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Ingo Lierheimer

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    Kommentar: FC Bayern, der Arroganz-Weltmeister

    Der FC Bayern ist verspätet nach Doha zur Klub-WM geflogen. Für Uli Hoeneß ein "Skandal ohne Ende". Und RB Leipzig weicht ins Risikogebiet Ungarn aus. Der Profi-Fußball zeigt seine hässliche Fratze, meint Ingo Lierheimer.

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    • Ingo Lierheimer

    Zum vierten Mal in seiner Vereinsgeschichte könnte der FC Bayern Weltpokalsieger, oder wie es inzwischen heißt, Klub -Weltmeister werden. Schon vor dem ersten Ballkontakt in Doha, wo das Turnier stattfindet, haben sich die Bayern durch Uli Hoeneß und Karl-Heinz Rummenigge aber einen anderen Titel gesichert: Arroganz-Weltmeister.

    Gepaart mit der Gier des Konzernklubs RB Leipzig, der sein Champions-League-Heimspiel gegen den FC Liverpool kurzerhand nach Budapest verlegt, da die deutschen Behörden wegen der Ansteckungsgefahr eine Austragung in Sachsen verboten haben, entsteht ein so bezeichnendes wie abschreckendes Bild des deutschen Profi-Fußballs.

    Sonderrechte seit Beginn der Pandemie

    Seit Beginn der Pandemie vor über einem Jahr haben die Bundesligen fast nicht pausiert. Damit haben sich die Klubs die finanziell so wichtigen TV-Einnahmen gesichert. Egal, wie lange, wie flächendeckend, wie tiefgreifend Deutschland seitdem im Lockdown steckte und steckt, die Profis haben weiter um ihre Millionen gespielt, gegrätscht, sich abgeklatscht, sind durch die Republik und durch Europa gereist. Sogar Zuschauer hätten die Vereine in die Stadien gelassen, aber hier waren die Gesundheitsminister und – aufgepasst! – deutschlandweite Fanbündnisse dagegen.

    Breitensport liegt dagegen brach

    Dies alles in einer Zeit, in der sich nicht einmal zwei Väter mit ihren beiden Kindern den Ball auf einer Wiese zukicken dürfen. Ganz zu schweigen davon, dass die Mitglieder der rund 90.000 Sportvereine in Deutschland komplett vor verschlossenen Türen stehen. Und in dieser privilegierten Situation des Profi-Fußballs spricht der ehemalige Bayern-Präsident Uli Hoeneß von einem "Skandal ohne Ende", weil das Team neun Stunden später als geplant losfliegen konnte. Und der Noch-Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge wittert sogar eine Verschwörung der Behörden gegen seinen FC Bayern.

    Auch Verhalten von Leipzig dreist, egoistisch, unverschämt

    Sollte der Profi-Fußball an seine Vorbild-Funktion aus Sonntagsreden tatsächlich glauben - bis zu den beiden Herren ist die Botschaft nicht vorgedrungen. Genauso wenig wie zu RB Leipzig - das ins Corona-Risikogebiet Ungarn ausweicht, um gegen Liverpool zu kicken. Weil die deutschen Behörden wegen der Virus-Mutation auch dem Team von Jürgen Klopp die Einreise verweigern. Wohlgemerkt zum gesundheitlichen Schutz aller, auch der Fans. Dies zu umgehen, ist dreist, egoistisch und ein Schlag ins Gesicht derjenigen, die wegen des Coronavirus um ihre Gesundheit oder wirtschaftliche Existenz fürchten müssen.

    Profi-Fußball kennt nur das Motto: Weiter so!

    Damit zeigen die Fußball-Konzerne ihre kalte Arroganz. Alle Absichtserklärungen für Reformen zu Beginn der Pandemie wie Gehaltsobergrenzen einführen, Financial Fairplay durchsetzen oder das Ablösesystem reformieren, sind bisher verpufft und werden es auch weiterhin, denn für Hoeneß und Co. zählt nur eines: Ihr Geschäft.

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