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Löwen-Investor Ismaik: "Mit mir wird es keine Insolvenz geben" | BR24

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Teil zwei des Exklusivinterviews mit 1860-Investor Hasan Ismaik: Der Jordanier bezieht unter anderm Stellung zur 50+1-Regel und bezeichnet eine drohende Insolvenz des Traditionsvereins als "Schreckgespenst".

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Löwen-Investor Ismaik: "Mit mir wird es keine Insolvenz geben"

Teil zwei des Exklusivinterviews mit 1860-Investor Hasan Ismaik: Der Jordanier bezieht unter anderem Stellung zur 50+1-Regel und bezeichnet eine drohende Insolvenz des Traditionsvereins als "Schreckgespenst".

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Die 50+1-Regel ist ein komplexes Thema. Ismaik ist bekanntermaßen ein Gegner dieser Regel. Doch bislang blieben seine Versuche, diese zu kippen ohne Erfolg. Der 43-Jährige sieht darin eine Schwächung des deutschen Fußballs. Die Regel schade den Vereinen hinsichtlich der Konkurrenzfähigkeit.

Attacken gegen PRO1860

Auch zu einer drohenden Insolvenz äußert sich der Investor: Für ihn ist diese ein "Schreckgespenst". Es ginge nur darum, die Fans zu verunsichern. Und er stellt klar, dass es mit ihm keine geben werde. Der Jordanier distanziert sich dabei deutlich von PRO1860: Ismaik unterstellt der Fanorganisation sogar, dass diese einen Aufstieg gar nicht wollen würden. Gleichzeitig spricht er PRO1860 eine Einladung aus, um direkt zu reden.

"Nur mit eigenem Stadion ist 1860 zu retten"

Und schließlich fordert Ismaik ein eigenes Stadion für den Verein. Ursprünglich gab es einmal den Plan, ein eigenes Löwen-Stadion in München-Riem zu bauen. Doch dieses Vorhaben hat der Investor aus verschiedenen Gründen ad acta gelegt. Trotzdem hält er an einem eigenen Stadion-Bau fest. Für ihn ist ein Sechzger-Stadion für den Fortbestand des Traditionsvereins unerlässlich. Am Ende des Interviews hat Ismaik dann noch eine Botschaft an den Präsidenten und an die Verantwortlichen beim TSV 1860 München.

Dominik Vischer: Ist die Klage gegen die 50+1-Regel vom Tisch? Oder lassen Sie sich diese Möglichkeit noch offen?

Hasan Ismaik: "50+1 ist ein sehr komplexes Thema. Ich habe in vorherigen Interviews einen Appell an die Entscheidungsträger in Deutschland gerichtet. Wenn ich kurz zusammen fassen darf: Die 50 +1-Regel gibt es momentan und man muss sie respektieren. Dennoch ist die Auslegung dieser Regelung schädigend.

Der zweite Punkt ist: Wir haben es hier mit verschiedenen Institutionen zu tun. Der e.V. als Mutterverein müsste einer Klage gegen die 50+1-Regelung zustimmen, wenn man gegen die Regelung vorgehen möchte. Da spielt auch das Kartellamt eine Rolle. Das heißt aber, dass mir und anderen Investoren der Zugang zu einer Klage gegen 50+1 verwehrt ist. Ich habe mit der Beschwerde gegenüber den zuständigen Institutionen zum Ausdruck gebracht, dass die Regelung in ihrer derzeitigen Auslegung schädigend ist und wir Investoren dadurch Millionen verlieren.

Die Klage kann nur zugelassen werden, wenn der Mutterverein zustimmt. Dies liegt leider nicht in meiner Hand. Es bliebe noch der Gang zum Kartellamt, was aber sehr verzwickt ist - unterm Strich bleibt mir und anderen Investoren der Zugang zu einer Klage verwehrt, weil uns durch das Nein der Vereine die Hände gebunden sind.

