Julian Nagelsmann beim Spiel gegen Mainz

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"Nicht der Papa": Nagelsmann zwischen Ibiza und der Zukunft

"Nicht der Papa": Nagelsmann zwischen Ibiza und der Zukunft

FC-Bayern-Trainer Julian Nagelsmann will die Diskussionen um Mainz und die Ibiza-Reise möglichst schnell hinter sich lassen. Er legt den Fokus auf die Meisterparty am Sonntag und vor allen Dingen die kommende Saison.

Es ist eine Seltenheit, dass man Bayern-Trainer Julian Nagelsmann auf Pressekonferenzen mit schlechter Laune antrifft. Dieser Termin vor dem letzten Heimspiel der Saison gegen den VfB Stuttgart (Sonntag, 08.05., ab 17.30 Uhr bei BR24 Sport in der Radio-Livereportage) war allerdings einer dieser seltenen Gelegenheiten.

Das lag vor allen Dingen an den beiden Themen nach der 1:3-Niederlage gegen Mainz am vergangenen Spieltag, an denen sich der FC Bayern und vor allen Dingen Menschen außerhalb des Vereins abgearbeitet hatten. Da wäre zum einen die Ibiza-Reise, zu der sich große Teile der Mannschaft kurz nach Abpfiff aufgemacht hatten. Zum anderen den Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung, den Hertha-Trainer Felix Magath medienwirksam platziert hatte.

Nagelsmann: "Ich bin ja nicht ihr Papa"

So war es nicht verwunderlich, dass die erste Frage des Tages auf die Ibiza-Reise seiner Spieler abzielte. Eine Frage, die Nagelsmann mit eiserner Miene beantwortete. Hasan Salihamidzic habe schon alles Relevante dazu gesagt, erklärte der Trainer. Doch wohlwissend, dass das keine genügende Antwort ist, holte er doch noch einmal aus: "Ich habe als Trainer die Verantwortung für meine Mannschaft, die Verantwortung für alles Sportliche, für die Trainingsinhalte, für die Trainingsplanung, für die Vorbereitung der Spiele. Dieser Verantwortung wurde ich gerecht. Ich habe zwei freie Tage in der Trainingsplanung gemacht", erklärte Nagelsmann. und führte aus. "Unsere Spieler sind alt genug und mündig. Wenn sich unsere Spieler entscheiden, da hinzufliegen - als sehr große Gruppe - dann sollen sie das machen. Ich bin ja nicht ihr Papa."

Nagelsmann lobt seine Spieler: "Herrausragende Leistung gezeigt"

Nach diesem Statement hielt er kurz inne und richtete einen Appell an die Runde: "Wir können gerne zu anderen Themen kommen, die relevanter sind für mich und auch für den Fußball." Damit war das Thema Ibiza beendet - es blieb der Vorwurf der Wettbewerbsverzerrung, den Nagelsmann kategorisch ablehnte, alleine schon, weil das Spiel weder für Mainz, noch für den FC Bayern Auswirkungen auf die kommende Saison gehabt habe.

Der Bayern-Trainer beschwerte sich auch über die Bewertung seiner Mannschaft nach dem vergangenen Wochenende: "Die Spieler haben dieses Jahr in der Meisterschaft eine herausragende Leistung gezeigt. Mit vielen Toren, wenig Gegentoren und begeisterndem Fußball, besonders in der Hinrunde. Und das werde ich mir nicht klein reden lassen, auch wenn wir in Mainz mal beschissen gespielt haben."

Nagelsmann gedanklich schon in der kommenden Saison

Gegen Stuttgart, die tief im Abstiegskampf stecken, würde die Mannschaft anders auftreten. Nicht nur, um einen fairen Wettkampf zu ermöglichen. "Es ist das letzte Heimspiel der Saison vor ausverkauftem Haus bei dem wir die Schale bekommen. Und das wollen wir mit einem Sieg bestreiten." Außerdem denkt Nagelsmann schon an die kommende Spielzeit, für das dieses Spiel auch eine Art Vorbereitung ist: "Die Verantwortung, die wir haben, ist gegenüber uns selber. Wir wollten die letzten Wochen auch nutzen, um einige Trainingsinhalte zu trainieren. Wir werden kommende Saison sehr wenig Vorbereitung haben. Zwei Wochen und dann geht es los mit Supercup und dann durch bis hoffentlich Mai nächsten Jahres."

Kein "Zuckerl" für Süle

Diesem Blick nach vorne ist es auch geschuldet, dass Niklas Süle, der kommende Saison das Trikot von Borussia Dortmund tragen wird, wohl nicht mehr allzu viele Minuten im roten Gewand spielen wird. "Irgendwann ist der Punkt erreicht, da musst du nicht auf einen Spieler setzen, der dich verlässt. Das haben wir gegen Mainz gemacht, um ihm ein Zuckerl zu geben, um uns für die gute Arbeit, die er geleistet hat, zu bedanken", sagte Nagelsmann und ließ durchscheinen, dass Süle solche "Zuckerl" von seinem "Nicht-Papa" Nagelsmann nicht mehr bekommen wird.

Verträge von Lewandowski, Gnabry und Tolisso

Während bei dem Innenverteidiger schon Gewissheit über dessen sportliche Zukunft herrscht, sind in Sachen Kaderplanung an der Säbenerstraße derzeit noch viele Baustellen offen. Da wäre zum einen Robert Lewandowski, dessen Vertragsverlängerung und Verbleib noch ungeklärt ist. Zumindest gab es unter der Woche zwischen den beiden Parteien Gespräche, über die Nagelsmann nur rudimentär informiert sei: "Ich habe gefragt, ob es ein gutes Gespräch war - das war es wohl. Alles andere muss der Brazzo sagen. Da braucht man ein bisschen Geduld. Das ist aber eine meiner ganz großen Stärken", sagte Nagelsmann.

Auch bei Serge Gnabry, den Nagelsmann "als Mensch" sehr schätze und sich über eine Verlängerung sehr freuen würde, gibt es schwierige Vertragsverhandlungen. Als gutes Zeichen kann man zumindest sehen, dass Gnabry laut seinem Trainer "im Training einer der auffälligsten" sei.

Bei Corentin Tolisso hörten sich die Aussagen Nagelsmanns sehr nach Abschied an: "Er will immer gewinnen, hat eine sehr gute Technik. Die Verletzungsanfälligkeit ist aber schon ein Problem. Die Statistik der letzten Jahre ist immer sehr identisch. Dann gilt es immer zu überlegen, wie sinnvoll es ist, wenn ein Spieler leider immer wieder mit muskulären Verletzungen zu tun hat. Wir werden sehen, was da die Zukunft bringt."

Die gute Laune kehrt zurück

Am Sonntag wird dem FC Bayern die Meisterschale übergeben. Während Thomas Müller, der seinen Vertrag kürzlich verlängert hat, diese Vergabe schon zum elften Mal persönlich erlebt, ist es für Nagelsmann eine Premiere: "Ich freue mich darauf, die Schale von nahem zu sehen und sie auch in der Hand zu halten. Ich gehe davon aus, dass der Manu sie mir auch irgendwann geben wird und nicht vor mir wegrennt. Ich hoffe, dass ich es auch im Kreuz habe, sie hochzuheben, vielleicht mache ich noch ein paar Stabilisierungsübungen", sagte der Bayern-Trainer und spätestens da war die gewohnt gute Laune wieder zurück.