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Klaus Wolfermann ist 75 - "Kleiner Riese mit dem goldenen Arm" | BR24

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Klaus Wolfermann begeisterte die Massen im Münchner Olympiastadion 1972 als er dem lettischen Favoriten Janis Lusis die olympische Goldmedaille wegschnappte. Am 31. März feiert die deutsche Speerwurf-Legende ihren 75. Geburtstag.

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Klaus Wolfermann ist 75 - "Kleiner Riese mit dem goldenen Arm"

Klaus Wolfermann begeisterte die Massen im Münchner Olympiastadion 1972 als er dem lettischen Favoriten Janis Lusis die olympische Goldmedaille wegschnappte. Die deutsche Speerwurf-Legende feierte am 31. März ihren 75. Geburtstag.

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  • BR24 Sport

Der goldene Wurf am 3. September 1972 ist für Klaus Wolfermann der größte "Moment meines Lebens" gewesen. "Ohne Zweifel, ja", sagt er: "Wenn die Sprache auf München kommt, werden immer drei Namen genannt: Heide Rosendahl, Ulrike Meyfarth und meiner. Darauf bin ich stolz."

"Entschuldige, dass ich gewonnen habe"

Der legendäre Speerwurf-Zweikampf mit seinem lettischen Rivalen Janis Lusis, der letztes Jahr verstarb, ist Wolfermann auch nach fast 49 Jahren noch in "allen Nuancen" präsent - von der Qualifikation am Vortag bis zum entscheidenden fünften Wurf, bei dem er alles riskierte. Er verlängerte den Anlauf, erhöhte dadurch das Tempo und warf 90,48 Meter weit.

Damit übertrumpfte er sensationell den Favoriten Lusis, der vier Jahre zuvor Olympiasieger geworden war und zwei Monate vor den München-Spielen den Weltrekord auf 93,80 Meter verbessert hatte.

Selbst Wolfermann konnte damals sein Wurf-Glück nicht fassen. "Der Sieg war eigentlich nicht greifbar für mich gewesen. Da bin ich zu Janis Lusis gegangen und sagte: 'Entschuldige, dass ich heute gewonnen habe'."

"Ich glaube, es war auch die innige Umarmung danach, die den Menschen gezeigt hat, dass wir Sportler uns über alle politischen Systeme hinweg schätzen." Klaus Wolfermann
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Im Speerwurf gewann Klaus Wolfermann 1972 knapp vor dem 1968er-Olympiasieger Janis Lusis aus der Sowjetunion. 40 Jahre später traten beide noch einmal in München an.

Der "kleine Riese mit dem goldenen Arm" wird zur Berühmtheit

Der Triumph machte den Franken auf einem Schlag berühmt, was er noch bei den Münchner Spielen spürte. Beim Besuch der Turmsprung-Wettbewerbe wurde er auf die VIP-Tribüne neben dem US-Schauspieler Kirk Douglas und dem späteren spanischen König Juan Carlos platziert.

"Da ging nicht mehr der normale Wolfermann rein", erinnert er:"Das war eine tolle Situation. Da habe ich erst gemerkt, was mir passiert ist." Als Folge des Münchner Sieges wurde er zweimal zum "Sportler des Jahres" und 2011 zudem in die "Hall of Fame" des deutschen Sports gewählt.

In einer der Schlagzeilen nach dem Sensationscoup wurde er der "Kleine Riese mit den goldenen Arm" genannt, da er mit 1,76 Meter der kleinste unter den damaligen Speerwerfern war. "Wenn ein kleiner Mann große Leistungen bringt, ist er ein Riese", sagt Wolfermann, der dieses Handicap mit Schnelligkeit und Beweglichkeit ausglich.

Goldmedaille bleibt einziges internationales Edelmetall

Doch Wolfermann erlebte auch bittere Momente in seiner Karriere: Bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexiko war er in der Qualifikation ausgeschieden, die Sommerspiele 1976 in Montreal verpasste er verletzt.

"Es war eine meiner traurigsten Stunden überhaupt, am Fernsehen den Speerwurf-Wettbewerb anzusehen", erzählte Wolfermann, der am 5. Mai 1973 mit 94,08 Metern auch einen Weltrekord geworfen hatte. In seinen späten Sportlerjahren setzte er sich noch beim früheren WM-Zweiten Georg Heibl als Anschieber in den Bob.

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Der "goldene" 3. September 1972: Hildegard Falck gewinnt das 800-Meter-Rennen der Frauen, Geher Bernd Kannenberg über die 50 Kilometer, Klaus Wolfermann holt Gold im Speerwurf.

Soziales Engagement

Seine Berühmtheit nutzt der gelernte Werkzeugmacher, der zudem ein Sportlehrerstudium abschloss, bis heute für sein soziales Engagement in der Stiftung Kinderhilfe Organtransplantationen. Um weiter fit zu bleiben, geht er jeden Tag mindestens eine Stunde in seinen Fitnessraum im Keller. "Hätte ich den nicht gehabt in der Pandemie, wäre ich ziemlich grantig geworden", sagt Wolfermann.

Gescheiterte Olympiabewerbungen ärgern Wolfermann

Richtig ärgerlich findet er, dass mit der Rhein-Ruhr-Initiative wieder ein Olympia-Bewerbungsversuch - wie zuvor mit Berlin 2000, Leipzig 2012 und Hamburg 2024 sowie mit München für die Winterspiele 2018 - gescheitert ist.

"Anscheinend sind wird nicht fähig, eine Einheit zu bilden und uns gemeinsam stark zu bewerben", kritisiert Wolfermann, der als Botschafter für München 2018 engagiert war: "Man macht Tralala nach dem Motto: Es wird schon gehen, weil wir Deutschen im Sport so stark sind, kann keiner an uns vorbeigehen. Die Zeiten haben sich aber geändert."

"Alles schnell vorbeigegangen"

Für ihn selbst ist die Zeit seines Lebens nach dem großen Wurf viel zu flott gelaufen. "Mir tut das weh, wie schnell das alles vorbeigegangen ist", sagt Wolfermann, dem die Pandemie mit seinen Einschränkungen zu schaffen macht: "Ich bin einer, der menschlich ausgelegt ist, gern feiert und viel lacht."

In Corona-Zeiten ist dies nicht möglich, nicht mit Familie, Freunden und Nachbarn im Garten an seinem Geburtstag. "Das gibt es nicht. Das ist nicht gut", bedauert Wolfermann.