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Nationalmannschaft: Löw erklärt EM-Halbfinale zum "Minimalziel" | BR24

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Für Pessimismus sieht der Bundestrainer keinen Grund. Für ihn bringt der Auftritt gegen die Schweiz sogar positive Zeichen. Aber das Hauptproblem bleibt: Abwehrfehler bringen sein Team um den Lohn guter Offensivaktionen.

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Nationalmannschaft: Löw erklärt EM-Halbfinale zum "Minimalziel"

Wieder drei Tore erzielt. Wieder nicht gewonnen. Gegen die Schweiz präsentierte sich die Nationalmannschaft erneut wenig überzeugend. Die Kritik an Bundestrainer Joachim Löw wächst - und die Baustellen bis zur EM im kommenden Jahr werden deutlicher.

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Vorne hui, hinten pfui: Nach dem turbulenten 3:3 der DFB-Elf gegen die Schweiz steigt der Druck auf Joachim Löw. Der Bundestrainer wollte in der Nations League durch die Abkehr von der viel diskutierten Dreierkette die Dynamik nach vorne erhöhen.

Mit Viererkette brachte Löw zwar mehr der qualitativ so hochwertigen Offensivspieler unter. Doch dem veränderten Offensivpersonal gelangen zwar zauberhafte Tore. Der fehlende Innenverteidiger erhöhte aber die Anfälligkeit in der Defensive. Die Abwehr leistete sich beim Geisterspiel in Köln bei allen drei Gegentoren fatale Fehler. Besonders pikant: Bei der Schweiz fehlten gleich mehrere der besten Spieler, während bei Deutschland bis auf Leroy Sané die vermeintlich erste Elf auf dem Platz war.

Sieben Gegentore in drei Spielen

Dass seine Defensive nicht nur gegen die Schweiz teils konfus wirkte, ist aber auch Löw nicht entgangen. Sieben Gegentore gegen die zweitklassigen Gegner Türkei, Ukraine und die Schweiz stimmen den 60-Jährigen acht Monate vor dem paneuropäischen Turnier nachdenklich. Mit seiner Taktik war Löw "bewusst ins Risiko" gegangen. Allerdings drängt sich ungeachtet der Diskussionen über eine Dreier- oder eine wie gegen die Schweiz praktizierte Viererkette auch die Qualitätsfrage auf. Während das DFB-Team im Mittelfeld und Angriff mit Spielern gespickt ist, die höchsten internationalen Ansprüchen genügen, lassen die vielen Unzulänglichkeiten im Defensivbereich daran zweifeln.

Natürlich sehen wir auch die Fehler, das müssen wir beheben. Wir waren defensiv nicht immer gut geordnet. Joachim Löw.

Abwehrchef dringend gesucht

Zwangsläufig stellt sich die Frage nach dem Abwehrchef. Antonio Rüdiger fehlt die Spielpraxis, Matthias Ginter scheint noch nicht bereit für diese Rolle. Bleibt Niklas Süle, der als Nachfolger für die ausgemusterten Weltmeister Mats Hummels und Jérôme Boateng dienen sollte. Die beiden galten als Fixpunkte einer standfesten Innenverteidigung, Löw verzichtete in seiner neu zusammengestellten Viererkette allerdings auf den 25-Jährigen. "Bei Niklas Süle müssen wir nach seinem Kreuzbandriss vorsichtig sein. Normal ist er ein Spieler, der immer gesetzt war", betonte der Bundestrainer.

Dies könnte über Außenverteidiger kompensiert werden, die allerdings ebenfalls nicht internationales Top-Niveau besitzen. Deutschlands beste Option dürfte derzeit Joshua Kimmich sein, der allerdings nur im Mittelfeld spielen möchte. Und bisher kommt Löw diesem Wunsch auch nach.

EM-Halbfinale als "Minimalziel"

Trotz allem hat Löw den Halbfinaleinzug bei der in das kommende Jahr verlegten Fußball-Europameisterschaft zum "Minimumziel" erklärt. Bis auf die WM 2018 erreichte der 60-Jährige mit der deutschen Nationalmannschaft diese Vorgabe bei allen anderen Turnieren in seiner Zeit als Bundestrainer.

"Wir befinden uns noch immer in einem Prozess, haben eine junge Mannschaft. Wir lassen uns von unserem Weg nicht abbringen" Joachim Löw.

Die Ambitionen sind also nach wie vor hoch beim Deutschen Fußball-Bund (DFB), der seit dem schmählichen Aus bei der Weltmeisterschaft 2018 beteuert, dass er in einem doch größeren Umbruchprozess stecke. Der Bundestrainer wird in den drei ausstehenden Spielen des Jahres unter noch größerer öffentlicher Beobachtung stehen. Nach dem Test in Leipzig gegen Tschechien kann sich das DFB-Team mit Siegen gegen die Ukraine und in Spanien aus eigener Kraft für das Finalturnier der Nations League qualifizieren. Das wird aber erst nach dem EM-Halbfinale ausgetragen.