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Bildrechte: dpa/picture alliance

Ein Großteil der Spieler der Nürnberg Falcons hatte sich vor Wochen mit Corona infiziert. Sportlich hat das Team nie mehr den Anschluss an die Konkurrenz gefunden.

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Nürnberg Falcons-Basketballer kämpfen noch mit Corona-Folgen

Die Nürnberg Falcons standen 2019 kurz vor dem Sprung in die 1. Basketball-Bundesliga. Derzeit geht es aber sportlich steil bergab. Im vergangenen Jahr infizierte sich die gesamte Mannschaft mit dem Coronavirus und kämpft noch immer mit den Folgen.

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Von
  • Gottfried Oliwa

Vor knapp zwei Jahren standen sie mit einem Bein in der 1. Basketball-Bundesliga, jetzt sind sie Tabellenletzter in Liga 2, der sogenannten Pro A – die Nürnberg Falcons. Und das nicht nur, aber auch wegen Corona.

Nürnberg Falcons: komplettes Team Corona-positiv

Am 6. November beim Spiel gegen Hagen war bei den Gegnern wohl ein Superspreader dabei. Trotz aller Hygienemaßnahmen und Tests – alle waren vor dem Spiel getestet worden – wurden damals alle Spieler auf dem Feld mit Covid-19 infiziert, dazu die Trainer, Schiedsrichter, das Funktionsteam. Im deutschen Sport sind die Nürnberger Basketballer damit wohl am Ärgsten von Corona betroffen gewesen, mit enormen Folgen bis heute.

Basketballer im Corona-Schock

Vereinsarzt Matthias Brem und Trainer Ralph Junge stehen immer noch im engen, täglichen Kontakt. Der Corona-Schock bei den Falcons ist immer noch nicht ganz überwunden.

"Unsere Spieler waren alle krank, hatten alle Symptome, hatten alle Fieber, waren teilweise so geschwächt, dass sie teilweise auch tagelang im Bett gelegen waren." Matthias Brem, Mannschaftsarzt der Nürnberg Falcons

Ralph Junge erklärt, dass die Corona-Infektionen bei seiner Mannschaft deutliche Spuren hinterlassen haben: "Wir haben Spieler, die mit Herzmuskelproblemen raus sind, wir haben Spieler, die mit dem Augenlicht Probleme haben, also mit der Sehstärke, wir haben Spieler, die heute noch konditionell nicht den kompletten Anschluss haben, die nach ein paar Minuten Spielzeit eine Pause brauchen und ausgewechselt werden müssen."

Covid-19-Nachwirkungen bei Nürnberger Athleten

Manuel Feuerpfeil litt noch lange unter den Nachwirkungen von Covid-19: "Ich hatte da eine Magenschleimhautentzündung und hatte Probleme mit dem Essen: wenn ich gegessen habe, ging es mir nicht besonders, und wenn ich nicht gegessen habe, auch nicht. Und Training war in der Zeit auch nicht denkbar."

Spielerkollege Sanders berichtet: "Ich hatte noch eine Nasennebenhöhlen-Entzündung und solche Sachen, die damit einhergehen, weil das Immunsystem einfach so geschwächt war." Nach nunmehr dreieinhalb Monaten fühle er sich langsam wieder fit und leistungsfähig.

Falcons-Fall von Uni wissenschaftlich untersucht

Der Corona-Fall bei den Falcons wurde von der Universität Regensburg wissenschaftlich untersucht, die Ergebnisse sind teilweise überraschend.

Mannschaftsarzt Brem sagte dem Bayerischen Rundfunk, dass es bei dem Spiel gegen Hagen im November eine 100-prozentige Infektionsquote auf dem Spielfeld gegeben habe: "Alle, die auf dem Feld standen, haben sich mit Covid-19 infiziert und 60 Prozent all derer, die in der Halle waren. Wobei es keine Rolle gespielt hat, wo sie sich in der Halle aufgehalten haben."

Die Quintessenz daraus sei, dass die Abstandsregeln in der Halle eine bedingte Rolle spielten. "Weil die Virus-Partikellast offensichtlich überall verteilt war, dass sie auch in den entferntesten Regionen der Halle ausreichend war, um sich zu infizieren." Bei denen aber, die kontinuierlich eine FFP2-Maske getragen hätten, habe sich kein einziger infiziert, egal wo sich die Personen in der Halle aufgehalten hätten.

Falcons stürzen sportlich ab, dennoch kein Abstieg

Sportlich haben die Falcons nie mehr den Anschluss gefunden, sind nach starkem Saisonstart bis auf den letzten Platz durchgereicht worden – von Chancengleichheit im Liga-Betrieb kann längst keine Rede mehr sein.

Coach Ralph Junge sagt zu der besonders unglücklichen Situation seines Teams: "Das war ein Einschnitt, der auch sonst bis jetzt im deutschen Sport in den Ligen nicht da war. Dass wir insgesamt neun Wochen aus dem Spielbetrieb raus waren – einige Spieler sind erst nach vier Wochen aus der Quarantäne gekommen – da war natürlich die ganze Saisonplanung, die ganze Saisonvorbereitung, jeglicher Rhythmus verloren."

Jetzt gilt es für die Falcons nur noch, die Saison einigermaßen zu Ende zu bringen. Das einzig Positive ist: Aufgrund der Corona-Situation gibt es in der laufenden Spielzeit keine Absteiger. Im Gegensatz zu den Fußballern vom 1. FC Nürnberg muss die Mannschaft von Ralph Junge also zumindest nicht um den Klassenerhalt bangen.

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