Wir treten da auf der Stelle. Es gäbe die Möglichkeit an den Europäischen Gerichtshof zu gehen, auf zivilrechtlicher Ebene. Aber dieser Weg ist zu lang. Eine andere Möglichkeit ist, den Druck medial aufzubauen, um das in Gang zu bringen. Am Ende des Tages muss man aber überlegen, ob es für den Klub, die Mannschaft und alle Beteiligten förderlich ist.

Ich habe in diversen Interviews schon einen Appell an die entscheidenden Institutionen gerichtet und würde gerne auch über Ihr Medium nochmal diesen Appell an die Entscheidungsträger richten, eine Diskussion über die 50+1-Regel so schnell als möglich zu führen. Man muss einen Weg finden, der für die Vereine, die Fans UND die Investoren von Nutzen ist, denn alle anderen Wege würden bedeuten, dass nicht nur ich, sondern auch viele andere Investoren gehen müssten. Warum wählt man nicht diesen kürzeren Weg und redet darüber, wie man dieses Problem lösen kann.

Ich würde gerne meinen Appell wiederholen: Deutschland ist ein demokratisches Land, eine der großartigsten Demokratien weltweit. Deutschland bezieht immer Stellung, wenn es gegen Monopolstellungen geht und geht auch dagegen vor. Es gibt das deutsche Kartellamt, das Europäische Kartellamt ... ich verstehe, dass Fußball Leidenschaft ist, dass die Fans diese Leidenschaft leben und es ihnen zuallererst um den Sport geht.

Man darf aber auch nicht vergessen, dass Fußball auch ein Geschäft bzw. Wirtschaft ist. Fußball ist auch von gesellschaftlichem Interesse. Mein Appell an die Verantwortlichen in Politik und Wirtschaft: Warum lähmen wir diese Leidenschaft und unsere wirtschaftlichen Interessen, wenn wir uns immer wieder vor dieser Diskussion drücken. Warum werden diese Dinge nicht besprochen? Warum kommt man nicht mit Lösungsansätzen? Warum wird dieses Thema verschwiegen und in die Länge gezogen? Diese Situation schadet den deutschen Vereinen hinsichtlich der Konkurrenzfähigkeit und das schadet auch der Leidenschaft für den Fußball. Dieses Problem muss man so schnell als möglich anpacken.

Vischer: Nun zu den Gerüchten mit der Insolvenz ...

Ismaik: Diese von PRO1860 vertreten Ideologie gab es schon vor meinem Einsteigen bei 1860. Ich gebe Ihnen dazu ein Beispiel und ich komme gleich auf die "geordnete Insolvenz". Mich loszuwerden war schon bei der Entscheidungsfindung, ob man die Anteile an mich verkauft oder nicht, in Planung. Am Anfang wusste ich das nicht, was genau sich hinter den Kulissen da abspielt.

Ich habe mich schon 2011 bei meinem Einstieg gewundert, dass ich VOR der Zahlung zur Rettung von 1860 willkommen war, alles hat gestimmt, alle waren euphorisch, was mir auch sehr gefallen hat. Aber direkt nachdem das Geld bezahlt war, fing das Ganze an. Es ging los, mit Beleidigungen, mit Konfrontationen. Ich habe das am Anfang gar nicht verstanden. Nach und nach habe ich aber ein System dahinter erkannt.

Die Insolvenz ist meines Erachtens ein Schreckgespenst, das man her nimmt,um die Fans zu verängstigen und zu verunsichern, um die Mannschaft zu schwächen und zu demoralisieren und das Thema kam immer zu sehr sensiblen Zeitpunkten auf's Tablett. Ich sehe das so: Eine Insolvenz kann nur passieren, wenn ich 1860 nicht mehr unterstütze, wenn ich meine Hilfe entziehe und das wird nicht der Fall sein.

Ich sage Ihnen noch eine andere Sache: Ich habe das Gefühl, dass das Thema mit der Insolvenz und der Demoralisierung der Mannschaft dazu dient, die Agenda von PRO1860 zu befördern. Es ist doch so: Je tiefer wir spielen, um so sicherer fühlen sie sich. Deswegen steht ein Aufstieg gar nicht auf dieser Agenda und eine Insolvenz würde ihnen Sicherheit geben.

