Manuel Neuer mit "One-Love"-Kapitänsbinde
Bildrechte: picture alliance/dpa | Christian Charisius

Manuel Neuer mit "One-Love"-Kapitänsbinde

  • Artikel mit Video-Inhalten
> Sport >

"One Love"-Verbot: DFB prüft rechtliche Schritte

"One Love"-Verbot: DFB prüft rechtliche Schritte

Der "One Love"-Streit zwischen dem Deutschen Fußball-Bund und dem Weltverband FIFA spitzt sich weiter zu - und landet womöglich vor Gericht. Der DFB will prüfen, ob das Vorgehen der FIFA rechtmäßig war und erwägt eine Klage.

Der DFB will sich im "One Love"-Streit mit der FIFA nicht geschlagen geben und hat die nächste Eskalationsstufe im Visier. Dabei prüft der Deutsche Fußball-Bund (DFB) rechtliche Schritte gegen den Weltverband, damit Kapitän Manuel Neuer am Mittwoch im Spiel gegen Japan die umstrittene Binde doch noch tragen kann. "Die Fifa hat uns ein Zeichen für Diversität und Menschenrechte verboten. Sie hat dies mit massiven Androhungen sportlicher Sanktionen verbunden, ohne diese zu konkretisieren", sagte DFB-Sprecher Steffen Simon am Dienstag.

Laut der "Bild" könnte der DFB vor den Internationalen Sportgerichtshof (CAS) ziehen. Demnach werde die Möglichkeit eines sogenannten Antrags auf vorläufigen Rechtsschutz bei der Ad-Hoc-Division des CAS geprüft. Der CAS teilte der Nachrichtenagentur AFP mit, dass er bisher "noch nichts erhalten" habe. Grundsätzlich sollte der Fall aber laut Statuten erst einmal bei der FIFA-Beschwerdekommission landen. Für diese Art einer Auseinandersetzung gebe es beim CAS keinen Präzedenzfall.

Flick: "One Love"-Verbot hat Nationalspieler "geschockt"

Der Weltverband Fifa hatte am Montag sieben europäischen Nationen das Tragen der mehrfarbigen Binde während der WM untersagt und mit sportlichen Sanktionen gedroht. Die deutschen Fußball-Nationalspieler reagierten laut Bundestrainer Hansi Flick "sehr, sehr unzufrieden" und "geschockt" auf das Fifa-Verbot. "Weil es ein Zeichen ist für Menschenrechte, für Vielfalt, das sind die Werte, die wir vertreten und leben", sagte der Bundestrainer im WM-Medienzentrum in Al-Rajjan. "Ich finde es schade, dass man für Menschenrechte nicht mehr gerade stehen darf."

"Die Verbände haben gesagt, wir wollen die Spieler da nicht reinjagen, wir nehmen den Druck raus, was auch vernünftig ist", sagte Flick. Eine persönliche Aktion plane er für sich nicht. Das bringe nichts, sagte Flick, weil es die gemeinsame Entscheidung der Verbände gewesen sei. Dann "sollte man auch gemeinsam zu den Entscheidungen stehen", äußerte der Bundestrainer.

Breiter Protest gegen FIFA-Entscheidung

Zuvor war eine neue Dynamik entstanden. Denn erst setzte ZDF-Reporterin Claudia Neumann mit einem Regenbogen-Shirt ein Zeichen, dann sprangen sogar die Sponsoren der Protestbewegung zur Seite. Nach dem WM-Verbot der "One Love"-Binde und der Kritik am abgeblasenen Aufstand des DFB gegen die FIFA hatte sich breiter Widerstand gegen das Gebaren der Fußballverbände formiert.

Als erster großer Sponsor beendete Rewe am Dienstag die Zusammenarbeit mit dem DFB: "Die skandalöse Haltung der FIFA ist für mich als CEO eines vielfältigen Unternehmens und als Fußballfan absolut nicht akzeptabel", sagte Firmenboss Lionel Souque in einer Mitteilung des Handelsriesen: "Wir stehen ein für Diversität - und auch Fußball ist Diversität. Diese Haltung leben wir und diese Haltung verteidigen wir - auch gegen mögliche Widerstände." Rewe sehe sich gezwungen, sich "in aller Deutlichkeit von der Haltung der FIFA zu distanzieren und auf seine Werberechte aus dem Vertrag mit dem DFB - insbesondere im Kontext der Weltmeisterschaft - zu verzichten", hieß es weiter.

Druck aus der Politik

Zudem machen zahlreiche Politiker Druck. Linke und liberale Abgeordnete des Europäischen Parlaments, die zum Teil mit der "One Love"-Binde am Arm redeten, sprachen unter anderem von einer "WM der Schande" und forderten den Rücktritt von FIFA-Chef Gianni Infantino.

Auch die Bundesregierung hatte das Verbot bei der WM in Katar deutlich kritisiert. Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte im ZDF, es sei ein gutes Signal gewesen, dass viele Nationalmannschaften die Binde hatten tragen wollen. Sie sprach von einer "befremdlichen Entscheidung" der Fifa. Auch Bundesaußenministerin Annalena Baerbock (Grüne) kritisierte das Verbot der Kapitänsbinde.

Bildrechte: BR

BR-Sportreporter André Siems

Das ist die Europäische Perspektive bei BR24.

"Hier ist Bayern": Der BR24 Newsletter informiert Sie immer montags bis freitags zum Feierabend über das Wichtigste vom Tag auf einen Blick – kompakt und direkt in Ihrem privaten Postfach. Hier geht’s zur Anmeldung!