr als zehn Jahren verlassen – wegen des Kriegs in der Ukraine.

    Ovtcharov will Champions League gewinnen

    "Wir nehmen auf jeden Fall die Rollen des hungrigen neuen Vereins, der den Titel gewinnen will, an", kündigte Ovtcharov bei einem Medientermin am Donnerstagabend in Neu-Ulm an. Champions League und Pokal werden für den Tischtennis-Star in dieser Saison Priorität haben. Abhängig vom internationalen Kalender könnten aber auch einige Spiele für den TTC Neu-Ulm in der Bundesliga dazukommen. Außerdem will der sechsfache Champions-League-Gewinner seine Erfahrung an die jüngeren Spieler im Team weitergeben.

    Russischen Club nach Kriegsbeginn verlassen

    Die Entscheidung, den russischen Club Fakel Orenburg zu verlassen, sei alternativlos gewesen, sagt Ovtcharov. Dort sei er immer top unterstütz worden, aber: "Auf der anderen Seite wäre das einfach ein ganz, ganz schlechtes Signal, momentan für einen russischen Verein zu spielen." In Orenburg habe man das schweren Herzens akzeptiert und unterstütze ihn nach wie vor: "Auch die Leute in Orenburg hoffen genauso wie ich täglich, dass der Krieg vorbei ist", sagt Ovtcharov.

    Großmutter aus der Ukraine nach Deutschland geholt

    Persönlich hat der Tischtennis-Star schwierige Monate hinter sich. Als der Krieg begann, war Ovtcharov verletzt. Aber auch sonst wäre an Sport nicht zu denken gewesen, sagt er im Rückblick. Ovtcharovs Großmutter lebte zu Kriegsbeginn noch in der Ukraine. "Ich habe mich anfangs gar nicht mehr mit Tischtennis beschäftigt, sondern nur noch darüber nachgedacht, wie ich sie aus der Ukraine herausbringen kann", sagt Ovtcharov. Durch die Hilfe eines alten Sportkollegen gelang es schließlich, die Flucht über Moldau und Rumänien bis nach Deutschland zu organisieren.

    Wunsch nach Bekenntnissen von russischen Kollegen

    Dass sich der TTC Neu-Ulm nach neuen Spielern für die Champions League umsah, lag auch an russischen Athleten, die wegen des Kriegs nicht für den internationalen Wettbewerb gemeldet werden konnten. Nach ihnen gefragt, erklärt Ovtcharov, die Nationalität seiner Mitspieler sei ihm egal: "Das einzige was ich mir wünschen würde, ist, dass sie zumindest intern bekunden, dass sie da dagegen sind. Das müssen sie auch nicht den Medien sagen." Doch der neue Star in Neu-Ulm fügt an, wenn jemand für richtig halte, was in der Ukraine passiere, spiele es auch keine Rolle, wo er herkomme. Dann könne er nicht in einem Verein mit ihm spielen.

    Ovtcharov kann sich längere Zukunft in Neu-Ulm vorstellen

    Drei russische Nationalspieler hat der TTC Neu-Ulm für die kommende Saison für die Bundesliga in seinen Reihen. Für die Champions League kamen nach Dimitrij Ovtcharov auch der schwedische Vizeweltmeister Truls Möregardh, der Olympia-Vierte Lin Yun-Ju aus Taiwan und der als "Wunderkind" bekannt gewordene Tomokazu Harimoto nach Neu-Ulm. Von einer Art "All-Star-Team" spricht Club-Gründer Florian Ebner. Bei Lin Yun-Ju und Tomokazu Harimoto rechnet Ebner nicht damit, dass sie sich längerfristig an den TTC binden werden. Vielmehr geht er davon aus, dass sie vor den Olympischen Spielen in Paris im Jahr 2024 Erfahrung gegen europäische Gegner sammeln wollen. Ovtcharovs Vertrag läuft über zwei Jahre. Lange Verträge seien im Tischtennis nicht üblich, betont der Star, sagt aber: "Ich kann mir das sehr gut vorstellen, länger zu bleiben."

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