Nochmal: Eine Insolvenz wird es nicht geben. Dazu gibt es ein Gesellschaftsrecht. Das kann nur passieren, wenn ich die Hilfe entziehe, wenn ich nicht mehr unterstütze. Das werde ich nicht machen - ich bleibe dran und werde 1860 weiter unterstützen.

Vischer: Geschäftsführer Günther Gorenzel hat gesagt, dass es – Stand jetzt – mit einem ausgeglichenen Etat 2020/2021 nicht funktionieren wird und der TSV 1860 München weiter Schulden aufbauen wird. Wie ist die finanzielle Misere in den Griff bekommen?

Ismaik: Durch eine Kapitalerhöhung. Das wäre möglich. Aber bevor ich dazu etwas sage, möchte ich eine Botschaft an PRO1860 und an Teile der Ultras schicken, einen Appell: Die Argumentation für Euren Kurs beruht immer auf der Grundlage der Wahrung der Tradition, der Schutz dieser Tradition.

Wenn Euch wirklich was an dieser Tradition gelegen ist, dann lasst es sein, verlasst den Verein, weil eines versichere ich euch: Eines Tages wird der Tag kommen, wo ihr das Ruder nicht mehr in der Hand habt ... nur das bis dahin der großartige Verein TSV 1860 München enormen Schaden genommen hat.

Wenn euch also wirklich was an diesem Verein liegt, dann lasst es sein, geht einfach ... lasst den Verein sich entwickeln, ohne diese Ideologie, ohne diese Agenda. So würdet ihr dafür sorgen, dass dem Verein nicht noch mehr Schaden entsteht.

Das ist ein ehrliches Wort an euch. Was wir wollen ist, dass 1860 sich entwickelt, gesundet und wir eines Tages wieder feiern können. Ich sage es nochmal: In so einer großartigen Stadt, in so einer wirtschaftlich starken Stadt, mit seinen Anhängern ist das Potential riesig. Wir müssen verhindern, dass mehr Schaden entsteht.

Vischer: Gibt es für Sie auch die Möglichkeit einer direkten Konfrontation mit den Vertretern von PRO1860? Ist ein Gespräch möglich?

Ismaik: Selbstverständlich. Dieser Einladung werden sie aber nicht folgen. Durch Ihr Medium, durch Ihre Kamera spreche ich nochmal eine Einladung aus, sich direkt auszutauschen, direkt darüber zu reden, wie man das eigentlich zusammen macht ... aber ich vermute, dieser Einladung werden sie nicht folgen. Sie werden der Einladung nicht folgen, weil sie sich immer gerne im Verborgenen aufhalten ... aber da zeigt sich, dass diejenigen die sich nur im Verborgenen aufhalten einfach keinen Mut haben.

Ich fordere Euch auf, gerne mit mir zu reden, mich von Eurem Kurs zu überzeugen ... gerne kann zu diesem Gespräch auch ein Vermittler dazu kommen. Man muss den anderen von seinem Kurs überzeugen können. Sich immer im Verborgenen aufzuhalten ist feige. Sie sollen nach vorne treten, sie sollen sich klar positionieren ... was sie momentan gemacht haben ist, andere Fans, Funktionäre, Angestellte des Vereins einzuschüchtern und zu bedrohen, um so ihre Politik zu machen.

Aber was sie bislang nicht gemacht haben, ist sich zu zeigen, zu sagen - das sind wir und dafür stehen wir und wir sind darüber bereit darüber zu diskutieren und wollen euch davon überzeugen, dass dieser Kurs der richtige ist. Ich richte die Einladung nochmal an die Personen von PRO1860: Zeigt Euch, kommt nach vorne und zeigt auch Euren Anhängern, dass ihr mutig seid, dass Ihr nicht nur im Verborgenen agiert, sondern für Eure Sache einstehen könnt in aller Öffentlichkeit.

