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Katharina Kestler beim Langlauftraining
© BR/Katharina Kestler

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Katharina Kestler
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Katharina Kestler beim Langlauftraining

"Willkommen im Leistungssport", so kommentiert mein Pyhsiotherapeut mein Gejammer über den Trainingsplan. Zwei Mal war ich diese Woche zum Skirollern an der Ruderregatta in Oberschleißheim bei München zum Intervalle rollern: eine Minute Gas geben und den Puls in den Entwicklungsbereich hochjagen, dann zwei Minuten langsam Rollern mit dem Puls im Grundlagenausdauer-Bereich – insgesamt zehn Wiederholungen.

Die Intervalle sollen meine Laktatschwelle verschieben und so dafür sorgen, dass meine Muskeln beim Kosalauf nicht so schnell müde werden. Bisher verschaffen sie mir aber vor allem Schmerzen: Ich bin hingefallen, habe offene Knie und mein Physio bearbeitet meine schmerzende Sehne an der Hüfte. Gerade läuft es aber einfach nicht.

So lange kein Schnee liegt: Skirollern!

Anfang Oktober ging es los: Zusammen mit sechs anderen Langlaufanfängern will ich unter dem Namen Nordic Team Tirol den Sport nicht nur erlernen, sondern im Februar beim Koasalauf in St. Johann starten: in der Skatingtechnik auf der 50 Kilometer Distanz. Beim ersten Trainingscamp in Seefeld im Oktober stand deshalb erstmal eine Leistungsdiagnostik mit Latkatmessung an, dann ging es auf die extra für Skiroller geteerte Strecke.

Mit Skirollern können ambitionierte Langläufer und Biathleten auch im Sommer für ihren Sport trainieren, wir müssen darauf erst einmal das unser Gleichgewicht finden. Klatschen, Schwimmen, Riese Zwerg – mit spielerischen Übungen versuchen unsere Trainer um den Langlaufprofi Urban Lentsch uns Langlaufbasics beizubringen. Von der Theorie zu den verschiedenen Grundschritten wie 1:1 symmetrisch, 2:1 symmetrisch und 2:1 assymetrisch qualmt mein Hirn, meine Beine brennen – doch die Motivation ist groß. Irgendwie krieg ich das schon hin!

Katharina Kestler beim Training

Katharina Kestler beim Training

Zehn Stunden Training pro Woche

Mit dieser Zuversicht und einem Trainingsplan vom Olympiazentrum Tirol fahre ich zurück nach München. Ich rolle, laufe, trainiere mein Gleichgewicht und meine Bein- und Rumpfstabilität. Der Plan schreibt bis zu zehn Stunden Training pro Woche vor – immer bekomme ich das Pensum nicht in meinen Alltag integriert. Doch Skirollern fällt mir leicht, die Technik hab ich schnell raus, die von unseren Trainern empfohlenen Übungen aus der Perfect Skating Web App helfen mir dabei, auch lange Strecken strengen mich nicht so sehr an. 50 Kilometer? Sie erscheinen mir schaffbar. Deshalb fahre ich vier Wochen später motiviert nach Obertilliach in Osttirol, wo das zweite Trainingscamp stattfindet.

Zum ersten Mal Langlauf im Schnee

Zum ersten Mal Langlauf im Schnee

Zum ersten Mal im Schnee

Zum ersten Mal geht es mit Langlaufski in den Schnee – als begeisterte Skifahrerin hatte ich mich darauf riesig gefreut. Doch der Umstieg von den Skirollern auf die Langlaufski ist nicht so einfach, wie ich in mir vorgestellt hatte. Während internationale Profis und Olympiateilnehmer auf der Loipe an uns vorbeizischen, müssen wir uns unter ihren mitleidigen Blicken erst an das neue Sportgerät gewöhnen: Den Oberkörper nicht zu weit nach vorne neigen, die Füße nicht nach hinten, sondern seitlich über die Ferse abstoßen, die Fersen immer in der Mitte wieder zusammen bringen – die Trainer liefern uns ganz schön viel Input auf einmal.

Am Nachmittag kommt der berühmte Klick: Der Moment, in dem ich das Gelernte umsetzen kann, Bewegungsabläufe plötzlich logisch erscheinen und leichter fallen. Trotzdem fahre ich mit gemischten Gefühlen zurück nach München: Auf meiner flachen Skiroller-Trainingsstrecke kann ich mir die 50 Kilometer Distanz gut vorstellen, aber mit Langlaufski auf einer bergigen Loipe erscheinen sie mir unrealistisch. Und auch wenn ich die Technik in den Griff bekomme, am Berg lässt mich meine Kondition im Stich. Ob ich das bis Februar hinbekomme?

Trainingsfrust im Alltag

Es ist eine ständige Berg- und Talfahrt der Gefühle: Alles ist gut, wenn die Pulsuhr einen neuen Rekord vermeldet. Oder wenn ich vor dem Spiegel entdecke, wie sich mein Körper verändert. Oder wenn ich merke, wie gut das Training mich auf meine Skisaison vorbereitet. Alles ist doof, wenn ich das Trainingspensum nicht schaffe. Wenn ich das Gefühl habe, zwei Schritte zurück zu gehen, statt wenigstens einen kleine voraus. Ob ich es schaffe? Keine Ahnung.

Folgt BR Sport auf Instagram und begleitet Katharina Kestler auf ihrem weiteren Weg zum Koasalauf!

Katharina Kestler

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Katharina Kestler

Sendung

Das Fitnessmagazin vom 09.12.2018 - 07:35 Uhr