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Schützt Sport auch vor Corona-Infektion? | BR24

© Leonard Fraunberger

Leonard Fraunberger, Vize-Präsident des Bayerischen Sportärzteverbandes

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    Schützt Sport auch vor Corona-Infektion?

    Sport ist wie eine Impfung für das Immunsystem. So lautet das Ergebnis einer Studie an der Sporthochschule Köln. Schützt Sport daher auch vor Corona? Einschätzungen von Leonard Fraunberger, Vize-Präsident des Bayerischen Sportärzteverbandes.

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    Derzeit wird viel diskutiert, ob es eine zweite Welle der Corona-Pandemie geben wird, und ab wann in Deutschland ein verlässlicher Impfstoff zur Verfügung steht. Bis dahin sollte durch Hygiene- und Abstandsregeln versucht werden eine Ansteckung so gut wie möglich zu vermeiden. Wichtig ist dabei auch ein stabiles Immunsystem, das uns vor Viruserkrankungen schützt oder den Krankheitsverlauf mildert.

    An der Sporthochschule Köln wurde geforscht, inwieweit sich Sport und Bewegung positiv auf die Immunabwehr auswirken. Das Ergebnis lautet: Sport ist wie eine Impfung für das Immunsystem. "Sportlich aktive Menschen sind daher auch vor einer Corona-Erkrankung besser geschützt", sagt Leonard Fraunberger, Internist, Kardiologe und Sportmediziner am Department für Sportwissenschaft und Sport an der Universität Erlangen-Nürnberg.

    Wie viel Sport sollte man machen?

    Nach einem anstrengenden Training oder Wettkampf sprechen die Sportwissenschaftler von einem "open window“, also einem "offenen Fenster", in dem ambitionierte oder leistungsorientierte Sportler kurzfristig körperlich geschwächt und damit anfälliger für einen Infekt sind. Denn eine Überbelastung bedeutet Stress für den Körper. "Doch im Jahresdurchschnitt sind Sportler seltener krank als unsportliche Menschen", erklärt Leonard Fraunberger.

    Der Mediziner empfiehlt daher für Freizeitsportler ein moderates Training, beim dem sie sich nicht bis zum Anschlag auspowern. Mäßiges Ausdauertraining bis zu einer Stunde wirke dabei immunstimulierend. Als gesundes Maß gibt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) vor, dass sich jeder Mensch mindestens 150 Minuten in der Woche aktiv bewegen sollte. Welche Wirkung sportliche Aktivität auf das Immunsystem hat, hängt also von der Dauer und Intensität der sportlichen Belastung ab.

    Wie wirkt sich Sport auf das Immunsystem aus?

    Sport trainiert nicht nur die Muskeln, sondern auch das Immunsystem. Denn bei körperlicher Belastung steigt die Zellzahl der weißen Blutkörperchen, insbesondere der schnellen Abwehrzellen (Fresszellen, Makrophagen, Granulozyten). Außerdem werden mehr Abwehrstoffe (Zytokinen, Prostaglandinen) freigesetzt. Andere, am Immunsystem beteiligte Systeme, wie Milz und Lymphknoten, werden besser durchblutet und damit in ihrer Leistung gesteigert. "Für den Körper bedeutet Sport daher einen zeitlich begrenzten Stress, aber Stress im positiven Sinne, denn der Körper lernt damit umzugehen und ist gut vorbereitet, wenn Infektionen drohen", so Fraunberger.

    Welche Sportarten wirken sich besonders günstig aus?

    Ausdauersportarten wie Schwimmen, Laufen, Radfahren und Wandern wirken sich besonders günstig auf das Immunsystem aus. Aber auch Krafttraining hilft, entzündungshemmende Vorgänge in Gang zu setzen. Für das Immunsystem ist es wichtig, dass man sich regelmäßig und länger als nur ein paar Minuten bewegt.

    Auch hier sind die Empfehlungen der WHO hilfreich, nach denen man beispielsweise jeden zweiten Tag eine halbe Stunde trainiert. Dazu sollte man sich am besten eine (Ausdauer-) Sportart aussuchen, die einem Spaß macht, denn nur dann wird man sie auch regelmäßig ausüben.

    Beispiel aus der eigenen Familie

    Im Frühjahr erkrankte ein 72-jähriger Verwandter von Fraunberger selbst an Corona und musste in einer Klinik behandelt werden. Obwohl er aufgrund seines Alters zur Risikogruppe zählt, überstand er die Infektion sehr gut. Der Sportmediziner glaubt, dass es seinem Verwandten geholfen habe, dass er sportlich sehr aktiv ist. "Das hat sicher dazu beigetragen, dass der Krankheitsverlauf milder verlaufen ist und er schneller wieder auf die Beine gekommen ist."

    Neben Sport sorgen unter anderem auch ausreichend Schlaf und gesunde Ernährung für ein gutes Immunsystem. Allerdings müsse man einschränkend sagen, dass nicht allein eine gute Immunabwehr entscheidend dafür ist, ob jemand krank wird, sondern auch die Infektiosität der zirkulierenden Erreger, also wie aggressiv ein Virus ist. Das heißt: Man kann alles richtigmachen, und doch krank werden. Aber möglicherweise nicht so schwer.

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