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Lothar Matthäus hat den Fußball geprägt. In Deutschland, in Italien, auf der ganzenm Welt. Der ehrgeizige Franke feiert seinen 60. Geburtsdtag - wir gratulieren!

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Weltfußballer Lothar Matthäus wird 60

Eine Legende als Spieler, als Trainer mit Flops - und trotzdem ist Lothar Matthäus kurz vor seinem 60. Geburtstag "in" wie lange nicht - als Kandidat für den Posten des Bundestrainers. Matthäus wäre bereit - doch ist es Fußball-Deutschland auch?

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Von
  • Bernd R. Eberwein

Rom, 8. Juli 1990: Im Olympiastadion reckt Lothar Matthäus den WM-Pokal in den Nachthimmel. Als Kapitän hatte der Franke die deutsche Fußball-Nationalmannschaft zum Weltmeistertitel geführt. Matthäus, geboren am 21. März 1961, war mit 29 Jahren am Höhepunkt seiner Karriere.

Weltfußballer, Europas Fußballer des Jahres, Deutschlands Fußballer des Jahres - auf den WM-Triumph folgten zahlreiche individuelle Auszeichnungen. Die Fußballwelt war sich ausnahmsweise einmal einig: So einen Ausnahmespieler wie Lothar Matthäus gibt es nur alle paar Jahrzehnte einmal.

Abzusehen war das durchaus. Als der damals 18-Jährige im Sommer 1979 zu Borussia Mönchengladbach wechselte, eroberte er sich prompt einen Stammplatz. Jupp Heynckes erkannte früh, dass er mit Matthäus einen Rohdiamanten hatte, der den klassischen "Achter" in Perfektion interpretieren konnte. Das erkannte auch der damalige Nationaltrainer Jupp Derwall, der ihn mit zur EM 1980 nahm, wo er sein Debüt feierte - und den Titel gewann.

"Ich war ja ein reiner Offensivspieler. Ein Neuner oder eine hängende Spitze. Du hast mich aber schnell ins defensive Mittelfeld beordert, meine Dynamik und Aggressivität erkannt, die für diese Position so wichtig sind ... Auch hast Du nach den Trainingseinheiten oft noch individuelle Dinge mit mir einstudiert." Matthäus in einem Interview über seinen Förderer Heynckes

Jupp Heynckes - der Matthäus-Entdecker

Als Matthäus dann 1984 zum FC Bayern wechseln wollte, setzte Heynckes alles daran, seinen Lenker zu halten. "Er hat wohl zu Manager Helmut Grashoff gesagt, gib ihm die Summe X mehr, und ziehe sie bei mir vom Gehalt ab", sagte Matthäus einmal in einem Interview.

Doch Matthäus wechselte trotzdem an die Isar. Drei Meisterschaften, ein Pokalsieg - auch die Bayern blühten mit Matthäus auf. Unter Trainer Udo Lattek schloss er problemlos die Lücke, die Paul Breitner im Mittelfeld hinterlassen hatte. Nur das verlorene Finale im Landesmeister-Pokal 1987 gegen Porto war ein kleiner Makel.

Aber der dynamische Franke wollte mehr. Schon 1988 zog er weiter zu Inter Mailand, nach Italien, in die damals allgemein als stärkste Liga der Welt betrachtete Serie A. Unter Giovanni Trapattoni entwickelte sich Matthäus endgültig zum Weltstar, neben Diego Maradona galt er als bester Spieler der Liga und führte Inter zur ersten Meisterschaft seit neun Jahren.

Die ersten Verletzungsprobleme

Die Italien-Zeit sorgte auch für ungewohnte Momente in Matthäus' Karriere. Ein Kreuzbandriss verhinderte 1992 den eigentlich schon fixen Wechsel zu Juventus Turin. Stattdessen kehrte Matthäus im August zum FC Bayern München zurück. Es folgten vier weitere Meisterschaften und ein Pokalsieg, aber auch weitere Verletzungspausen. Matthäus, mittlerweile in den mittleren 30ern, kämpfte sich immer wieder zurück.

Mit dem verlorenen Champions-League-Finale 1999 gegen Manchester United erlebte Matthäus in seiner zweiten Bayern-Phase aber auch einen der größten Tiefpunkte seiner Karriere. Als die Münchner in der Nachspielzeit die Gegentore zur 1:2-Niederlage kassierten, hatte Trainer Ottmar Hitzfeld Matthäus schon ausgewechselt, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Als die Bayern den Cup 2001 endlich gewinnen konnten, hatte Matthäus seine Karriere schon beendet.

Ehrenspielführer und deutscher Rekordspieler

Im März 2000 war nach einem 4:1 im Europapokal gegen Real Madrid Schluss mit der Bayern-Karriere, bei den New York Metro Stars in den USA ließ er bis September noch seine Karriere ausklingen. Mehr als sportliche Schlagzeilen blieben seine mitunter unfreiwillig komischen Interviews in englischer Sprache in Erinnerung.

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Lothar Matthäus wird 60. Seine letzte Station als Profi waren die New York MetroStars. Im Jahr 2000 besuchte ihn ein Fernsehteam und begleitete den Rekordnationalspieler in Manhattan.

