BR24 Logo
BR24 Logo
BR24 - Hier ist Bayern
Viele glückliche Gesichter beim FCA: Markus Weinzierl, Ricardo Pepi und Stefan Reuter.

Viele glückliche Gesichter beim FCA: Markus Weinzierl, Ricardo Pepi und Stefan Reuter.

Bildrechte: picture alliance/dpa | Stefan Puchner
Per Mail sharen

    Nach Pepi-Transfer: Das Investoren-Konstrukt beim FC Augsburg

    Der FCA beginnt das neue Jahr mit dem Rekordtransfer von Ricardo Pepi. Hinter der Verpflichtung steckt ein Investoren-Konstrukt, dass Augsburg für junge Talente attraktiv machen soll.

    Von
    Marjorie MaurerMarjorie Maurer
    Per Mail sharen

    Das neue Mannschafts-Mitglied hat sich noch vor dem ersten offiziellen Spiel in die Geschichtsbücher des FC Augsburgs geschrieben. 13 Millionen Euro plus erfolgsabhängige Prämien kostet Ricardo Pepi den FCA. Nie gaben die sparsam wirtschaftenden Fuggerstädter mehr für einen Spieler aus.

    Auch wenn die Corona-Pandemie nicht spurlos an Augsburg vorbeiging, profitierte der Klub von einer cleveren Wirtschaftlichkeit. 55 Millionen Euro Eigenkapital hat sich der FCA in den letzten zehn Jahren zusammengespart. Das verkündete Präsident Klaus Hofmann stolz auf der letztjährigen Jahreshauptversammlung.

    Im Sommer gaben die Schwaben die Eigengewächse Marco Richter an Hertha BSC ab, Kevin Danso wurde an den RC Lens verkauft. Die zwei Akteure brachten dem Tabellen-15. zwölf Millionen Euro ein. In den Jahren zuvor verkaufte man Jonathan Schmid, Philipp Max und Martin Hinteregger (circa 23 Millionen). Geld, das die Augsburger nun in den Millionen-Stürmer anlegen konnten.

    Präsident Hofmann steht im Zentrum

    Augsburg setzt schon immer auf junge und entwicklungsfähige Spieler, die dann gewinnbringend weiterverkauft werden können. Aktuell bestes Beispiel ist Innenverteidiger Reece Oxford. Der Engländer hat seinen Vertrag zwar gerade erst verlängert, könnte aber schon bald der nächste Augsburger Millionenverkauf werden.

    Diese Strategie unterstützt Klaus Hofmann, seit acht Jahren Präsident und Strippenzieher beim FCA. Er wünscht sich möglichst viele Eigengewächse in der Profimannschaft. Seine Gesellschaft, die "Klaus Hofmann Inverstoren GmbH" hält fast 100-Prozent der Aktien an der "Fußball-Club Augsburg 1907 GmbH & Co. KGaA" - Augsburgs ausgegliederter Profiabteilung.

    Hofmann unterstützt den Klub nicht nur finanziell, er stieß im Frühjahr 2021 auch die Tür zum US-Markt für die Schwaben auf. Durch seine Freundschaft zu US-Investor und Milliardär David Blitzer konnte er diesen für Investitionen bei Augsburg gewinnen. Das Ziel: unter anderem den nordamerikanischen Markt für die Schwaben zu öffnen.

    US-Investor steigt bei Augsburg ein

    Blitzer, dem das Unternehmen "Bolt Football Holdings" gehört, besitzt bereits Anteile am Basketballteam der Philadelphia 76ers in der NBA, dem NHL-Eishockeyteam New Jersey Devils und dem englischen Premier-League-Klub Crystal Palace.

    2021 übernahm der Milliardär für 5,5 Millionen Euro 45 Prozent der Anteile an der "Hofmann Investoren GmbH". Von den fast 100-Prozent Augsburg-Aktien der "Hofmann Investoren GmbH" übernahm Blitzer 45 Prozent. Möglich war dies, weil zuvor drei Gesellschafter ihre Anteile verkauften. Darunter auch Marcus Höfl, der Ehemann von Ex-Ski-Star Maria Höfl-Riesch.