Zurück zum Thema Insolvenz: Die Insolvenz beinhaltet ja das Gespenst der Nicht-Stundung der Darlehen, der Kredite, das Nicht-Umwandeln ... damit das auch mit dem Eigenkapital konform ist. Ich will Ihnen eins sagen: Jeder Laie der etwas von Buchhaltung versteht, weiß - es wird ja viel über die Genußscheinkredite gesprochen und geredet - diese Kredite sind, solange 1860 keinen Erfolg hat, solange 1860 keinen Gewinn erzielt, NICHTS wert.

Das hilft mir nichts und auch dem Verein nichts. Diese Kredite stehen einfach nur so im Raum. Was wir brauchen, ist ein gesunder Weg, einen gesunden wirtschaftlichen Weg, der uns dazu führt, ein eigenes Stadion zu haben, in dem wir wirtschaften können, mit dem wir Gewinne erzielen. Das bringt 1860 weiter, das bringt Erfolg, das bringt Stabilität, das bringt Ruhe.

Weil mir ja viele unterstellen, ich sei nur auf Profit aus ... Profite gibt es nur, wenn wir Erfolg haben, das schaffen wir nur, wenn wir diese Ziele erreichen. Ich glaube für die Fans und Anhängerschaft ist es wichtig, diese Ziele zu Erreichen ... dann ist alles andere auch in Ordnung."

Vischer: Das Grünwalder Stadion soll umgebaut werden. Als Ausweichspielstätte stehen Unterhaching und das Olympiastadion im Raum, ein neues Stadion wurde immer mal wieder ins Spiel gebracht. Was wäre Ihr Wunsch?

Ismaik: Bei allem Respekt für die Sehnsüchte und die Leidenschaft in Bezug auf das Grünwalder Stadion - ich kann die Leidenschaft verstehen, ich kann auch die Bereitschaft für einen Umbau verstehen. Aber ich kann für mich sagen: Ein Umbau des Grünwalder Stadions ist in jeglicher Sicht sinnlos. Es macht keinen Sinn. Nicht für 1860 aus wirtschaftlicher Sicht, nicht für die Fans, nicht für die Stadt, nicht für die Münchner. Eine Summe von 30 Millionen Euro für den Umbau, die kann man viel besser für ein eigenes Stadion verwenden.

1860 braucht ein eigenes Stadion für sich. Wir haben jetzt und auch in der Vergangenheit - wenn der sportliche Erfolg da ist - ein Potential von 50 - 60.000 Zuschauer. Die Rettung von 1860 kann nur durch ein neues, eigenes Stadion geschafft werden. Diese 30 Millionen Euro - wenn sie von den Münchnern befürwortet werden - kann man viel besser für ein eigenes Grundstück, ein neues Stadion verwenden. Das ist die einzige und endgültige Lösung für 1860 München.

Ich möchte an dieser Stelle zwei Sachen sagen: Wenn wir es nicht schaffen, 1860 ein eigenes Stadion, ein Gesicht zu geben, dass auch die notwendige Kapazität hat, das auch wirtschaftlich Sinn macht, dann gibt es keine Lösung für 1860 München. 1860 ist nicht nur ein Verein, es sind die Anhänger, es ist ein Wahrzeichen von München ... und wenn das nicht beschützt und bewahrt wird, dann verliert auch München, einen Teil seiner Geschichte und seiner Identität. Kulturell und auch wirtschaftlich.

Ich möchte auf das Thema Riem kommen: Ich möchte mich zuallererst bei allen Verantwortlichen, bei Oberbürgermeister Reiter, den Stadträten dafür bedanken, dass sie sich damit beschäftigen, damit wir weiterkommen.

Nur: Damals beim Thema Riem - wir haben mit dem OB gesprochen, mit den Stadträten ... es kam ein Grundstück in Frage und wir haben eine Machbarkeitsstudie in Auftrag gegeben. Es wird jetzt nur davon gesprochen, es gebe bei 1860 immer zwei Stimmen ... es wird aber nicht davon gesprochen, dass das Ergebnis dieser Machbarkeitsstudie war, dass dieses Grundstück mit vielen Problemen behaftet war.

