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Mit Abstand und Anstand - Freibäder in Bayern wieder offen | BR24

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Freibäder in Bayern wieder offen.

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Mit Abstand und Anstand - Freibäder in Bayern wieder offen

In Bayern sind die Freibäder wieder offen. Bei den Schwimmern war die Vorfreude trotz Corona-Auflagen immens. Auch Fitnessmagazin-Reporterin Petra Martin hat gleich am ersten Öffnungstag die ersten Bahnen gezogen.

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Am Eingang des Freibads Germering muss man sich die Hände desinfizieren, dann hinterlässt man seine Kontaktdaten. Zum Glück ist am ersten Öffnungstag kaum etwas los. Das liegt an den dicken grauen Wolken und den doch eher frischen 13 Grad Lufttemperatur. Doch richtige Schwimmfans schreckt das nicht ab und die Badbetreiber können ihr Konzept in Ruhe testen. Denn die Corona-Abstandsregeln, das Hinterlegen der Kontaktdaten und die begrenzte Besucherzahl sind eine Herausforderung.

1.000 Besucher dürfen in Germering gleichzeitig ins Bad

In Germering gibt’s kein Online-Buchungssystem. Es geht nach dem Prinzip: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. Security-Männer am Ein- und Ausgang behalten den Überblick. "So haben wir ein routierendes System“, erklärt Edeltraud Felser. Sie ist die Assistentin der Geschäftsleitung und findet diese Lösung fairer: "Es können inklusive Kinder 1.000 Menschen gleichzeitig im Bad sein. Aber die meisten Schwimmer gehen ja nach einer Stunde – und dann kann der nächste rein.“ 1.000 Menschen, das klingt nach viel. Doch das Gelände in Germering ist groß. Auf den Liegewiesen wird es keine Markierungen geben, die Betreiber setzen auf die Eigenverantwortung der Besucher. In normalen Zeiten sind an heißen Sommertagen 3.000 Besucher im Bad. Die Kinder unter sechs Jahren sind da noch nicht mitgezählt, weil sie keinen Eintritt zahlen. Das wird heuer nicht gehen, doch das ist auch vielen klar.

Mehr Leinen als sonst

Die Duschen und Umkleiden im Innenbereich sind geschlossen. Draußen gibt’s Umkleiden und Schränkchen, hier weisen Schilder auf das Abstandsgebot hin, ebenso bei den Toiletten. Eine Maske muss im Innenbereich getragen werden. Dann geht’s auf zum großen 50-Meter-Sportschwimm-Becken. Es liegt türkis-leuchtend vor mir, sieht fast aus wie immer. Außer, dass mehr Leinen als normal gespannt sind. Das ist Teil des Corona-Konzepts, erklärt Edeltraud Felser: "Wir haben zusätzlich zu den Sportschwimmbahnen auch breite Bahnen für die anderen Schwimmer abgetrennt. Auch sie müssen jetzt im Kreis schwimmen.“

Langsam wieder anfangen

Eine Umstellung also eher für diejenigen, die weniger sportlich unterwegs sind. Aber momentan sind hier nur eine Handvoll Männer und Frauen und auch auf den Sportbahnen sind gerade nur zwei Personen. Es geht geordnet zu. Das freut Schwimmmeister Holger Rößinger. Er ist auch Schwimmtrainer und hat ein paar Tipps für den Start nach der dreimonatigen Wasser-Pause: "Wenn man wieder einsteigen will, sollte man mit kurzen Strecken anfangen und auf seine Technik achten. Und dann langsam steigern, um Kondition aufzubauen.“

Ich zupfe meine Badekappe zurecht und setze die Schwimmbrille auf. Dabei stelle ich mir vor, wie es wohl sein wird, im Wasser. Nach einem Vierteljahr Pause. Dann lasse ich mich reingleiten und spüre, wie das Wasser meinen Körper umschließt. Ich stoße mich ab, die ersten Schwimmzüge fühlen sich gut an. Aber ich merke auch, wie lang so eine 50-Meter-Bahn ist. Erst nach ein paar Bahnen ist es wieder "normal“. Es ist schön, endlich wieder zu schwimmen.

Wasserlage nach der langen Pause ungewohnt

Aber es fühlt sich anders an, mir wird sogar etwas schwindelig. Auch für andere Schwimmer war die Wasserlage zum Teil ungewohnt, sie feilen jetzt an ihrer Technik – und merken die Anstrengung in den Armen. Harte Sprints oder Krafttraining mit Paddels – das ist für den Anfang noch nichts. Wie Schwimmtrainer Holger Rößinger sagte: "Langsam anfangen, nicht vor Vorfreude übertreiben.“

Ich schwimme weiter. Wechsle zwischen Kraul, Brust und Rücken. Ich merke die Anstrengung, vor allem in den Armen. Und noch etwas bemerke ich – im Gesicht: ich grinse! Und da war ich nicht die Einzige: Alle, die ich getroffen habe, waren sich einig: "Ich fühle mich pudelwohl. Es war schön, mal wieder Bahnen zu ziehen. Ein befreiendes Gefühl nach drei Monaten Pause. Ich hab mich den ganzen Morgen gefreut.“ – Und das waren nur ein paar der glücklichen Schwimmer am ersten Freibad-Tag in Bayern.

© Petra Martin

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