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München: drei Vereine, ein Stadion und ein gordischer Knoten | BR24

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TSV 1860, FC Bayern II und Türkgücü München - drei Vereine, ein Stadion, wie lange noch? Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny unterstreicht im BR-Interview, dass sich der Klub langfristig in München sieht.

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München: drei Vereine, ein Stadion und ein gordischer Knoten

TSV 1860 München, FC Bayern II und Türkgücü: Diese drei Vereine sind derzeit im Münchner Stadion an der Grünwalder Straße zu Hause. Sollte Türkgücü in die 3. Liga aufsteigen, muss mindestens ein Klub eine neue Heimat suchen. Aber wo?

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Was aus sportlicher Sicht eigentlich erfreulich klingt, birgt für die Stadionproblematik gehörigen Zündstoff. Sollte Türkgücu München aus der Regionalliga in die 3. Liga aufsteigen, wäre das Grünwalder Stadion endgültig überbucht.

DFB: "Mehr als zwei Drittligisten in einem Stadion kaum realisierbar"

"Mehr als zwei Drittligisten in einem Stadion sind kaum realisierbar, es macht auch für die betreffenden Vereine keinen Sinn", sagt Heike Ullrich, Direktorin Vereine, Verbände und Ligen beim Deutschen Fußball-Bund (DFB) in aller Deutlichkeit in einer Verbandsmitteilung.

Der Terminplan gibt es einfach nicht her, dass in schöner Regelmäßigkeit zwei Drittligisten an einem Wochenende das Stadion teilen. Unzählige Freitags- und Montagsspiele wären vorprogrammiert. "Wir müssen als Liga-Träger - auch im Sinne der Fans und unserer Partner - klar strukturierte Abläufe und einen reibungslosen Spielbetrieb innerhalb der Liga gewährleisten", so Ullrich weiter.

Ausweichpläne von 1860 und Türkgücü bisher ohne Erfolg

Verschärft wird die Situation in München durch die Pläne, das Städtische Stadion ab 2021 auszubauen und sogar zweitligatauglich zu gestalten. Spätestens dann bräuchten der TSV 1860 München und Türkgücü München eine Alternative. Der FC Bayern II könnte ohne größere Probleme in die Allianz Arena ausweichen - obwohl eine Drittligapartie mit wenigen Hundert Zuschauern in einer 75.000-Personen-Arena durchaus kurios wäre. Die bisherigen Stadion- und Ausweichpläne des TSV 1860 und von Türkgücü München waren bisher jedoch weitgehend ergebnislos.

Türkgücü will in den Westen, aber nicht nach Unterhaching

Türkgücü-Präsident Hasan Kivran sorgte mit einem Interview in der "Süddeutschen" für Aufsehen, in dem er für den Umbaufall ab 2021 einen möglichen Umzug in den Westen Deutschlands ins Gespräch brachte. Die Abfuhr vom DFB kam prompt. Die "räumliche Nähe" müsse gegeben sein bei einem Stadionwechsel, deshalb sei "ein solcher Umzug von Türkgücü München zum Beispiel nach Nordrhein-Westfalen (ist) nicht möglich", sagte Ullrich.

Türkgücü-Geschäftsführer Max Kothny betonte in einem Exklusiv-Interview mit dem Bayerischen Rundfunk ohnehin, dass es nur Ausweichpläne für den Umbau des Grünwalder Stadions wären. Ansonsten sieht der Klub seine Zukunft in München - und nur in München. "Wir sind nicht Türkgücü Unterhaching, wir sind Türkgücü München", sagte Kothny im Interview und unterstrich, dass der Klub Großes vorhat: "Unser Ziel ist es, unseren Weg zu gehen - der ist nicht in der Regionalliga zu Ende." Türkgücü will bei der Stadionfrage in München als dritte Kraft neben dem TSV 1860 und dem FC Bayern II ein Wörtchen mitreden.

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Max Kothny, Geschäftsführer bei Türkgücü München, stellt im Interview mit BR24 Sport klar, dass er den Klub auch langfristig in München sieht. Ein Ortswechsel für Heimspiele wäre nur bei Stadion-Engpässen ein Thema.

Der TSV 1860 München und die Absagen

Der TSV 1860 München hat sich angesichts des möglichen "Grünwalder"-Umbaus schon einmal bei anderen bayerischen Klubs umgehört - und sich Absagen aus Unterhaching, Augsburg, Ingolstadt und Regensburg eingehandelt.

Der scheidende Geschäftsführer Michael Scharold gibt sich trotzdem noch optimistisch: "Ich kann nur sagen, dass ich sehr, sehr guter Dinge bin, dass wenn wir aufsteigen, eine geeignete Spielstätte für 1860 haben werden". Wie die aussieht, wollte er aus Gründen "der Vertraulichkeit" aber nicht sagen. Vom FC Bayern München gibt es noch keine offizielle Stellungnahme zur Stadionsituation in der 3. Liga.

Treffen mit der Stadt: bisher ohne Ergebnis

Eine schnelle Lösung scheint nicht in Sicht. Ein Treffen der drei Vereine mit Vertretern der Stadt München blieb nach BR-Informationen ohne Ergebnis. Auch der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter wollte sich auf BR-Anfrage nicht äußern. Es gäbe keinen neuen Stand aus städtischer Sicht. Immerhin würde derzeit ein Treffen mit allen Vereinen und dem Bayerischen Fußballverband (BFV) beim Oberbürgermeister vorbereitet.

Lizenzierungstermin am 2. März

Die Zeit drängt: Bis zum 2. März müssen alle Vereine ihre ersten Unterlagen im Lizenzierungsprozess für die kommende Saison einreichen. Erst am 15. März ist allerdings Kommunalwahl in München. Gut möglich, dass die Stadtvertreter erst danach eine Entscheidung treffen.

Bis dahin bleibt der Appell von DFB-Direktorin Ullrich nur ein Appell: "Es ist im Sinne aller Beteiligten, in München gemeinsam eine vernünftige und gangbare Lösung zu finden." Die Stadionfrage in der Landeshauptstadt entwickelt sich zum gordischen Knoten.