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Markus Weinzierl kehrt zum FC Augsburg zurück

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    Markus Weinzierl: Zurück in Augsburg auf der richtigen Seite?

    Markus Weinzierl bekommt beim FC Augsburg seine zweite Chance. Die Erinnerungen an die erfolgreichste Zeit der Klubgeschichte sind da, ein Neuanfang aber mit Risiko verbunden. Die erste Aufgabe heißt ausgerechnet: Stuttgart.

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    Von
    • Julian Ignatowitsch

    Vor gut fünfeinhalb Jahren saß Trainer Markus Weinzierl im Pressraum des FC Augsburg und sprach darüber, wie er seine Mannschaft motivieren will: "Positiv und frisch sein", sagte er: "Ich bin geübt im Aufrichten." Augsburg hatte in der Europa League gerade unglücklich mit 2:3 gegen Athletic Bilbao verloren. Auf dem Platz standen Identifikationsfiguren wie Paul Verhaegh, Daniel Baier oder Raul Bobadilla, daneben zog Markus Weinzierl die Strippen in einem gut funktionierenden System. Es war die erfolgreichste Zeit der Vereinsgeschichte.

    Erinnerungen an die Erfolgs-Saison

    Nach den Erfolgs-Jahren mit Europapokal-Teilnahme, die unter dem Hashtag "keine Sau" in die Klub-Annalen einging, wechselte der Niederbayer Weinzierl mit großen Hoffnungen nach Schalke - und erreichte weder dort noch beim Kurz-Engagement in Stuttgart die Erfolge aus der Augsburger Zeit.

    Der Verein etablierte sich zwar weiter in der Bundesliga, wo er mittlerweile schon im zehnten Jahr spielt, kam sportlich und auch atmosphärisch aber nicht mehr an diese einzigartige Zeit heran. Platz 12 in der Saison 17/18 blieb das beste Ergebnis. Auch wenn der Kader sich von Jahr zu Jahr verbesserte, stagnierte die sportliche Leistung - insbesondere zuletzt unter den Trainern Martin Schmidt und Heiko Herrlich.

    Augsburg vor Abstieg bewahren

    Jetzt nach der Entlassung von Herrlich ist Weinzierl zurück und er wird all seine Motivationsfähigkeiten brauchen, um die angeschlagene Augsburger Mannschaft vor dem Abstieg zu bewahren. Der erste Gegner heißt ausgerechnet: Stuttgart.

    Zuletzt gab es für die Schwaben nur einen Punkt aus den Abstiegs-Spielen gegen Schalke, Bielefeld, Frankfurt und Köln. Die Augsburger wirkten auf dem Platz harm- und einfallslos, noch dazu spielschwach und, am schlimmsten, ohne die Leidenschaft, die den FCA lange in der Bundesliga auszeichnete. Da passt Weinzierls Satz ganz gut: "Ich bin geübt im Aufrichten."

    Weinzierls Rückkehr mit Fragezeichen

    Die Rückkehr des alten Erfolgstrainer ist aber durchaus ein riskantes Unterfangen. Denn bei Weinzierls Abgang 2016 hatte es Unstimmigkeiten mit Manager Stefan Reuter und anderen Vereinsverantwortlichen gegeben. Aus dem Umfeld hieß es, Weinzierl habe "verbrannte Erde" in Augsburg hinterlassen.

    Auch wenn diese Dinge jetzt ausgeräumt sein sollten, so sind sie nicht wettzumachen. Ein Neuanfang ist natürlich möglich, aber die alten Zeiten sind vorbei. Weinzierl übernimmt keinen Außenseiter, sondern ein gestandenes Bundesligateam, das mittlerweile sogar von einem US-Investor unterstützt wird.

    Für welche Art Fußball steht Weinzierl?

    Dazu hat der 46-jährige Trainer aus Straubing bei seinen beiden Bundesliga-Engagements auf Schalke und in Stuttgart an Renommee eingebüßt. Weinzierl konnte weder sein Spielsystem aus Augsburger Zeiten weiterentwickeln noch seine Handschrift an anderer Wirkungsstätte etablieren. So bleibt auch die Frage: Für welche Art von Fußball steht der Trainer Weinzierl überhaupt?

    In den beiden Erfolgs-Saisons pressten die Augsburger meist hoch und spielten schnell vertikal sowie mit langen Diagonalbällen auf die Flanken. Mit André Hahn und Jeffrey Gouweleeuw sind überhaupt nur noch zwei der damaligen Erfolgsträger im Team. Ob Weinzierl mit dem aktuellen Kader seine Philosophie verwirklichen kann, ist zumindest fraglich.

    Endspiel gegen den FC Bayern vermeiden

    Fürs Erste zählt aber nur: der Klassenerhalt. Gegen Stuttgart und Bremen sind die Augsburger in der Pflicht, denn am letzten Spieltag wartet der FC Bayern - und selbst wenn die dann schon Meister sind, möchte man gegen den Rekordmeister besser kein alles entscheidendes Endspiel haben. Weinzierl hat dank der Pokal-Pause immerhin fast zwei Wochen Vorbereitungszeit sein Team aufzubauen.

    Dann geht es ausgerechnet gegen den VfB, für den Weinzierl sein bis dato letztes Bundesliga-Spiel bestritt. Es war ebenfalls ein erinnerungsträchtiges: Bei seiner Rückkehr nach Augsburg verlor er damals 0:6. Er hätte wohl nichts dagegen, wenn fast genau zwei Jahre später ein ähnliches Ergebnis steht - und er diesmal auf der richtigen Seite.