Dieses Grundstück war zuallererst nur eine Grube - da gab es viele Aspekte, Baugenehmigungen, etc. da gab es aber noch andere Dinge ... wenn wir das Stadion zum Beispiel jetzt gebaut hätten, dann hätten wir an bestimmten Tagen nicht spielen können, wenn eine große Messe gewesen wäre. Da hat es viele Gründe gegeben, die einfach dagegen gesprochen haben ...

Ich will Ihnen dieses Dokument geben, dass können Sie gerne in Ihrer Sendung zeigen, um zu dokumentieren, welche Probleme wir mit diesem Grundstück gehabt hätten. Wir und die Stadt München sollten nicht all diese Anstrengungen unternehmen, wenn danach nicht die optimale Lösung dabei rauskommt.

Ich sage nochmal: Die einzige Möglichkeit für 1860 München zu gesunden, ist ein eigenes Stadion, mit eigener Identität, traditionell, mit allem was dazugehört. Da brauchen wir die Hilfe der Stadt, da brauchen wir die Zustimmung der Münchner und der Anhänger, wir wie jeder andere große Verein ein Grundstück ... da können wir anfangen, auch wenn es lange dauert und der Weg lang ist, nur mit einem eigenen Stadion ist 1860 München zu retten.

Vischer: Wenn aus diesen Plänen hervorgeht, dass Riem nicht der richtige Standort wäre, gibt es denn eine andere Fläche?

Ismaik: Zu diesem Zeitpunkt gibt es keine Alternative. Die Gespräche sind hier stehen geblieben. Sicherlich müsste man auch bei einem anderen Standort viel Aufwand betreiben und momentan gibt es kein anderes, alternatives Grundstück.

Vischer: Die Stadt München moniert, dass es bereits diverse Gespräche auch mit Ihnen gab, Flächen wurden reserviert, nur dann habe sich nichts mehr getan. Schwierig sei auch, dass es bei 1860 immer zwei Stimmen gebe. Was sagen Sie dazu?

Ismaik: "Ich habe mit OB Dieter Reiter gesprochen, man kennt sich, man hat auch den direkten Kontakt. Von meiner Seite gibt es auch Fachleute, die ich eingesetzt habe, die in dieser Sache Ansprechpartner wären ... Ohne jetzt Dieter Reiter kritisieren zu wollen, weil ich ihn sehr respektiere, aber die Gespräche waren allesamt konstruktiv, aber kamen an einen Punkt, wo es nicht mehr weiter ging ...

Ansprechpartner ist eigentlich immer der Geschäftsführer ... die Gespräche von mir mit OB Reiter waren einfach eine Initiative um das Ganze in Gang zu bringen und zu beschleunigen. Wir brauchen aber die Politik, wir brauchen den Stadtrat, wir brauchen die Zustimmung der Münchner ... es ist eine politische Entscheidung, ob 1860 ein Grundstück bekommt, wo man ein eigenes Stadion bauen kann. Es müssen alle mitziehen und alle wollen, das wir das schaffen können.

Viele die jetzt nach München kommen, sehen als erstes die Allianz Arena als Wahrzeichen von München ... aber das stimmt eigentlich so nicht. München ist zum Großteil 1860 München, aber man sieht es nicht, wenn man von außen kommt. Wir brauchen für 1860 ein eigenes Grundstück, die politische Unterstützung, wir brauchen die Zustimmung des OB, des Stadtrats und der Münchner. Das ist auch mein Appell: Lasst uns alle an einem Strang ziehen, dann schaffen wir es.

Ich bin auch initiativ weiter dazu bereit an Türen zu klopfen, mit OB Reiter zu reden, mit den Stadträten zu reden, Klinken putzen zu gehen, um diesen Weg zu ebnen. 1860 und München gehören zusammen - München ist Blau, die bayerische Fahne ist weiß-blau, vor dieser Historie darf man die Augen nicht verschließen. Ich bin bereit, alles zu machen, um das zu schaffen. Das ist mein Appell, den ich auch gerne persönlich der Stadt gegenüber vorbringe: Lasst uns 1860 schützen und bewahren."

