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Löwen-Boss Reisinger: "Hafen der Vernunft im unruhigen Wasser" | BR24

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Hauptstreitpunkt beim TSV 1860 München bleibt die generelle sportliche und wirtschaftliche Ausrichtung des Vereins. Präsident Robert Reisinger stellte sich bei "Blickpunkt Sport" den Fragen von Markus Othmer. Welche Zukunft haben die Löwen?

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Löwen-Boss Reisinger: "Hafen der Vernunft im unruhigen Wasser"

Hauptstreitpunkt beim TSV 1860 München bleibt die generelle sportliche und wirtschaftliche Ausrichtung des Vereins. Präsident Robert Reisinger stellte sich bei "Blickpunkt Sport" den Fragen von Markus Othmer. Welche Zukunft haben die Löwen?

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Seit Jahren schon geht es drunter und drüber beim Münchner Traditionsverein an der Grünwalder Straße. Erst der sportliche Abstieg, dann der finanzielle Absturz. Auch die Rückkehr in die 3. Liga brachte keine Ruhe in den Klub. Die Frage nach der weiteren Ausrichtung der Mannschaft und des Vereins spaltet Fans, Geldgeber und Führungsriege in zwei Lager. Während die einen mit Hilfe von Investor Hasan Ismaik zumindest wieder von der Rückkehr in die 2. Liga träumen, verfolgen die anderen das Konzept der stetigen wirtschaftlichen Konsolidierung in kleinen Schritten, das Präsident Robert Reisinger seit seiner Amtsübernahme im Juni 2017 präferiert.

Pragmatiker oder Romantiker?

"Der Konsolidierungskurs ist keine Erfindung von mir oder vom Präsidium oder Vereinsgremien", stellte Reisinger ganz klar fest. 2017 nach dem Abstieg aus der 2. Liga musste ein Insolvenzfachmann in die Firma geholt werden, weil "wir selber keinen Überblick mehr hatten". Der 55-Jährige saß damals im Verwaltungsrat, dem kein Einblick in die Bücher gewährt wurde. Als Pragmatiker verteidigte Reisinger vehement den eingeschlagenen Sparkurs.

Neue Geldgeber sollen zur Konsolidierung beitragen

"Es gibt Leute, die bereit sind, Geld zu geben. Damit könnte man der KGaA auch wieder frisches Kapital zuführen, mit dem man auch wieder in die 2. Liga aufsteigen kann. Mit neuen Schulden die alten Schulden zurückzuzahlen - das versteht jeder, dass das nicht funktionieren kann." Nur seien Reisinger bzw. dem Verein noch die Hände gebunden, weil der Kooperationsvertrag das ausschließe, dass mit neuen Investoren oder anderen Gesellschaftern Gespräche geführt werden. "Hier sind wir im Gespräch mit Herrn Ismaik und warten auf seine Reaktion", meinte der 1860-Präsident.

Lediglich Mailverkehr mit Hauptinvestor Ismaik

Auf die Frage, wie viel Kommunikation es aktuell zwischen den beiden Gesellschaftern gebe, antwortete er: "Es läuft sehr viel über Anwälte ab. Jetzt - mit der Kapitalerhöhung - sind wir im Mailverkehr mit Hasan Ismaik." Warum nur per Mail: "Weil Ismaik nicht immer rangeht ans Telefon und dann habe ich es lieber schriftlich", so der 55-Jährige. Natürlich freue er sich über das Hilfsangebot des jordanischen Geschäftsmannes, allerdings: "Mit neuen Darlehen ist uns nicht zu helfen."

Reisinger: "Nicht mehr Geld ausgeben, wie Einnahmen da sind"

22 Millionen Euro Defizit - bei den aktuellen Einnahmen könnte eine Konsolidierung etwa 80 Jahre dauern, rechnete Moderator Markus Othmer vor. "Wir haben uns jetzt in acht Jahren runtergewirtschaftet, ich hoffe nicht, dass wir acht Jahre brauchen, bis wir wieder auf dem Niveau sind, wie wir eigentlich sein sollten", erwiderte der Löwen-Boss.

Löwen-Heimat Grünwalder Stadion

Die Stadt München beschäftigt sich aktuell mit dem Thema Ausbau Grünwalder Stadion auf über 18.000 Plätze. "Wenn es ausgebaut wird, ist es zweitliga-reif", lobte Reisinger. Ob es dann auch wirtschaftlich ist, sei aber hingestellt.

Aktuell steht eine Mannschaft mit 2,5 Millionen Euro Budget auf dem Platz. Laut dem Präsidenten soll dieser Betrag fortan noch weiter sinken. Statt "Geld schießt Tore" setzt Reisinger künftig auf "mannschaftliche Geschlossenheit", Identifikation mit dem Verein und Trainer Daniel Bierofka.

"Ich bin zwar im internen Kreis immer sehr laut, aber in der Öffentlichkeit gehe ich immer davon aus, was schadet dem Verein und was nutzt dem Verein. Ich als Präsident muss einfach der Hafen der Vernunft sein in diesem unruhigen Wasser. Dann kann ich da nicht lospoltern, das bringt niemandem etwas." Löwen-Präsident Robert Reisinger