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Müller-Wohlfahrt und der "schwarze Fleck" Pep Guardiola | BR24

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Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt hört nach über 40 beim FC Bayern auf. Der langjährige Mannschaftsarzt der Fußball-Nationalmannschaft im Interview mit BR24-Sportreporter Christoph Nahr.

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Müller-Wohlfahrt und der "schwarze Fleck" Pep Guardiola

Die Ära Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt ist nach über 40 Jahren als Vereinsarzt beim FC Bayern München zu Ende. Der Mediziner im Exklusivinterview mit BR24 Sport über Höhen, Tiefen und die heiklen Phasen unter Klinsmann und Guardiola.

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"Es ist eine Vernunftentscheidung", sagt Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt, der Ende Juni nach 40 Jahren seine Tätigkeit als Mannschaftsarzt beim FC Bayern München beendet hat.

An Ruhestand denkt der 77-Jährige noch lange nicht. Im Gegenteil: Müller-Wohlfahrt will sein Diagnostik-Wissen in Computern konservieren. Kann eines Tages vielleicht eine künstliche Intelligenz genauso effizient Muskelverletzungen feststellen, wie der langjährige "Bayern-Doc" mit seinen Händen?

Müller-Wohlfahrt hat also noch große Pläne, und "die würden kollidieren, da brauche ich Zeit, da brauche ich meine Gedanken, meine volle Konzentration." Und deshalb sei der Tag gekommen, beim FC Bayern aufzuhören.

Anfang bei Bayern zu Zeiten von Neudecker und Cramer

Im Exklusivinterview mit BR24 Sport blickte Müller-Wohlfahrt zufrieden auf seine Zeit beim deutschen Rekordmeister zurück. Als er angefangen hat, hieß der Präsident Wilhelm Neudecker, der Trainer Dettmar Cramer. Seiner Frau habe er versprochen, "das mach ich mal drei, vier Jahre." Vierzig waren es dann mit Unterbrechungen.

Auch, weil Müller-Wohlfahrt mit einem Trainer gar nicht harmonierte. Unter Pep Guardiola schmiss der Mediziner hin. Einen "schwarzen Fleck" nennt der Arzt diese Phase zwischen 2015 und 2017 heute.

"Es war so, dass ich mir das nicht gefallen lassen konnte, dass ein junger Trainer - der sehr erfolgreich war und der wahrscheinlich einer der ganz, ganz Großen ist - sich in die medizinischen Belange eingemischt hat und alles besser wusste als ich", sagt Müller-Wohlfahrt. Auch mit Trainer Jürgen Klinsmann hatte es 2008 Differenzen gegeben.

Kein Groll gegen Guardiola

Das Ergebnis ist bekannt. Müller-Wohlfahrt quittierte jeweils den Dienst, nach den Trainern Klinsmann und Guardiola holte ihn der FC Bayern zurück. Heute blickt der Mediziner fast schon entspannt auf diese Zeit zurück, speziell auf die Ära Guardiola: "Wir haben uns getroffen und haben uns ausgesprochen. Und dann ist es aber auch vorbei ... Wir schätzen uns und er wertschätzt meine Arbeit über alles. Das hat der nie in Frage gestellt."

Die Ära Guardiola unterstreicht sehr deutlich, welchen Stellenwert die Arbeit von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt beim FC Bayern München - und in der deutschen Nationalmannschaft - hatte. Vertrauten ihm die Trainer in medizinischen Dingen bedingungslos, brachte er die Spieler punktgenau auf den Platz zurück.

Müller-Wohlfahrt, Löw und Schweinsteiger bei der WM 2014

Vor dem WM in Brasilien 2014 habe er "die alleinige Verantwortung übernommen" bei Bastian Schweinsteiger. Der Bayernspieler plagte sich lange mit einer Entzündung der Patellasehne, Bundestrainer Joachim Löw nahm ihn trotzdem mit zur WM, auch wegen der Diagnose von Müller-Wohlfahrt.

"Ich habe dem Jogi gesagt: Der Basti wird in den ersten Spielen nicht spielen, aber ab Mitte des Turniers kannst du dann auf ihn zurückgreifen. Und so kam es, und dann wurde er zum wichtigsten Spieler überhaupt", erinnert sich Müller-Wohlfahrt.

Auch der aktuelle FC-Bayern-Coach Hansi Flick schätzte die Expertise von Hans-Wilhelm Müller-Wohlfahrt über alles. Flick war Co-Trainer bei der WM 2014, in der vergangenen Saison führte er die Münchner zum Meistertitel.

"Ich empfinde eine große Dankbarkeit. Er ist für mich der beste Arzt, den ich je kennengelernt habe", lobte Flick vor dem Spitzenspiel gegen Borussia Dortmund am 31. Spieltag. Da hatte der Verein gerade bekannt gegeben, dass Müller-Wohlfahrt Ende Juni aufhört.