Vischer: Wie sieht Ihr Plan für die nächsten fünf bis zehn Jahre für den TSV 1860 München aus? Was ist Ihre Vision?

Ismaik: Es gibt zwei Dinge dazu: Einmal ist das Ziel, 1860 wieder dorthin zu kommen, wo man schon einmal war. Dafür müssen wir uns von dieser Ideologie von PRO1860 befreien. Dabei gibt es zwei Wege: Warten bis 50+1 fällt, nur würde dabei niemand wissen, wieviel Schaden 1860 bis dahin noch nimmt. Der zweite Weg ist die Umsetzung des Mehrheits-Willens der Fans, die nicht der Ideologie von PRO1860 folgen ... das Ruder geriet in den vergangenen Jahren in die falschen Hände, wurde durch Satzungsänderungen und dergleichen noch zementiert.

Deshalb mein Appell an alle Fans, die nicht dieser Ideologie folgen: Wir müssen uns die Hebel der Macht zurückholen, wir brauchen eure Stimmen, wir müssen bei der Satzung anfangen, ... wenn ihr euren Einsatz zeigt ... dann können wir genau die Änderungen die notwendig sind, schaffen. Wir können uns dann von dieser Ideologie befreien. Die Handschellen, die Fesseln von PRO1860 müssen weg! Das ist mein Wort an alle Fans, die mich unterstützen möchten - lasst uns 1860 befreien, lasst uns 1860 dahin bringen, wo es hingehört.

Ich weiß, dass der Vergleich mit Bayern München bei den Fans nicht beliebt ist, aber ich möchte dennoch eines sagen: So wie es momentan bei 1860 ist - und ich komme auch aus der Politik - das ist wie Nordkorea und Südkorea. Im Norden stagniert es, im Süden geht etwas voran, man ist unter den Top Ten der Welt.

Oder man kann den Vergleich auf das Deutschland von damals beziehen: Ost-und Westdeutschland ... zwei verschiedene Denkweisen, zwei verschiedene Systeme ... anlässlich des Gedenktags des Mauerfalls ... man sieht wie es vorher war und wie es danach war ... aber man muss den Mut haben, diese Veränderungen umzusetzen. Man muss offen werden, man muss diesen Weg gehen - um sportlich wieder dahin zu kommen, wo man schon mal war. Ich will ein erfolgreiches 1860 haben und dieses Gefühl weit hinaus in die Welt tragen.

An der Stelle des momentanen 1860-Präsidenten würde ich mich schämen. Ich würde mich schämen, weil ein Großteil der Anhängerschaft des TSV 1860 nicht hinter mir steht und mir nicht die Zustimmung gibt, die solch ein Amt braucht.

Ja, er hat vielleicht Anhänger, die ihn dahin gebracht haben, wo er jetzt ist. Gleichzeitig gibt es Mitglieder die nach 40-50 Jahren bei 1860 kein Mitglied mehr sein wollen, die sagen 'Für mich ist es keine Ehre mehr, Mitglied zu sein' ... diese Mitglieder, die dem Verein ein Leben lang treu waren, dass man denen nicht entgegen kommt, denen nicht zu hört ... das wäre für mich eine Schande ... und das, weil man nur seine eigene Ideologie, seine eigene Agenda verfolgt.

Die wirkliche Kraft des TSV 1860 ist die Mehrheit ihrer Anhängerschaft ... und das muss man wertschätzen, pflegen und wieder gewinnen. Deshalb sage ich: Für die Geschichte des TSV 1860 und die Tradition und für den zukünftigen Erfolg: Holt diese Mitglieder wieder zurück, redet mit ihnen, das ist der wahre Schatz und der wahre Wert von 1860. Lasst sie nicht einfach außer Acht. So ein Vereins-Austritt ist ein Hilferuf - das sollte einen aufwecken und nach Lösungen suchen lassen. Das ist meine Botschaft an den Präsidenten und an die Verantwortlichen bei 1860.