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Niko Kovac

Es ging sehr schnell im April. Laut Niko Kovac habe sich an einem einzigen Tag alles entschieden. Er habe einen Anruf und ein Vertragsangebot vom FC Bayern bekommen, da habe er nicht lange überlegt und zugesagt. Das hat er nun davon, werden einige sagen. Denn nach 100 Tagen als Trainer des deutschen Rekordmeisters ist die Anfangseuphorie bei Kovac und seinem Bruder Robert, den er als Co-Trainer mitbrachte, längst verflogen. Nach vier Spielen ohne Sieg scheint der 46-Jährige bereits angezählt. Daran ändert auch die Beteuerung von Präsident Uli Hoeneß, er werde Kovac "bis aufs Blut verteidigen" nichts.

Guter Start in allen drei Wettbewerben

Dabei ging alles so gut los! Kovac moderierte und lächelte alle vermeintlichen Problemchen einfach weg. Mit den in die Jahre gekommenen Stars Franck Ribéry und Arjen Robben schien er ein Friedensabkommen geschlossen zu haben. Auch dank des zu Saisonbeginn noch verschlankten Kaders schien es keine unzufriedenen Profis zu geben. Entsprechend gut waren die Ergebnisse: Sieg im Supercup gegen Kovac' Ex-Klub Eintracht Frankfurt, Pflichtsieg im DFB-Pokal, standesgemäßer Bundesligastart mit zwölf von zwölf möglichen Punkten aus den ersten vier Partien sowie das 2:0 in der Champions League bei Benfica Lissabon.

Niko Kovac mit Franck Ribéry

Niko Kovac mit Franck Ribéry

Gegen Augsburg gab's den Riss

Am fünften Spieltag gab es dann nach sieben Pflichtspielsiegen plötzlich einen Riss. Kovac warf seine Rotationsmaschine an und zum ersten Mal ging es schief. Das 1:1 gegen den FC Augsburg wäre aber noch kein Beinbruch gewesen. Es folgten aber das 0:2 bei Hertha BSC, ein 1:1 in der Champions League gegen Ajax Amsterdam und zuletzt die harsche 0:3-Niederlage gegen Borussia Mönchengladbach.

Was also ist passiert? In Medienberichten nach dem Augsburg-Spiel war plötzlich von wütenden Stars die Rede, die mit ihren Einsatzzeiten unzufrieden gewesen sein sollen. Präsident Uli Hoeneß quittierte dies mit der unbedachten Äußerung, am Ende müsse "der Trainer den Kopf hinhalten". Viele interpretierten diese Aussage (möglicherweise fälschlich) bereits als Misstrauensvotum gegen den Trainer.

"Ich kenne die Mechanismen im Fußball und in der Bundesliga. Ich weiß, dass die Zeit bei Bayern München anders läuft." Niko Kovac nach der Niederlage gegen Mönchengladbach

So sind nun 100 Tage vergangen und Niko Kovac muss seine erste Krise meistern. Nur Platz sechs in der Bundesligatabelle - vier Punkte hinter Spitzenreiter Borussia Dortmund - und keine Zeit, die Mannschaft auf die bevorstehenden Aufgaben vorzubereiten. Es ist Länderspielpause und fast alle Bayern-Spieler sind bei ihren Nationalmannschaften. Danach folgt eine Englische Woche mit drei Auswärtsspielen. Kovac weiß, dass er da Ergebnisse liefern muss. Sonst ist der Traum vom "großen Los" schneller ausgeträumt, als er sich das vielleicht im April hat vorstellen können.