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"Operation Aderlass" - Fragen und Antworten zum Dopingprozess | BR24

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Vor dem Landgericht München II hat der bisher größte Doping-Prozess in Deutschland begonnen. Im Mittelpunkt steht der Arzt Mark S., der weltweit Blutdoping, organisiert hat, vor allem im Rad- und Wintersport organisiert hat.

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"Operation Aderlass" - Fragen und Antworten zum Dopingprozess

Am Mittwoch hat in München der Prozess gegen den mutmaßlichen Doping-Arzt Mark Schmidt und vier Helfer begonnen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen rund um den Fall "Operation Aderlass".

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Worum geht es?

Am 27. Februar 2019 kam es im Rahmen der Operation Aderlass zu Razzien bei der nordischen Ski-WM in Seefeld und in Deutschland. Zwei Stunden vor dem Start des 15-km-Skilanglaufs der Männer wurden in Seefeld fünf Sportler und zwei Tatverdächtige festgenommen. Dabei wurde ein österreichischer Sportler während einer Bluttransfusion auf frischer Tat ertappt. In Deutschland wurde unter anderem der Erfurter Sportmediziner Mark Schmidt festgenommen. Er soll der Drahtzieher eines internationalen Dopingnetzwerkes sein.

Was wird den Angeklagten vorgeworfen?

Mark Schmidt soll laut Staatsanwaltschaft "regelmäßige" Dopingpraktiken "seit spätestens Ende 2011" und in einer "unbekannten Vielzahl von Fällen" durchgeführt haben. Die anderen sollen ihm dabei mit unterschiedlichen Tätigkeiten geholfen haben. Oberstaatsanwalt Kai Gräber spricht von einer "grandiosen Beweislage".

Mit welchen Strafen müssen die Angeklagten rechnen?

Nach dem 2015 eingeführten Anti-Doping-Gesetz kann derjenige, der "aus grobem Eigennutz für sich oder einen anderen Vermögensvorteile großen Ausmaßes erlangt" oder "gewerbsmäßig oder als Mitglied einer Bande handelt, die sich zur fortgesetzten Begehung solcher Taten verbunden hat" mit einer Freiheitsstrafe von ein bis zu zehn Jahren bestraft werden.

Der Sportrechtler Michael Lehner betonte: "Man darf nicht vergessen: Es geht hier um ein Gewerbe mit einer knallharten Währung - Geld. Wir haben hier nicht einen Athleten, der sich selbst dopt, sondern ein Dopinggeschäft. Im Drogenbereich würde bei solchen Strafaussichten niemand zucken. Da gibt es für mich keinen Unterschied in der Betrachtung."

Warum sind keine deutschen Sportler angeklagt?

Es gibt Sportler, die auch in Deutschland eine Anklage bekommen hätten. Allerdings wurden diese in einer Zeit behandelt, als es für sie noch nicht strafbar war. Dagegen gab es etwa in Österreich sehr wohl Strafen gegen Athleten außerhalb der Sportgerichtsbarkeit. Unter anderem wurde der Kronzeuge Johannes Dürr, der die Ermittlungen ins Rollen brachte, vom Landgericht Innsbruck zu 15 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt.

Wie viele Sportler waren in das Dopingnetzwerk involviert?

Bisher bekannt ist die Verwicklung von 23 Sportlern aus acht Ländern. Vor allem im Winter- und Radsport.

Welche Wettbewerbe waren betroffen?

Eine ganze Reihe hochkarätiger Wettbewerbe. Angeführt von den Olympischen Spielen 2014, 2016 und 2018. Daneben sollen laut Anklage aber auch die Tour de France 2018, der Giro d'Italia 2016 und 2018, die Vuelta 2017, die Nordische Ski-WM 2017 sowie weitere Rad- und Wintersportevents betroffen sein.

Wird der Prozess weitere Enthüllungen bringen?

Das wird von einer möglichen Aussage von Mark Schmidt abhängen. Der Erfurter Mediziner hatte teilweise ausgesagt, zuletzt aber nicht mehr. Lehner, der Dürr als Anwalt beriet, hofft jedenfalls auf weitere Erkenntnisse: "Es kann und müsste mehr als das herauskommen, was wir jetzt wissen. Es sind sicherlich noch mehr Sportler involviert, das System wird größer gewesen sein", sagte er.