BR24 Logo
BR24 Logo
Startseite

NEU

Freestylerin Lisa Zimmermann beendet Weltcup-Karriere | BR24

© picture-alliance/dpa

Lisa Zimmermann

Per Mail sharen
  • Artikel mit Video-Inhalten

Freestylerin Lisa Zimmermann beendet Weltcup-Karriere

Lisa Zimmermann hat die Freestylewelt mit sensationellen Sprüngen beeindruckt. Nach einem Kreuzbandriss und einer ungewöhnlichen Krankengeschichte will sie in Zukunft keine Weltcup-Contests mehr fahren, verriet sie im Instagram-Talk von BR24 Sport.

Per Mail sharen

Zimmermann möchte zukünftig keine Weltcup-Contests und andere professionelle Wettkämpfe mehr fahren, sieht sich aber immer noch als Profi-Sportlerin und wird mit dem Freestyle-Sport weiter ihr Geld verdienen.

"Unser Sport ist zum Glück viel präsent in Social Media. In meinen Augen macht filmen sowieso mehr Spaß als fahren", sagte sie und plant zukünftig Film-Projekte mit Sponsoren. Die Contests sei sie schon vorher hauptsächlich wegen des Geldes gefahren: "Ich bin in fast jedem zweiten Training ausgeflippt, weil ich einfach keinen Bock drauf hatte", sagte sie im Instagram-Talk mit BR24 Sport ganz ehrlich.

Ungewöhnliche Krankheit

Eine Rückkehr auf die Piste zu kleinen Wettkämpfen möchte die Slopestyle-Weltmeisterin von 2015 aber nicht ganz ausschließen: "Wenn ich gesundheitlich mal wieder fit bin, würde ich Contest die Spaß machen und lockerer sind auch mal wieder fahren."

"So lange ich Sport machen kann, geht mir mein Lächeln nicht verloren" Lisa Zimmermann

Zimmermann sprach sehr offen über ihre ungewöhnliche Krankheit, die mit ausschlaggebend für ihre Entscheidung ist und für die die Ärzte noch keine Diagnose gefunden haben: "2012 hatte ich eine Gehirnerschütterung, bin dann nach zwei Tagen aus der Klinik entlassen worden und bin aber sehr viel länger außer Gefecht gewesen und habe bleibende Schäden davon getragen."

Nach weiteren Tests in Krankenhäusern wurde klar, dass sie Gedächtnisprobleme hatte und Zuckungen der Hände und Arme. Durch Therapie habe sich ihr Zustand langsam verbessert, allerdings sei sie immer noch eingeschränkt. "Ich bin auf jeden Fall mega happy, dass es besser geworden ist, durch Therapie und Zeit. Wenigstens kann ich jetzt wieder draußen Sport machen und Skifahren gehen." Aktuell ist sie am Corona-Virus erkrankt und bleibt zu Hause in Quarantäne.

"Auf meiner Weihnachts-Wunschkarte steht seit 3 Jahren nur Gesundheit, sonst nichts" Lisa Zimmermann

Außergewöhnliche Karriere

Lisa Zimmermann hat eine außergewöhnliche Karriere hingelegt: In der Jugend noch als ambitionierte Eiskunstläuferin unterwegs, entdeckte sie durch ihren Bruder 2010 ihre Leidenschaft fürs Freestyle-Skifahren. Die Kufen hatten schnell ausgedient, jetzt brannte sie für die Freiheit auf den Skiern und lotete mit waghalsigen Fahrten durch Hindernisse und Sprünge neue Dimensionen aus.

Die 1996 in Nürnberg geborene Ausnahmeathletin begann Wintersport-Geschichte zu schreiben. Nicht nur Szene und Fans, sondern auch der Deutsche Skiverband (DSV) waren beeindruckt und holte die Fränkin in den Kader.

Mit 16 stand sie in der Saison (2012/13) als erste Frau einen Sprung mit doppelter Überkopfdrehung und dreieinhalb Schrauben - den Doublecork 1260. Der erste Weltcupsieg gelang ihr 2014, auch der Slopestyle-Weltcup 2013/14 ging an Zimmermann. 2015 wurde die Sportlerin vom TV Fürth 1860 dann Weltmeisterin.

Beim allerersten Big-Air-Weltcup für Freestyle-Skifahrer überhaupt feierte die Slopestyle-Weltmeisterin einen weiteren historischen Erfolg. 2017 stand sie als erste Frau einen "Switch Double-Cork 1080" - ein Sprung mit drei kompletten Drehungen. Und räumte damit beim Big Air Comp im Rahmen der X-Games in Aspen die Goldmedaille ab.

"Wenn ich motiviert bin und Spaß habe, bin ich erfolgreich." Lisa Zimmermann in einem Sportbuzzer-Interview

Kreuzbandriss beendet Olympiaträume

Doch die Karriere wurde hart ausgebremst: Denn kurz danach fiel Zimmermann wegen einer Bänderverletzung im Knie aus. Sie entschied sich, den Kreuzbandriss nicht operieren zu lassen. Dafür kassierte sie harsche Kritik vom Deutschen Skiverband (DSV), mit dem die freiheitsliebende "Funsportlerin" auch sonst nicht immer einer Meinung war.

"Man kann doch nicht einen Kreuzbandriss nicht operieren, den ganzen Sommer nichts tun, sich kurz vor Weihnachten ein bisserl auf die Ski stellen und dann sagen, ich fahre zu Olympia", schimpfte Alpinchef Wolfgang Maier damals. Zimmermann verzichtete auf eine Olympiateilnahme in Pyeongchang 2018 und ließ sich für den Playboy ablichten. Jetzt plant sie neue Projekte.

© BR

Der Film begleitet Lisa Zimmermann & Juliane Wurm beim Sport in den Bergen, wirft einen Blick auf ihre unterschiedlichen Lebenswege, Motivationen und Wünsche, geht der Frage nach, welche Bedeutung die Berge für jede der beiden jungen Frauen haben.