Seine letzten Länderspiele absolvierte er bei der EM 2000. Matthäus ist seit 2001 Ehrenspielführer der deutschen Nationalmannschaft und mit 150 Partien bis heute Rekordspieler.

Mit der Teilnahme an fünf Weltmeisterschaften und 25 WM-Spielen hält er einen weiteren Rekord. Zudem ist er mit 39 Jahren auch ältester deutscher Nationalspieler und ältester Torschütze (38 Jahre und 128 Tage).

Als Trainer versinkt Matthäus im Mittelmaß

So glorreich Matthäus' Spielerkarriere war, so durchwachsen verlief seine anschließende Laufbahn als Trainer. SK Rapid Wien und Red Bull Salzburg (Österreich) , Partizan Belgrad (Serbien), Athletico Paranense (Brasilien), Maccabi Netanja (Israel), dazu die Nationalteams von Ungarn und Bulgarien - sieben Teams in nur zehn Jahren von 2001 bis 2011 zeugen von Unbeständigkeit.

Titel waren rar. Meister mit Belgrad und Salzburg (als Co-Trainer), ansonsten sorgte Matthäus vor allem dafür, dass der ehemalige Ausnahmefußballer sein Image nachhaltig beschädigte. In Wien sorgte er für das schlechteste Abschneiden des Klubs seit 1911 und wurde wegen vereinsschädigender Aussagen in der Öffentlichkeit entlassen.

Bei Paranense schmiss er nach nur einem Monat aus familiären Gründen hin. Während seines kurzen Engagements wurde er wegen Schiedsrichterbeleidigung 30 Tage gesperrt. Bei seiner letzten Station in Bulgarien verpasste er die EM-Qualifikation als Gruppenletzter und musste gehen.

Matthäus - verkannt wie Becker und Beckenbauer?

Vor allem in Deutschland überlagert Matthäus verkorkste Trainerkarriere seine Erfolge als Spieler. Auch sein Privatleben trug nicht unbedingt zu seinem guten Ruf bei. In Italien wird er dennoch bis heute als "Grande Lothar" vergöttert, während ihm im eigenen Land meist die fränkische Verballhornung "Loddar" entgegenschlägt.

"Boris Becker, Franz Beckenbauer. Wir alle machen Fehler, aber wir Deutsche freuen uns, wenn ein Prominenter erwischt wird. Diese Neidgesellschaft mag ich nicht." Matthäus in einem aktuellen Interview anlässlich seines Geburtstags

Lothar Matthäus als Nationaltrainer?

Den Traum, einmal einen großen Klub zu trainieren, hat Matthäus eigentlich 2011 ad acta gelegt. Er will nicht mehr als Trainer arbeiten, betonte er die vergangenen zehn Jahre gebetsmühlenartig - und ist lieber als Kolumnist und TV-Experte weiter am Ball. Gefragt ist er dennoch wie nie zuvor. 2017 erhielt er den Deutschen Sportjournalistenpreis als meistzitierter Fußballexperte.

Und trotzdem - oder vielleicht genau deswegen - ist er passend zu seinem 60. Geburtstag ein Trainerkandidat für einen der spannendsten Posten in Fußball-Deutschland: den des Nationaltrainers. Während Bayerncoach Hansi Flick als Topkandidat gilt, Ralf Rangnick seine Bereitschaft signalisiert hat und Jürgen Klopp derzeit "Nein" sagt, kommt von Matthäus' langjährigen Begleitern öffentlich Unterstützung für den Franken.

Hoeneß, Kohler, Thon - die Matthäus-Unterstützer

Bayern-Ehrenpräsident Uli Hoeneß, der ihn einst nicht mal mehr als "Greenkeeper" engagieren wollte, würde sich wundern, wenn Matthäus mit seinem Fußballwissen "nicht in der Verlosung" wäre. "Er verkörpert alles, was man braucht, ist als Fußballer und Medienmensch sehr anerkannt, hat 150 Länderspiele absolviert", sagt Jürgen Kohler aus der 1990er-Weltmeistermannschaft.

Olaf Thon, ebenfalls Weltmeister 1990, forderte, "dass man auch ernsthaft über Lothar Matthäus nachdenken sollte". Schließlich sei der ein "ausgewiesener Fußballspezialist auf höchstem Niveau". Und noch etwas könnte Matthäus vielleicht tatsächlich überraschend eine Chance geben. Er könne "vereinen, innerhalb des Verbands wie auch für dessen Image würde er guttun", sagt Kohler.

Matthäus: "Würde mir Gedanken machen"

Matthäus selbst verfolgt die öffentliche Diskussion um den Bundestrainer-Posten gelassen. Mit 60 Jahren ruht er in sich selbst, die einstige Verbissenheit ist weg - beweisen muss er sich und der Welt nichts mehr. Aber: "Ich bin jemand, der gerne hilft. Wenn ich das Gefühl hätte, dass die Verantwortlichen geschlossen dahinter stehen, dann würde ich mir Gedanken machen." Lothar Matthäus wäre bereit, seiner eigentlich abgehakten Trainerkarriere ein neues Kapitel hinzuzufügen.