    Auf der Vereinshomepage begründet Hofmann den Einstieg des US-Amerikaners so: "David Blitzer hat große Erfahrungen im Sport als Minderheitsgesellschafter und eine enorme Sportbegeisterung. Beim FCA beteiligt er sich aus seinem Privatvermögen, wie auch bei seinen anderen Sportaktivitäten."

    50+1-Regel wird nicht missachtet

    Umgeht der FCA die 50+1-Regel, die verhindern soll, dass Investoren die Mehrheit des Vereins besitzen? Nein, denn "alles andere bleibt, wie es ist", erklärt Hofmann. "Ich bleibe der alleinvertretungsberechtigte und einzige Geschäftsführer der Hofmann Investoren GmbH und es gibt nach wie vor die 50+1-Regel, die wir einhalten."

    Das stimmt. Denn das Investoren-Konstrukt beim FCA ist clever, aber vor allem rechtens. Die Mitglieder wählen den Aufsichtsrat, der entscheidet, wer Vereinspräsident ist und die Geschäftsführer wählt. Hofmann besetzt eine Dreifach-Position als Präsident, Anteilseigner und Geschäftsführer. Das ist rechtlich in Ordnung.

    Ziel: Talente für Augsburg begeistern

    Das Ziel, Augsburg für Toptalente aus Nordamerika attraktiv zu machen, ist im Fall des Pepi-Transfers geglückt. Der 18-jährige Teenager, an dem neben Real Madrid wohl auch der FC Bayern interessiert gewesen sein soll, hat sich für die Schwaben entschieden. Blitzer scheint den Nationalspieler, der in sieben Spielen drei Tore für die USA schoss, überzeugt zu haben, wenngleich er "operativ mit dem Transfer gar nichts" zu tun hat, wie Geschäftsführer Stefan Reuter sagt. "Wir haben aber natürlich den Beratern und auch dem Spieler gesagt, dass ein amerikanischer Gesellschafter bei uns eingestiegen ist. Das gibt ihnen sicher auch ein gutes Gefühl und sorgt für Vertrauen."

    Überzeugt hat Pepi wohl auch eine mögliche Stammplatz-Garantie. Der US-Stürmer scheint auch in Hinblick auf die im Sommer auslaufenden Verträge, besonders aber wegen der Verletzungsanfälligkeit von Alfred Finnbogason und Florian Niederlechner beste Chancen auf einen Stammplatz zu haben. Auch die Stürmer Andi Zeqiri (ausgeliehen) und Michael Gregoritsch könnten den Klub zur neuen Saison verlassen. Verstärken hätten sich die Augsburger ohnehin gemusst. Die schwache Offensive hätte den Abstiegskampf weiter erschwert.

    Pepi der neue Davies?

    Im Idealfall schlägt Pepi so ein wie Alphonso Davies. Der Bayern-Spieler wechselte ebenfalls aus der Major League Soccer im Winter 2019 in die Bundesliga. Nach einem halben Jahr überzeugte der Kanadier.

    Ob die Bayern womöglich auch am Transfer des Sturmjuwels Pepi beteiligt sind, ist unklar. Klar ist aber, Pepis Ex-Klub FC Dallas ist Kooperationspartner des FC Bayern – die Verbindungen der Münchener nach Nordamerika folglich bestens. Eine Art "Vorkaufsrecht" auf Ricardo Pepi ist zwar nicht bekannt, wäre aber denkbar. Eine ähnliche Abwicklung soll es bereits beim Transfer von Serge Gnabry gegeben haben als dieser 2016 von Arsenal zu Werder Bremen wechselte und später dann beim FC Bayern landete.

    Sendung

    Blickpunkt Sport

    Schlagwörter