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Michael Köllner: "Der Kontakt zum Nachwuchs ist das Wichtigste" | BR24

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Löwen-Trainer Michael Köllner und Unterhaching-Coach Claus Schromm sprachen nach dem Derby in Blickpunkt Sport über die Bedeutung von Jugendarbeit in ihren Vereinen und das finanzielle Dilemma der dritten Liga.

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Michael Köllner: "Der Kontakt zum Nachwuchs ist das Wichtigste"

Löwen-Trainer Michael Köllner und Unterhaching-Coach Claus Schromm sprachen nach dem Derby in Blickpunkt Sport über die Bedeutung von Jugendarbeit in ihren Vereinen und das finanzielle Dilemma der dritten Liga.

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Das Derby am ersten Advent war schon das zweite Aufeinandertreffen in dieser Saison. In den Augen von Unterhachings Trainer Claus Schromm war der 3:2-Sieg für die Löwen absolut verdient. Michael Köllner verfolgte die erste Begegnung der beiden Münchener Kontrahenten im Oktober noch am Bildschirm. Jetzt, nicht einmal zwei Monate später, ist der 49-jährige Cheftrainer des TSV 1860 München. Bisher hat sich laut Köllner, der das Traineramt Anfang November übernommen hat, leider kein Kontakt zu Ex-Coach Daniel Bierofka ergeben. Die erste Zeit bei den Löwen sei stressig und zeitintensiv gewesen, er habe ja schließlich auch ein schweres Erbe angetreten.

Jugendarbeit - das Maß aller Dinge?

Unterhaching und der TSV 1860 sind für ihre gute Jugendarbeit bekannt. Namen wie Lars und Sven Bender, Kevin Volland oder Julian Weigl sind nur einige der zahlreichen Talente, die die Löwen als Ausbildungsverein hervorgebracht hat. Köllner teilt diese Herangehensweise, er sieht in der Ausbildung junger Spieler einen besonderen Anreiz. Er finde es keinesfalls frustrierend, wenn junge Talente ihren eigenen Weg gingen. Im Gegenteil, er freue sich, Teil der Entwicklung sein zu dürfen und ein Stück des Erfolgs für sich verbuchen zu können. In der Vergangenheit war die Jugendarbeit auch immer das Aushängeschild der Löwen. Momentan sieht die Realität allerdings so aus, dass der Nachwuchs eher Defizite aufweist.

In Unterhaching ist die Lage anders: Karim Adeyemi wurde kürzlich mit der Fritz-Walter-Medaille als bester U17-Fußballer Deutschlands ausgezeichnet. Allerdings wurde der vielversprechende Stürmer nun für mehr als drei Millionen Euro nach Salzburg verkauft. Es tue durchaus weh, so ein Juwel abgeben zu müssen, der Vorstand sei allerdings jetzt schon darauf bedacht, Kontakt zu dem 17-Jährigen zu halten, lobte Schromm die Arbeit seines Vereins.

Auch Köllner achtet sehr auf den Nachwuchs. Regelmäßige Besuche bei Spielen der Jugendmannschaften sind bei ihm an der Tagesordnung. Ein guter Überblick über den Profikader, aber auch über den Nachwuchsbereich, sei im Hinblick auf die Zukunftsplanung unerlässlich. Um junge Talente langfristig zu motivieren und an den Verein zu binden, empfiehlt er, Wege aufzuzeigen und Chancen zu vermitteln.

Die dritte Liga ist momentan zu stark. Claus Schromm

Junge Spieler denken wieder längerfristiger

Früher sei es oft vorgekommen, dass Spieler nur bei Vereinen wie dem TSV 1860 München oder der Spielvereinigung Unterhaching vorstellig geworden waren, wenn sie beim FC Bayern keine Chance bekommen hatten. Schromm kann dies aktuell nicht bestätigen. Zum einen würden sich die Spieler wieder häufiger bewusst und freiwillig für einen Drittligaverein entscheiden, statt erst zuzusagen, wenn sie von höherklassigen Klubs abgelehnt worden waren. Andererseits blieben mittlerweile wieder mehr Spieler aus der eigenen Jugend langfristig beim Verein.

Aber auch das Thema Geld ist ein ständiger Begleiter im Fußball. Gerade in der dritten Liga, auch "Todesliga“ genannt, sei dieses Problem markant, da finanzielle Mittel fehlen, um auch jungen Spielern Spielpraxis zu ermöglichen. Darin sieht Schromm die Hauptaufgabe der dritten Liga. Folgt man dieser These, hätten ältere Spieler wie Sascha Mölders oder Dominik Stahl in dieser Spielklasse nichts zu suchen. Dennoch greifen die Vereine auf diese Spieler zurück, da sie langfristig aus der Liga raus wollen, um die finanzielle Situation zu verbessern. Auch der DFB-Fördertopf von knapp drei Millionen Euro werde da nicht zu einem Umdenken führen, so die Prognose von Schromm.