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In Japan haben die ersten Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen begonnen. Eine Spitzensportlerin aus Würzburg muss am Sonntag ran: Leonie Ebert ist Deutschlands einzige Fechterin, die in Tokio an den Start gehen wird.

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Olympia: Deutschlands einzige Fechterin kommt aus Würzburg

In Japan haben die ersten Wettkämpfe bei den Olympischen Spielen begonnen. Eine Spitzensportlerin aus Würzburg muss am Sonntag ran: Leonie Ebert ist Deutschlands einzige Fechterin, die in Tokio an den Start gehen wird.

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Von
  • Klaus Hanisch

Für Leonie Ebert erfüllt sich ein "Kindheitstraum": einmal bei Olympia dabei sein. Seit vielen Jahren ist das nicht mehr nur ein Kindheitstraum sondern auch ihr sportliches Ziel. "Mit der Elite des Sports zusammenzukommen und den wichtigsten Wettkampf anzutreten, ist natürlich die Krönung meiner Karriere", sagt die Würzburgerin.

Schwierige Vorbereitungsphase wegen der Corona-Pandemie

Ihre Vorbereitungen darauf waren jedoch schwierig. "Ich hatte unglaublich viele Entbehrungen, sehr viel Training, harte Arbeit, Schweiß", blickt sie zurück. Sportlich lief nicht alles nach Plan. Wegen der Pandemie fehlten Leonie Ebert oft hochklassige Trainingspartner. "Durch Corona hatten wir wenige Trainingslager, was jedoch für eine spielerische Sportart wie Fechten unglaublich wichtig ist", führt Leonie aus. "Die größte Aufgabe war, diese Überbrückungszeit zu überstehen, in der wir sehr kleine Trainingsgruppen bildeten und nur sehr monoton fechten konnten", sagt die Sportlerin. So wurde in wenigen Monaten ein komplettes Jahresprogramm durchgezogen. "Das war sehr intensiv, aber ich bin glücklich, dass wir es geschafft haben."

Neben Corona viele weitere Herausforderungen

Hinzu kamen Probleme im Umfeld. Die 21-Jährige verlor alle Sponsoren, musste Trainer selbst bezahlen, brauchte Hilfe von ihrer Familie, um nun in Japan dabei zu sein. Leonie Ebert kommt aus einer enorm sportlichen Familie. Ihr Bruder Constantin ist Basketball-Profi, ihre Schwester Amelie war als Synchronschwimmerin bei Welt- und Europameisterschaften dabei. Und nun Leonie, das Nesthäkchen, als Olympiastarterin.

"Es ist ein großes Ding für sie", konstatiert Constantin. "Ich kann mich super reinfühlen und freue mich mega für sie, dass sie es jetzt geschafft hat." Er merke ihr an, dass sie sehr glücklich sei. "Sie ist einfach stolz auf sich, schließlich hatte sie diesen Traum seit so vielen Jahren."

Amelie Ebert ist heute Ärztin und bescheinigt der kleineren Schwester "sehr viel Ehrgeiz, aber auch ein großes Herz." Zudem sei sie "sehr kreativ, in welchen Bereichen man sich noch verbessern kann", urteilt die ältere Schwester. "Und ich glaube, es ist das wichtigste, dass man Spaß an seinem Sport hat und weiß, wo man sich noch verbessern kann."

© BR/Klaus Hanisch
Bildrechte: BR

Die Würzburgerin Leonie Ebert hat hart für ihren Traum gearbeitet. Nun ist sie Deutschlands einzige Fechterin bei den Olympischen Spielen in Tokio. Wir haben die 21-Jährige vor ihrem Abflug in Unterfranken besucht.

Leonie Ebert: "Mit Kopf und Körper trainiert"

Leonie Ebert mischt in der Weltspitze unter den Florett-Fechterinnen mit, der ganz große Triumph fehlt bislang noch. Träumt sie nun sogar von einer Medaille? "Das ist durch Corona schwer einzuschätzen", erklärt die Sport-Soldatin, "ich weiß nicht genau, wie die anderen trainiert haben und wie gut die anderen drauf sind. Aber ich denke generell, dass alles möglich ist." Schließlich habe sie dafür jeden Tag mehrere Stunden lang trainiert, "mit Kopf und Körper."

Trainer Giovanni Bortolaso: "Mit Begeisterung angehen"

Der Bundestrainer für Damen-Florett baut keinen allzu großen Druck auf Leonie Ebert auf. "Ich denke, Leonie ist bereit für Olympia", sagt Giovanni Bortolaso. "Wir wollen diese Erfahrung vor allem mit großer Begeisterung angehen, das ist das erste Ziel." Für Medaillen gebe es nach seiner Einschätzung andere Kandidatinnen. Doch Leonie sei nicht gänzlich ohne Chancen. "Und wir arbeiten dafür."

Großes Dilemma wegen Corona

In Tokio finden die ersten Geisterspiele in der olympischen Geschichte statt, das Virus ist auch in Japan noch immer präsent. Leonie Ebert hat Verständnis für die vielen Einschränkungen. "Es ist ein unglaubliches Dilemma", sagt sie. "Auf der einen Seite muss die japanische Regierung die Gesundheit ihrer Bürger an die erste Stelle setzen, auf der anderen Seite gibt es Sportler wie mich, die seit zehn Jahren auf dieses Ereignis hingearbeitet haben und nun ihre harte Arbeit belohnt sehen wollen."

Verschiedene Schutzmaßnahmen für Athleten in Tokio

Die Athleten werden in Tokio regelmäßig getestet, leben in einer Blase und dürfen das olympischen Dorf nicht verlassen. Sie hoffe inständig, sagt Leonie Ebert, dass die Sicherheitsmaßnahmen ausreichend und die Sportler sicher seien und einen guten Wettkampf absolvieren könnten. Angst vor dem Virus hat sie nicht. "Durch die Impfungen fühle mich sehr sicher", erwidert sie. Davor habe sie ein Jahr lang alles versucht, um sich bestmöglich zu schützen, private Kontakte weitgehend reduziert, alles dafür getan, um gesund zu bleiben. Auch weiterhin werde sie "super vorsichtig" sein. Doch "während des Wettkampfs versuche ich natürlich, das Problem auf der Bahn auszublenden."

Gemeinschaftsgefühl von Olympia erleben

Schon am Sonntag bestreitet Leonie Ebert ihren Wettkampf. Für sie der "höchste aller Wettkämpfe" und Lohn für all ihre Anstrengungen und Mühen in den letzten Jahren. Schon zwei Tage später muss sie wieder aus Japan abreisen. Deshalb will die Fechterin aus Würzburg unbedingt bei der Eröffnungsfeier in Tokio dabei sein, um das Gemeinschaftsgefühl von Olympia zumindest ein paar Stunden lang zu spüren.

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