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Norbert Schramm: Der Paradiesvogel des Eiskunst-Laufs wird 60 | BR24

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Marianne Kreuzer trifft im wunderschönen Oberallgäu den zweimaligen Eiskunstlauf-Europameister Norbert Schramm. Anfang der 80er-Jahre war der gebürtige Nürnberger der Trendsetter auf dem Eis.

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Norbert Schramm: Der Paradiesvogel des Eiskunst-Laufs wird 60

Im knallroten Anzug und zur Musik von Jean-Michel Jarre erobert der Eiskunstläufer Norbert Schramm die Herzen der Fans. Als einziger Deutscher wird er in seinem Sport zwei Mal Europameister. Am Dienstag feiert er seinen 60. Geburtstag.

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Bereits im Alter von sechs Jahren beginnt er mit dem Eiskunstlauf. "Meine Eltern haben Tennis gespielt beim 1. FC Nürnberg. Daneben war eine Rollschuhbahn. Da bin ich zum Rollschuhlaufen gegangen und im Winter ging’s aufs Eis. So bin ich in den Sport reingeschlittert", erzählt Schramm.

Aufbruch von Nürnberg ins Allgäu

Mit elf Jahren kommt er nach Oberstdorf. Anfangs versteht er den örtlichen Dialekt nicht so recht. Aber mit der Mentalität der Allgäuer kann er sich schnell arrangieren. "Im Grunde ist der Allgäuer sehr, sehr freundlich", sagt Schramm. Auf dem Gymnasium wird er als Sportler von den Lehrern "sehr wohlwollend behandelt".

Unter Startrainer Zeller geht's "nach ganz oben"

Dann nimmt ihn Startrainer Erich Zeller unter seine Fittiche. Mit 19 wird er erstmals Deutscher Meister. "Zu diesem Zeitpunkt hatte ich damit noch gar nicht gerechnet", blickt er zurück. Die internationale Karriere beginnt 1981 mit dem Gewinn der Bronzemedaille bei der Europameisterschaft in Innsbruck. "Da weiß man, jetzt gehört man dazu. Da hat man dann was Großes geschafft", erinnert sich der ehemalige Eiskunstläufer.

Bereits ein Jahr später steht er bei der Europameisterschaft in Lyon ganz oben auf dem Podest. Sogar vom einheimischen Publikum bekommt er am Ende "Standing Ovations", obwohl er einen Franzosen auf Platz zwei verdrängt. "Das war schon herzergreifend", blickt der Erfolgsathlet zurück. Im gleichen Jahr wird er in Kopenhagen Vize-Weltmeister.

© Picture alliance/dpa

Norbert Schramm bei einer Siegerehrung

Knallrot statt schwarz und Popmusik statt Klassik

Und Schramm wird zum Trendsetter. Im Gegensatz zu allen anderen Läufern geht er mit einem knallroten Anzug auf das Eis. "Ich wollte aber irgendwie anders sein", so will er sich von den Konkurrenten absetzen. Auch musikalisch geht er ganz eigenwillige Wege. Während die anderen Eiskünstler zu klassischen Klängen springen, setzt Schramm auf die Bee Gees oder Jean-Michel Jarre. "Damit hab' ich die Preisrichter erschreckt", erzählt er. Musikuntermalung mit Gesang ist nämlich eigentlich absolut tabu in der Szene. Dazu zeigt er eine herausragende Choreografie mit atemberaubenden Pirouetten, rasanten Schrittkombinationen und wilden Sprünge.

Es folgt der Höhepunkt seiner Karriere: Bei der Europameisterschaft in Dortmund gelingt ihm im Jahr 1983 die Titelverteidigung. "Ich hatte einen wahnsinnigen Druck, aber das Stadion voll hinter mir", erinnert sich Schramm.

Überraschender Rücktritt und eine Show-Karriere

Im Alter von nur 23 Jahren folgt der überraschende Rücktritt vom Eiskunstlaufsport. "Das Blatt hatte sich gegen mich gewendet. Ich war plötzlich der Buhmann", erzählt er rückblickend. Er wechselt ins Showbusiness und unterhält bei "Holiday on Ice" das Publikum in mehr als 2.000 Vorstellungen. Danach folgen Engagements als künstlerischer Leiter einer Eisshow im Europa-Park Rust oder bei der TV-Show "Dancing on Ice".

© Picture alliance/dpa

Norbert Schramm in den Allgäuer Bergen

Gesichtslähmung als Warnschuss und die "Suche nach sich selbst"

Ein "gehöriger Schreck" ereilt ihn, als er eines Tages nach dem Aufwachen eine Gesichtslähmung bemerkt. Nachdem ihn die gleiche Krankheit nochmals befällt, ändert er seine Lebenseinstellung. "Stress vermeiden, einfach runterfahren und das Leben ein bisschen ruhiger angehen", wird sein neues Motto. Auf langen Reisen durch Südamerika oder auf Wanderungen über 800 Kilometer auf dem Jakobsweg macht er sich auf die Suche nach sich selbst. "Das war genau das Richtige, um mit mir ins Reine zu kommen", lautet Schramms Fazit. "Man merkt, man braucht nicht viel, um glücklich zu sein", sagt er.

Der gebürtige Nürnberger lebt jetzt in Sonthofen und hat einen Zweitwohnsitz in Karlsfeld bei München. Seinen Lebensabend will Schramm aber auf jeden Fall in der traumhaften Landschaft im Allgäu verbringen.

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