Markus Babbel

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Kritik an Bayerns Kimmich: "Was willst Du eigentlich spielen?"

Kritik an Bayerns Kimmich: "Was willst Du eigentlich spielen?"

Es läuft nicht rund beim FC Bayern in der Fußball-Bundesliga. Ex-Profi Markus Babbel sieht ein Kernproblem darin, dass sich Spieler nicht an ihre Positionen halten. "Er turnt zu viel herum", kritisierte er Mittelfeldspieler Joshua Kimmich.

Markus Babbel ist nicht entgangen, dass FC-Bayern-Trainer Julian Nagelsmann seit dem 0:1 beim FC Augsburg einen Teil seiner Schlagfertigkeit verloren hat. "Er hat für mich sehr nachdenklich gewirkt", sagte Babbel, ehemaliger Bayern-Profi, als Studiogast in Blickpunkt Sport im BR Fernsehen.

Allzu viel hinein interpretieren in die offensichtlich erste Krise des 35-jährigen Bayerntrainers wollte er aber nicht. "Man muss einem jungen Trainer auch die Zeit geben, da hineinzuwachsen", so Babbel: "Es ist die erste große Station: Bayern München muss er erstmal lernen."

Der Verein gibt Nagelsmann offenbar diese Zeit. Vorstandschef Oliver Kahn unterstrich beim Oktoberfestbesuch des Teams am Sonntag, dass der Klub an Nagelsmann festhält. Dass Nagelsmann nach den jüngsten drei Bundesliga-Remis und der Augsburg-Niederlage aber nicht glücklich sein kann, ist selbstverständlich. "Wenn Du so einen Kader hast, kannst Du nicht zufrieden sein", so Babbel.

Babbel-Kritik an Joshua Kimmich

Von "Galligkeit" bis "Quäntchen Glück" fehlt bei den Bayern derzeit vieles. "Die Nuancen, den Gegner ernst zu nehmen", nannte es Babbel. Das Kernproblem der Bayern aus Babbels Sicht aber: Die Spieler setzen nicht um, was auf ihren Positionen gefordert ist. Exemplarisch pickte sich Babbel Joshua Kimmich heraus - mit deutlichen Worten.

"Da muss man mal fragen: Joshua, was willst Du eigentlich spielen? Er turnt zu viel herum", kritisierte Babbel. Kimmich, eigentlich klassischer Sechser und in dieser Rolle beim FC Bayern und in der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zur Weltklasse gereift, ist derzeit weit von seiner Topform entfernt.

"Kimmich fällt bei jeder kleinen Berührung hin"

"Bei jeder kleinen Berührung fällt er hin. Er muss wieder konzentrierter werden, disziplinierter werden", empfahl Babbel. Und: Er solle sich wieder auf seine Stärken konzentrieren: die Sechser-Position als Abräumer vor der Viererkette und mit viel Körpereinsatz klare Signale an den Gegner senden. Gegen den FC Augsburg waren es vor allem die Schwaben, die den Bayern in Sachen Härte einen Schritt voraus waren.

"Er will der Spielgestalter sein", sagte Babbel weiter zu Kimmich: "Auf dieser Position sind aber andere Tugenden gefragt." Wie bei Kimmich müsse man alle Spieler auf diesbezüglich auf den Prüfstand stellen: "Du kannst jede Position durchgehen: Was ist gefragt, was ist gefordert."

Wird Kimmich zum Nagelsmann-Problem?

"Joshua ist ein Schlüsselspieler, ein Keyspieler. Es muss spielen, was der Trainer vorgibt." Babbel schätzt Kimmich als zentralen Bayernspieler. Allerdings sieht er auch ein Risiko durch dessen aktuell etwas freigeistige Spielweise.

"Die Mannschaft merkt das auch. Wenn Spieler machen können, was sie wollen, wird das von anderen Spielern nicht mit Wohlwollen aufgenommen", sagte Babbel. Seine Empfehlung an Nagelsmann: "Klare Entscheidungen treffen. Da darf ich auch auf Namen nicht Rücksicht nehmen."

Die Baustellen des FC Bayern: Markus Babbel analysiert in Blickpunkt Sport mit Julia Scharf

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