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Lungenarzt rät von Hüttenübernachtung ab | BR24

© Nicolas Armer/dpa

Ab 30. Mai darf auf Berghütten in Bayern wieder übernachtet werden.

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Lungenarzt rät von Hüttenübernachtung ab

Ab Pfingstsamstag darf auf Berghütten wieder übernachtet werden. Kritisch, findet Rainald Fischer, Expeditionsmediziner und Lungenspezialist. Er rechnet mit einer hohen Viruskonzentration im Matratzenlager.

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Die Corona-Krise hat auch die Berghütten des DAV ordentlich gebeutelt - Einkehren und Übernachten war lange nicht möglich. Nun hat der DAV bekanntgegeben, wie es weitergeht: Ab Montag dürfen die Außenbereiche der Berghütten geöffnet werden, eine Woche später dann, ab 25. Mai, die Innenbereiche der Hütten. Ab dem 30. Mai sind auch Übernachtungen wieder erlaubt.

Hüttenöffnungen – das sagt der Bergmediziner

Prof. Dr. med. Rainald Fischer aus München ist Präsident der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin, Internist und Pneumologe, Bergwachtarzt und selbst ein begeisterter Skitourengeher, Wanderer und Bergsteiger. Als Fachmann kann er die Lockerungen des DAV in puncto Hütten adäquat beurteilen. Die Öffnung der Außenbereiche auf den Berghütten sieht er sehr positiv, denn im Freien ist die Gefahr einer Infektion gering, da sich aufgrund der steten Verwirbelung mit frischer Luft wohl kaum stehende Aerosole bilden, an denen das Virus haftet. Einer gemütlichen Einkehr auf der Hüttenterrasse oder einer Brotzeit "to go" steht also nichts mehr im Wege.

Hygienevorschriften wie im Tal

Für Gasträume in den Hütten gelten in Bayern ab 25. Mai die gleichen Hygienemaßnahmen wie auch für die Gastronomie im Tal. Allerdings, so resümiert der Bergmediziner und Lungenspezialist, besteht hier eine gewisse Infektionsgefahr. Es gilt, mit dem Restrisiko umgehen und leben zu lernen – und genau das können gerade Bergsteiger im Prinzip sehr gut. Reduzierte Sitzkapazitäten und auch längere Wartezeiten werden jedenfalls zur neuen Hüttennormalität gehören.

Risiko Matratzenlager

Ab Pfingstsamstag darf man auf den DAV-Hütten in Bayern wieder übernachten. Während die Übernachtung in einem Zweibettzimmer oder zum Beispiel für Familien in einem Vier- oder Sechsbettzimmer kein Problem ist, beurteilt Fischer die Übernachtung im Lager kritisch - schon allein wegen der viel längeren Expositionsdauer als beim Essen in der Hütte. Laut Statistik stecken sich bis zu 25 Prozent der Umgebungspersonen eines Infizierten an. Auch wenn in einem Schlaflager für beispielsweise 20 Personen nur noch 10 Personen einquartiert werden: Im Falle eines Infizierten würde sich eine höhere Viruskonzentration nicht vermeiden lassen. "Mag sein, dass sich vielleicht ein, zwei, drei anstecken. Auch wenn man versucht, so gut zu lüften wie es geht", sagt Fischer.

© Rainald Fischer

Rainald Fischer, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin

Experte rät: Besser draußen schlafen

Zelten vor oder in der Nähe der Hütte wäre da vielleicht eine gute Alternative, sofern die Zeltplätze in entsprechenden Abstand eingerichtet werden. Das kostet allerdings nicht nur mehr Platz, sondern auch mehr Naturressourcen und ist in Naturschutzgebiete zudem strikt verboten. Daher rät der Präsident der deutschen Gesellschaft für Berg- und Expeditionsmedizin gerade auch bergaffinen Risikogruppen das, was er künftig selbst machen wird: Tagestouren mit Übernachtungen nicht auf Hütten, sondern in einem guten Hotel im Tal oder sogar im eigenen PKW.

© BR

Wie die Lockerungen für Berghütten aus bergmedizinischer Sicht zu beurteilen sind, hat Andrea Zinnecker bei Dr. Rainald Fischer nachgefragt.