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Heiko Herrlich und Niko Kovac (rechts) bei einem Bundesligaspiel in der vergangenen Saison

Es ist nichts Neues, dass Fußballtrainer in den Profiligen nach Niederlagenserien in die Kritik geraten. So früh, wie in der gerade einmal zwei Spieltage alten Bundesligasaison, kommt und kam es aber selten vor, dass ein Trainer schon so heftig im Kreuzfeuer steht. Zumal bei einem Klub, den er in der vergangenen Saison auf Tabellenplatz fünf und in die Europa League geführt hat.

Leverkusens Heiko Herrlich und seine hochbegabte talentierte Leverkusener Truppe sind mit zwei Niederlagen in die neue Saison gestartet. Verlieren die Nordrhein-Westfalen auch ihr Gastspiel bei Rekordmeister Bayern München (Samstag, 15.30 Uhr, Liveeinblendungen bei Heute im Stadion auf Bayern 1), droht der schlechteste Bundesligastart der Vereinsgeschichte und der erste Sturz ans Tabellenende seit 36 Jahren.

Kovac redet Tacheles: Umgang mit Herrlich "Ding der Unmöglichkeit"

Herrlich und Leverkusen unter Druck, ja. Aber auch gerechtfertigt in der Kritik? Was in den vergangenen Wochen auf Herrlich einprasselte, beschäftigte auch Bayern-Trainer Niko Kovac vor dem Duell. So sehr, dass er es sogar notwendig fand, deutliche Worte der Unterstützung für Herrlich auszusprechen.

"Ich finde das ein Ding der Unmöglichkeit, dass man einen Trainer nach zwei Spieltagen infrage stellt - egal, welche Ansprüche man hat", sagte Kovac in der Abschlusspressekonferenz der Bayern am Freitag (14.09.2018): "Das wundert und enttäuscht mich, ich finde das nicht angebracht. Wo kommen wir hin, wenn wir nach zwei Spieltagen einen Trainer infrage stellen? Wir sollten sachlich und fachlich an die Sache herangehen."

Trotz aller moralischer Unterstützung für den Trainerkollegen: Unterschätzen wird Kovac die angeschlagenen Gäste natürlich nicht. "Es ist ein schmaler Grat zwischen Erfolg und Misserfolg. Wir werden uns nicht täuschen lassen von den null Punkten, uns erwartet ein harter Kampf", sagte er vor dem Spiel. Der Bayerncoach kann fast auf sein bestes Team setzen. Nur der länger verletzte Kingsley Coman fehlt, die zuletzt leicht angeschlagenen Mats Hummels und Franck Ribéry sind nach Kovac' Angaben wieder fit.

"Leverkusen hat im Moment null Punkte. Wenn es ein wenig anders gelaufen wäre, hätten sie aber jetzt sechs. Davon lassen wir uns nicht blenden." Bayern-Trainer Niko Kovac

Die Marschrichtung des Rekordmeisters, der sich in den bisherigen Bundesliga-Partien unter dem neuen Trainer solide (3:1 gegen Hoffenheim) bis stark (3:0 in Stuttgart) präsentiert hat, ist klar: "Das morgige Spiel ist für uns sehr wichtig. Nach der Länderspielpause möchten wir in einen guten Rhythmus kommen", sagt Kovac. 90 Minuten lang kann er also keine Rücksicht auf den Kollegen Herrlich nehmen. Und für den dürfte es bei einer erneuten Niederlage noch ungemütlicher werden.

Auch Rudi Völler stellt sich hinter Heiko Herrlich

Zwar hatte sich auch Leverkusen-Sportdirektor Rudi Völler unter der Woche deutlich pro Herrlich positioniert: "Dieses nach zwei Spielen infrage stellen, wie lange er noch Trainer bleibt, ist natürlich absoluter Schwachsinn. Das ist eine Hysterie, die nicht zu ertragen ist." Liefern muss Herrlich trotzdem so langsam.

Es folgen die ersten englischen Wochen der Saison mit vier Spielen an zehn Tagen. Erst der Europa-League-Auftakt bei Ludogorez Rasgrad (20.9.), dann die Bundesliga-Spiele gegen Mainz (23.9.), in Düsseldorf (26.9.) und gegen Dortmund (29.9.). Steht Bayer dann immer noch tief im Tabellenkeller, könnte es für den früheren Regensburg-Coach Herrlich tatsächlich eng werden.

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BR Sport

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Heute im Stadion vom 15.09.2018 - 13:05 Uhr