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Bildrechte: Eric Evans/dpa

Die deutsche Basketballerin Satou Sabally bei einem Spiel, Anfang 2020 im US-amerikanischen Eugene.

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    Medien-Startup will Sportlerinnen sichtbarer machen

    Sport in den Medien – das ist vor allem Männersport, und da wiederum dominiert König Fußball. Die weitgehende Unsichtbarkeit von Frauen im Sport will das Medien-Startup sportfrauen.net ändern.

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    Von
    • Günter Herkel
    • Sissi Pitzer

    Studien zeigen: 88 Prozent der Sportberichterstattung dreht sich um männliche Sportleistungen. Das entspricht etwa dem Männeranteil in Sportredaktionen und ist auch ein Spiegelbild mangelnder Diversität in den Redaktionen. Um dem gegenzusteuern, hat die gelernte Redakteurin Nina Probst vor rund zwei Jahren ein eigenes Webportal gegründet.

    Probst: Leistungen von Frauen zu wenig gewürdigt

    Dabei gibt es in Deutschland jede Menge tolle Sportlerinnen. Im Biathlon, in der Leichtathletik, in vielen anderen Disziplinen. Ihre Leistungen würden jedoch viel zu wenig gewürdigt, findet Mitgründerin Probst: "Ich habe angefangen, auf einer Facebook-Seite Artikel zu posten, die ich einfach im Netz gefunden habe, habe versucht, da alles zu bündeln, was es zum Thema Frauensport in Deutschland gibt. Musste dann aber auch feststellen: Da wird gar nicht zu allen Ereignissen, die wichtig wären, tatsächlich auch berichtet".

    Auch Corona-Auswirkungen werden thematisiert

    Das war die Geburtsstunde von Sportfrauen.net. Ein Portal, auf dem Berichte, Kommentare und Debatten zum Frauensport und sportpolitischen Fragen aus weiblicher Perspektive publiziert werden. So gab es beispielsweise Berichte zum Rückrundenstart der Frauen-Fußball-Bundesliga oder zum Wechsel von Weitsprungweltmeisterin Malaika Mihambo zu Erfolgstrainer und US-Legende Carl Lewis.

    Eine Rubrik Corona-Spezial informiert seit Monaten über aktuelle Auswirkungen des Virus im Frauensport. Auch Angebote Dritter wie etwa die Podcasts von "Team Lisa" sind erwünscht.

    Business-Modell gesucht

    Noch handelt es sich um ein zeitaufwendiges Hobby, bei gleichzeitigem Vollzeitjob. Ein valides Business-Modell ist noch nicht in Sicht. Mitgründerin Laura Stahl, zuständig für Marketing, plant bestimmte Inhalte künftig gegen einen Mitgliedsbeitrag zur Verfügung zu stellen und sucht Partnerschaften und SponsorInnen, die sich auch für Geschlechtergerechtigkeit einsetzen.

    Doch als die Sportfrauen in diesem Frühjahr ernsthaft mit der Akquise beginnen wollten, erwischte sie der Ausbruch der Pandemie auf dem falschen Fuß. Kleine Werbeerlöse erzielt man mit "affiliatem Marketing", bei dem als Anzeigen markierte Artikel mit einzelnen Firmen verlinkt werden.

    Seit kurzem existiert ein Account bei Steady als Angebot an Menschen, die die Plattform mit einem Monatsbeitrag oder Jahresabo unterstützen wollen. "Das wird jetzt nicht ausreichen, dass wir uns selbst etwas bezahlen, aber dadurch können wir mal eine Vor-Ort-Recherche bezahlen, sofern es denn Corona wieder möglich macht, oder Werbung und Marketing-Maßnahmen finanzieren, um die Bekanntheit noch weiter zu steigern", erklärt Probst. Die Community auf Facebook und Instagram wächst, die Website kommt auf 10.000 Klicks im Monat.

    Gegen Sexismus im Sport

    Das Webportal Sportfrauen.net verfolgt auch den Anspruch, Geschlechtergerechtigkeit und Sexismus im Sport zu thematisieren. Oft sind es männlich dominierte Verbände, die das Regelwerk sexualisieren, etwa durch Vorschreiben kürzerer Shorts sowie bauchfreier Tops bei Leichtathletinnen oder Beachvolleyballerinnen.

    Viele Medien befeuerten solche Tendenzen, kritisiert Stahl, denn auch im Sport gelte oft der Grundsatz: "Sex sells" – abzulesen an Auflagen, Quoten und Klicks. "Da wünschen wir uns Änderungen, da wünschen wir uns einen Wandel", sagt sie. "Wir Sportfrauen möchten die Leistungen der Sportlerinnen ganz klar in den Vordergrund stellen."

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