15 rote und sechs bunte Kugeln gilt es beim Snooker zu versenken.
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15 rote und sechs bunte Kugeln gilt es beim Snooker zu versenken.

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Königsdisziplin: Fürth ist Kaderschmiede für Snooker-Nachwuchs

Schwarze Weste, weißes Hemd, eine Fliege on top: Das ist der Turnier-Dresscode beim Snooker. Die Variante des Pool-Billard ist in England Volkssport. In Deutschland zählt sie eher zu den Randsportarten. Fürth gilt als Snooker-Talentschmiede.

Bei Turnieren ist der edle Dresscode Pflicht: schwarze Hose und Weste, weißes Hemd und natürlich eine Fliege. Denn Snooker ist eine edle Sportart. Die Variante des Pool-Billard gilt als Königsdisziplin. In England ist Snooker Volkssport, bei uns wird der Sport eher von einer kleineren Community betrieben, die aber durchaus erfolgreich ist. Der SSC Fürth (offiziell: Snooker-Sport-Club Fürth) hat schon etliche Talente hervorgebracht.

Talent aus Fürth: Fabian Haken amtierender Deutscher Meister

Zu diesen Talenten zählt zweifelsohne der 19-jährige Fabian Haken. Der junge Mann spielt Snooker seit er neun Jahre alt ist. Und das überaus erfolgreich. Zahlreiche Titel hat er schon erworben: darunter Bayerische und Deutsche Meister. Zuletzt gewann er die Deutsche U21-Meisterschaft in Bad Wildungen. Im März will er auf Malta bei der Europameisterschaft antreten. Bei der letzten EM kam er auf den neunten Platz.

Bis zu zehn Stunden in der Woche trainiert der Fürther Fabian Haken, der seit kurzem eine Ausbildung zum Steuerfachangestellten absolviert. Als er noch zur Schule ging, waren es sogar 16 bis 20 Trainingsstunden in der Woche. Am Snooker fasziniert ihn, dass es eine "sehr brutale Sportart ist, denn wenn man selber am Tisch ist, kann der Gegner eigentlich nichts machen – anders beim Tennis oder Fußball. Da sind die Spieler gleichzeitig auf dem Feld und man kann immer irgendwie auf den Gegner reagieren. Aber wenn du nicht am Tisch bist, dann kannst du nichts tun, du musst auf einen gegnerischen Fehler hoffen. Und dann kann das das brutalste Spiel in Anführungszeichen werden."

Beim Snooker sind viele Fähigkeiten gefragt

"Brutal" insofern, weil beim Snooker eben auch viel Konzentration, Körperspannung und ein gutes Auge gefragt sind. Und natürlich Köpfchen, erklärt Sportvorstand Kilian Baur-Pantoulier – ebenfalls mehrfacher Bayerischer Meister.

"Man sagt, dass man etwa drei Stöße im Voraus denken muss, weil man sich die weiße Kugel so positionieren muss, dass es danach möglichst einfach wird, auf die nächste Kugel zu stellen. Gleichzeitig muss man sich auch auf die Kugel konzentrieren, die vor einem liegt und die ganze Aufmerksamkeit diesem Stoß widmen." Sportvorstand Kilian Baur-Pantoulier
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Die Snooker-Tische sind größer als beim Pool-Billard. Die Profi-Tische haben eine Fläche von 366 auf 183 Zentimeter, gemessen an den Außenkanten.

Snookern bedeutet soviel wie ausbremsen

Ganz nebenbei soll man den gegnerischen Spieler noch in eine schwierige Situation bringen, so dass dieser seinen Ball nicht direkt spielen kann – ihn also snookern oder ausbremsen. Ziel des Spiels ist es, mehr Punkte als der Gegner zu erreichen. Diese bekommt man durch das gezielte Einlochen der insgesamt 21 Spielbälle (15 in Rot, sechs in den Farben Gelb, Grün, Braun, Blau, Pink und Schwarz). Rote und andersfarbige Kugeln müssen dabei abwechselnd eingelocht werden.

Keine leichte Aufgabe – und gerade deshalb auch eine echte Königsdisziplin, sagt Vorstand Thomas Cesal. Er betreibt den Randsport seit gut 30 Jahren, angefangen hat er während des Studiums. Die Faszination ist bis heute geblieben.

"Es ist ein Präzisionssport, da geht es um Nuancen, wenn man in dieser Hinsicht ein bisschen ehrgeizig ist, dann versucht man, diese Nuancen zu verbessern." Thomas Cesal, Vorstand SSC Fürth

Doch das perfekte Spiel schaffe man ohnehin nicht, dafür gebe es immer etwas zu lernen und zu verbessern – sei es an der Haltung oder am Stoß, sagt Cesal. Viel Kraft ist dabei nicht vonnöten. Das Schöne am Snooker sei, dass es eigentlich "jedermann und jedefrau" unabhängig vom Alter spielen kann, ergänzt Kilian Baur-Pantoulier.

Snooker – eine Sportart für alle

Snooker kann jeder spielen, egal wie alt oder jung er ist. Besonders stolz sind die Vorstände des SSC Fürth deshalb auch auf ihren Nachwuchs. "Wir haben ganz viele Junge, die gerade angefangen haben, das Spiel kennenzulernen. Das sind jetzt zehn Kids. Wenn ich in ganz Bayern schaue, wage ich zu behaupten, dass wir genauso viele Jugendspieler haben wie die restlichen bayerischen Vereine zusammen", erzählt Cesal. Ob diese dann dabeibleiben, sei immer die Frage. "Aber wenn einer oder zwei hängenbleiben, ist auch schon etwas gewonnen."

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