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Niko Kovac und FC-Bayern-Spieler bei einer Trainingsbesprechung
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Bernd Eberwein
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Niko Kovac und FC-Bayern-Spieler bei einer Trainingsbesprechung

Genau kann niemand sagen, seit wann der Begriff der "Rotation" inflationär im Profifußball verwendet wird. Ottmar Hitzfeld, FC-Bayern-Trainer von 1998 bis 2004 und 2007 bis 2008, wird gerne als der Meister des munteren Spielerwechsels genannt. Fakt ist zumindest: Hitzfeld tauschte gern und oft seine Anfangsformation. Meist erfolgreich, mitunter vielleicht aber auch zu häufig.

"Fußball ist keine Mathematik", polterte Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge im November 2007 nach einem 2:2 des FC Bayern im UEFA-Pokal gegen die Bolton Wanderers. Mathematik- und Sportlehrer Hitzfeld, damals Trainer des Rekordmeisters, hatte einige Stars geschont und im Spiel auch noch die starken Lukas Podolski und Franck Ribéry ausgewechselt, um sie für das kommende Bundesligaspiel zu schonen.

Rummenigge, Hitzfeld, Mathematik und die Folgen

"Ich bin wirklich stocksauer. Es war so einfach zu gewinnen. 66.000 Zuschauer haben ein Recht darauf, die beste Mannschaft zu sehen und nichts anderes", schob Rummenigge noch nach. Mit seinen Aussagen forcierte er auch das Ende der zweiten Ära Hitzfeld beim FC Bayern. Denn der Trainer reagierte mehr als angefressen auf Rummenigges wortgewaltige Meinungsäußerung.

Niko Kovac ist kein Mathematiklehrer. Aber er hat einige Semester BWL studiert. Insofern kennt er sich mit Zahlen wohl fast so gut aus wie Hitzfeld. Doch auch Personalentwicklung, Veränderungsprozesse und Unternehmensplanung dürften ihm nicht fremd sein. Und so wird es vor allem dem Nicht-Mathefan Rummenigge gefallen haben, was Kovac staatstragend auf der abschließenden Pressekonferenz vor dem Heimspiel gegen den 1. FC Nürnberg (Samstag, 15.30 Uhr, Liveeinblendungen in Heute im Stadion auf Bayern 1) verkündet hat.

Kovac: "Rotation hat nicht funktioniert"

"Rotation wird es in der Form nicht mehr geben, weil es nicht so funktioniert hat. Rotation wird stattfinden, aber nur dann, wenn einer verletzt oder total am Boden ist", erklärte Kovac: "Für die, die hinten dran stehen, ist das nicht angenehm, aber jeder muss damit klar kommen. Es ist egal, wer es ist." Heißt im Klartext: Ehemalige Leistungsträger wie Mats Hummels oder Javier Martínez werden wohl auch in den kommenden Wochen erst einmal Stammgäste auf der Ersatzbank.

"Der Kader ist bekannt - und die ersten Elf im Moment auch." Niko Kovac auf der Pressekonferenz

Kovac wird im 190. bayerisch-fränkischen Duell gegen den Club also auf die Startelf setzen, die zuletzt in Bremen zu einem solide-sicheren 2:1-Sieg gekommen ist. "Die Mannschaft hat es gegen Benfica und Bremen sehr gut gemacht, deshalb werde ich da auch nicht wechseln", erklärte Kovac. Heißt auch: Die zuletzt leicht oder stärker angeschlagenen Arjen Robben, Kingsley Coman und Thiago müssen sich wohl in Geduld üben.

Krisenmanager Kovac denkt um

In den ersten Wochen und Monaten seiner Amtszeit beim FC Bayern hatte Kovac munter rotiert und immer wieder Neues ausprobiert. Dann kamen Niederlagen und Kritik. An der Rotation hielt Kovac aber lange fest. Auch, weil ihm verletzungsbedingt ständig der eine oder andere Spieler fehlte. Damit soll nun Schluss sein. Alle Profis hätten zu Saisonbeginn "die nötigen Minuten" gehabt, erklärt Kovac. Aber es gebe Situationen, "in denen es nicht so läuft und man als Trainer umdenkt."

"Ich habe gesagt, okay, die Rotation wird stattfinden, aber nur dann, wenn einer verletzt ist beziehungsweise wenn wirklich jemand total am Boden ist." Niko Kovac

Auch die Taktik änderte Kovac zuletzt, und setzte auf eine "Doppel-Sechs" mit Joshua Kimmich und Leon Goretzka. "Wir mussten etwas verändern, weil wir gerade im Umschaltspiel anfällig waren und ausgekontert wurden", erklärte er. Und falls die Bayern doch wieder straucheln oder die Bankdrücker langsam zu murren anfangen, hätte Kovac vermutlich auch wieder eine Antwort parat. Denn auch Krisenmanagement gehört zum BWL-Studium.

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Bernd Eberwein

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Heute im Stadion vom 08.12.2018 - 15:05 Uhr